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Champions League Werbeveranstaltung für Ribéry

09.03.2010 ·  Die Sphinx von der Säbener Straße spricht in Rätseln von ihrer Zukunft. Die Champions-League-Begegnung in Florenz um 20.45 Uhr könnte Franck Ribéry davon überzeugen, in München zu bleiben.

Von Roland Zorn, Florenz
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Der Außenseiter will an diesem Dienstagabend „Geschichte schreiben“ - im „wichtigsten Spiel der Saison“. So spricht Cesare Prandelli, der Trainer des AC Florenz, vor dem Achtelfinalrückspiel der Champions League an diesem Dienstag gegen den FC Bayern München (20.45 Uhr / FAZ.NET-Champions-League-Liveticker). Dem Mann seine großen Worte abzunehmen fällt derzeit schwer, hat doch der Tabellenzehnte der Serie A sieben der vergangenen zehn Spiele verloren. Darunter das Hinspiel in München, wenn auch nur mit 1:2 und dazu durch ein Abseitstor von Klose. Insofern hoffen sie bei der Fiorentina mit guten Argumenten auf eine Umkehrung der Verhältnisse. Im Viertelfinale der europäischen Königsklasse ist der Klub mit der Vereinsfarbe Lila noch nie gesichtet worden. Das wäre für den AC Florenz ein Stück Vereinsgeschichte.

Ganz anders der FC Bayern. Für den deutschen Rekordmeister, häufigen Viertelfinalisten und Gewinner der Champions League im Jahr 2001 ist Florenz eine lösbare Pflichtaufgabe, die allerdings wegweisende Bedeutung haben könnte. Denn vom Erreichen weiterer Champions-League-Runden könnte die Beantwortung der Frage abhängen, ob der Münchner Superstar Franck Ribéry beim Tabellenführer der Fußball-Bundesliga bleibt und dort seinen Vertrag über 2011 hinaus verlängert.

Sicher ist sich im größten und reichsten Klub Deutschlands wohl niemand, der in Sachen Ribéry eine perspektivische Prognose formulieren soll. Der französische Flitzer vom linken Flügel mag es wie seine Berater, die Dinge in der Schwebe zu halten. Zuletzt wollte er eine Verlängerung seiner Zeit bei den Bayern zumindest nicht ausschließen, als er gegenüber einem französischen Fernsehsender sagte, dass sich seine weitere Zukunft „in zwei, drei Wochen“ entscheide. „Ich bin“, hob er hervor, „nicht hundertprozentig sicher, zu Real zu wechseln. Auch Chelsea und Manchester United zeigen Interesse. Aber das bedeutet nicht unbedingt, dass ich Bayern verlassen werde.“ Es sprach die Sphinx von der Säbener Straße.

Bayern mittlerweile seit 18 Spielen ungeschlagen

Was er an diesem Klub hat, weiß der seit 2007 für die Münchner wirbelnde allseits beliebte Fußballkünstler genau. Die Frage wird sein, ob ein Klub wie Real nicht noch elektrisierender auf ihn wirkt - zumal in Madrid gewiss nicht schlechter gezahlt wird als in München. Florenz dient den Bayern also auch als Werbeveranstaltung in eigener Sache. Uli Hoeneß, der Präsident, sagt zum Beispiel: „Wenn wir gegen Florenz weiterkommen, ein souveränes Spiel machen, Franck gut spielt und er das Gefühl hat, dass es eine Perspektive gibt - dann haben wir eine gute Chance. Wenn wir 0:3 verlieren, glaube ich nicht, dass er bleibt.“

0:3? Daran glaubt in der Münchner Reisegesellschaft indes kein Mensch. Karlheinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende, ist ebenso zuversichtlich wie alle anderen Bayern. Immerhin hat die Mannschaft unter ihrem neuen Trainer Louis van Gaal nun schon achtzehn Mal nacheinander nicht verloren. Und dazu haben Ribéry und sein von einem grippalen Infekt genesener kongenialer Flügelpartner Arjen Robben zuletzt oft genug europäisches Spitzenformat offenbart. „Franck lechzt nach Erfolg“, sagte Rummenigge am Montag, „er gehört zu den besten Spielern Europas. Ich will nicht alles, aber vieles in die Waagschale legen, um Franck Ribéry zu überzeugen, in München zu bleiben.“ Ob sich diese Waagschale dann gen München neigt, wird man sehen.

David Alaba: Karrieresprung in Windeseile

Offensiv plagen van Gaal keinerlei Sorgen in Florenz, mag auch die Fiorentina in München eine taktische Meisterleistung vollbracht und den Bayern damit viel von ihrem Angriffsschwung geraubt haben. Gespannt schauen der Trainer und seine Mannschaftskollegen an diesem Dienstag auf den 17 Jahre alten Wiener David Alaba. Er gibt sein Champions-League-Debüt in dieser Hopp-oder-Top-Partie, weil dem Trainer nicht mehr viele defensive Wahlmöglichkeiten bleiben.

Da Demichelis am vergangenen Mittwoch im Länderspiel der Argentinier gegen Deutschland das Jochbein brach, der junge Linksverteidiger Contento sich am Samstag in der Ligabegegnung beim 1. FC Köln eine tiefe Fleischwunde zuzog, Braafheid und Breno - der sich beim Nürnberger Sieg gegen Leverkusen einen Kreuzbandriss zuzog - ausgeliehen wurden, schlägt nun die Stunde des Teenagers.

Die Florentiner müssen auf der Hut sein

Lahm verteidigt rechts, van Buyten und Badstuber bilden das Bollwerk in der Mitte, und links darf der vielseitige Spund aus Wien ran. „Er ist selbstbewusst und wird seine Sache gut machen“, prophezeit Bastian Schweinsteiger, der selbst in sehr jungen Jahren seine Premiere in der ersten Bayern-Elf feierte. Alaba war mit 17 Jahren und 255 Tagen der jüngste aller Bayern-Newcomer in der Bundesliga. Und nun folgt sogleich die Champions League - wenn das kein Karrieresprung in Windeseile ist.

Die Kollegen werden ihm zur Seite stehen und auf ihn aufpassen. Nicht zuletzt Jörg Butt, der ruhende Pol im Tor. Der 35 Jahre alte Oldenburger ließ sich schon im Alaba-Alter durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen. Die Florentiner müssen vor ihm auf der Hut sein, der in drei Europacup-Partien gegen Juventus Turin drei Elfmeter verwandelte. Sollte es auch an diesem Dienstag einen Strafstoß für die Bayern geben, kann es sein, dass der Schlussmann mit fast hundert Metern Anlauf den magischen Punkt ansteuert. „Möglich, dass ich dann schieße“, sagte er am Montag lakonisch.

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