20.04.2010 · Wer kann Lionel Messi und den FC Barcelona in der Champions League stoppen? Vielleicht an diesem Dienstag ab 20.45 Uhr Inter Mailand mit Trainer Mourinho? Er hat damit zumindest Erfahrung.
Von Christian EichlerWer in den letzten fünf Jahren nicht extraterrestrisch verreist war, hat möglicherweise schon einmal von Lionel Messi gehört. Dennoch schien es in der vorletzten Woche, als wäre der kleine Argentinier wie ein Komet aus der Ferne des Weltraums auf dem Planeten Fußball eingeschlagen. Mit vier Toren beim 4:1 gegen Arsenal warf er nicht nur die gegnerische Abwehr aus der Bahn, auch die Wortbildmaschinen der spanischen Presse. Deren Ausstoß an Superlativen ist ohnehin inflationär, was sollten sie also nun schreiben? Na, was schon: „Ein Genius“ sei er, ein „Picasso des Fußballs“, ein „übernatürliches Wesen“, ein „Außerirdischer“, ja: „ein Gott“. Einer jammerte: „Wir müssen neue Adjektive finden, weil majestätisch, magisch, unvergleichlich und göttlich für ihn schon aufgebraucht sind.“ Und was, wenn er nun auch noch Weltmeister mit Argentinien wird? Ein hellsichtiger Kommentator glaubt, dass es nicht so weit kommen wird. Er hat die angeblich einzige Möglichkeit entdeckt, wie man Messi stoppen kann: „Indem man ihm Diego Maradona als Nationaltrainer gibt.“
An diesem Dienstag steht die Probe an, ob nicht doch eine zweite Möglichkeit existiert: Indem man Messi José Mourinho als Trainer der gegnerischen Mannschaft vorsetzt. Der Portugiese, der mit Inter Mailand den FC Barcelona im Halbfinale der Champions League empfängt, ist bekannt für seine Mischung aus akribischer taktischer Vorbereitung und gezielter verbaler Verunsicherung. In sechs Partien, fünf mit Chelsea, einer mit Inter, die Mourinho gegen Messi bestritt, hat der Superstürmer kein Tor erzielt und keines vorbereitet. Doch zuletzt hat ihn niemand stoppen können. Nun wartet die vielleicht letzte, die endgültige Hürde auf den Welteroberer Messi: Er muss den schlausten aller Spielverderber bezwingen.
In Barcelona gilt Mourinho immer noch als „El Tradutor“, als „der Übersetzer“. Er kam in dieser Rolle 1996 mit dem Engländer Bobby Robson und blieb dann als Assistent von Louis van Gaal. Als er später mit Chelsea gegen Barcelona drei der heißesten Champions-League-Duelle des letzten Jahrzehnts bestritt, machte er sich mit seinen Provokationen, Verschwörungstheorien, Giftmischereien bis heute dauerhaft unbeliebt in Katalonien.
Vor allem, als er den unbescholtenen Messi attackierte. Das war nach dem 2:1-Sieg von Barça an der Stamford Bridge, der höchsten Hürde auf dem Weg zum Champions-League-Sieg 2006. Barça-Trainer Frank Rijkaard hatte damals den Schwachpunkt von Chelsea im Linksverteidiger Asier del Horno erkannt - und den 18-jährigen Messi auf die rechte Angriffsseite gestellt. Der spielte del Horno schwindlig, bis der in einer Mischung aus Frust und Hilflosigkeit Messi umsenste und schon vor der Pause die Rote Karte erhielt, was die Partie entschied.
„Wie sagt man Betrüger auf Katalanisch?“
Mourinho beschimpfte Messi darauf als Schauspieler - etwas, für das Messi in seiner bisherigen Karriere keine Anhaltspunkte geliefert hat. „Wie sagt man Betrüger auf Katalanisch?“, ätzte er. „Barcelona ist eine Kulturstadt mit vielen großen Theatern, und dieser Junge hat das Schauspielen sehr gut gelernt.“ Eher widerwillig gab sich der schüchterne Messi später zu einer kleinen Volte gegen Mourinho her: Er ließ sich von der Presse mit einem Schädel in der Hand fotografieren wie Hamlet.
Die Barça-Fans haben das Theater nicht vergessen. Als Mourinho mit Inter in der Vorrunde der Champions League im November ins Camp Nou kam und 0:2 verlor, empfahlen sie ihm in Sprechchören: „Geh doch ins Theater.“ Messi spielte dabei nicht, er wurde geschont. Barça gewann im Schongang. Das Halbfinale werde aber ein ganz anderes Spiel, beteuert Mourinho. „Es ist mental ein völlig verändertes Team, voller Selbstvertrauen und Fähigkeit. Inter hat eine neue Dimension erreicht.“
Manndeckung für Messi?
Messi aber erst recht. Was kann man gegen ihn tun? Manche haben sogar schon die Rückkehr zur guten alten Manndeckung diskutiert - so wie Berti Vogts sich 1974 im WM-Finale als Zecke von Johan Cruyff bezahlt machte. Aber Manndeckung hieße, dass man ständig in 1:1-Situationen mit Messi müsste, der dann immer wieder den Ball auf der dem Manndecker abgewandten Seite annehmen und mit seinem explosiven Antritt wegziehen könnte. Das wird kaum funktionieren. Es gibt wohl nur eine Möglichkeit: Die Passwege zu Messi verschließen.
Barça-Trainer Pep Guardiola weiß das: „Wenn unsere Innenverteidiger die Pässe zu den Mittelfeldspielern nicht spielen können oder wenn unsere Mittelfeldspieler unsere Stürmer nicht versorgen können, dann wird auch Messi nicht viele Möglichkeiten bekommen.“ Den Bauplan, wie man Messi ruhigstellen und Barcelona kleinkriegen kann, lieferte Guus Hiddink vor einem Jahr im Halbfinale mit dem FC Chelsea, der das Kombinationsspiel der Katalanen 180 Minuten lang fast völlig erstickte - und nur durch einen späten Glücksschuss von Iniesta und vor allem durch die Unfähigkeit des norwegischen Schiedsrichters ausschied. Es ist eine Spielweise, die Mourinhos Idee entspricht: physische Stärke, Härte, Wucht, Organisation. Inter demonstrierte sie beim 1:0-Sieg im Achtelfinale bei Chelsea.
„Wir müssen es einfach genießen, einen wie ihn zu haben“
Das große Duell um Messi wird also der Kampf um die Räume sein. Beide Trainer wissen das, Mourinho ebenso sehr wie Guardiola, der ein glühender Verfechter des Pressings weit in der gegnerischen Hälfte ist - eine Kunst, wie sie seine Elf in den ersten dreißig Minuten beim Spiel in London gegen Arsenal in einer zuvor wohl unerreichten Perfektion zeigte.
„Wir müssen es einfach genießen, einen wie ihn zu haben“, sagt Guardiola über Messi. „Aber hinter ihm steckt ein hoher Aufwand des Teams: Wie wir den Gegner unter Druck setzen und wie wir ihm Freiräume geben.“ Auch der Komet des Fußballs braucht Raum und einen Ball, um außerirdisch zu sein.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 22 | 33 | 49 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 22 | 23 | 46 | ![]() |
| 3. | ![]() |
Bayern München | 22 | 35 | 45 | ![]() |
| 4. | ![]() |
FC Schalke 04 | 22 | 22 | 44 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 22 | 1 | 36 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 22 | 3 | 34 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 22 | 0 | 34 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 22 | -15 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
VfB Stuttgart | 22 | 1 | 26 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 22 | -2 | 26 | ![]() |
| 11. | ![]() |
Hamburger SV | 22 | -10 | 26 | ![]() |
| 12. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 22 | -11 | 25 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 22 | -6 | 24 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Köln | 22 | -13 | 24 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 22 | -12 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 22 | -12 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 22 | -17 | 18 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 22 | -20 | 18 | ![]() |