10.03.2010 · Nervenspiel in der Toskana: Im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League verlor der FC Bayern 2:3 in Florenz. Dank der Auswärtstor-Regel setzten sich die Münchner allerdings durch. Van Bommel und Robben trafen aus der Ferne mit Rückenwind.
Von Roland Zorn, FlorenzStürmische Winde, spektakuläre Tore, haarsträubende Fehler: Das Achtelfinalrückspiel der Champions League zwischen dem AC Florenz und dem FC Bayern München summierte sich zu einem aufregenden Duell, an dessen Ende die Münchner dank einer offensiven Steigerung nach der Pause das Viertelfinale des wichtigsten europäischen Fußball-Vereinswettbewerbs erreichten.
Zwar verloren sie am Dienstagabend im Stadio Artemio Franchi beim Tabellenzehnten der Serie A 2:3, doch dank des auswärts mehr erzielten Treffers setzten sich die Münchner, 2:1-Gewinner im Hinspiel, am Ende soeben durch. Es war ein schwer erkämpfter Erfolg, der immer wieder in Frage stand, weil sich die Bayern-Abwehr, voran Daniel van Buyten, Schnitzer en suite erlaubte. Florenz hatte schon 2:0 durch die Tore von Vargas (28. Minute) und Jovetic (54.) geführt, ehe van Bommel auf 1:2 (60,) verkürzte.
Jovetic erhöhte in den fünf spannendsten Minuten der Partie auf 3:1 (64.), ehe Robben mit einem Traumtor das 2:3 (65.) glückte. So durften die Bayern und ihr zahlreicher Anhang am Ende aufatmen und sich auf das Viertelfinale freuen, dessen Hinspiele am 30. und 31. März stattfinden werden. Allerdings wird dem Tabellenführer der Bundesliga dann Bastain Schweinsteiger fehlen, der nach der dritten Verwarnung einmal aussetzen muss. „Es gab einige brenzlige Situation. Aber wir sind verdient weiter“, sagte Kapitän van Bommel.
Frischer Wind an einem winterlich kalten Abend
Louis van Gaal machte am Dienstag wahr, was sich tags zuvor angedeutet hatte: Er vertraute dem Münchner Blitzaufsteiger der Woche den Posten des Linksverteidigers an. David Alaba, der jüngste Bayern-Debütant in der Fußball-Bundesliga, kam drei Tage nach seiner nationalen Premiere zu seinem ersten Spiel in der ersten Mannschaft von Beginn an und lieferte eine ordentliche Partie. Und das, alle Achtung, in der Champions League. Der 17 Jahre alte Wiener mit dem nigerianischen Vater und der philippinischen Mutter genoss das volle Vertrauen seines niederländischen Trainers und seiner Mannschaftskameraden.
Froh war der Jugendförderer aus Amsterdam gewiss auch darüber, dass Arjen Robben, am Samstag in Köln wegen eines grippalen Infekts schmerzlich vermisst, wieder in der Startaufstellung stand so wie auch sein Pendant auf dem linken Flügel, Franck Ribéry. Der an Sprunggelenkproblemen leidende Franzose war beim 1:1 in Köln erst in der zweiten Hälfte eingewechselt worden.
Ein frischer Wind fegte an diesem winterlich kalten Abend durch das Stadio Artemio Franchi, und er blies zunächst den Bayern ins Gesicht. Von konstruktivem Spielaufbau konnte unter den böigen Verhältnissen lange nicht die Rede sein. Die Fiorentina, nach vorn gepeitscht von ihrem leidenschaftlichen Anhang in der mit 47.000 Zuschauern ausverkauften Arena, nutzte den Rückenwind vor der Pause aus und ging nach 28 Minuten in Führung. Dabei half auch Torhüter Butt kräftig mit, der einen Dreißig-Meter-Schuss von Kapitän Montolivo nur abklatschen konnte. Nutznießer war der Peruaner Vargas, der aus spitzem Winkel den Ball ins Münchner Tor drosch und von van Buyten nicht weiter gestört wurde.
Zur Halbzeit liegt der AC Florenz auf Viertelfinalkurs
Erst nach dem Rückstand nahm das Spiel der Münchner mehr Fahrt auf. Robben hätte nach 34 Metern den Ball nur kühl schieben statt blindlings aufs Tor hauen müssen. So aber parierte Frey seinen Schuss aus fünf Metern noch. Vier Minuten vorher war für den wie Lahm, van Buyten und Ribéry glücklosen Gomez das Spiel vorbei. Der Angreifer war umgeknickt und musste durch Klose ersetzt werden, der im Hinspiel aus einer Abseitsposition das Tor zum 2:1-Erfolg für den FC Bayern erzielt hatte.
In Florenz aber lag die Fiorentina bei Halbzeit in der Gesamtaddition auf Viertelfinalkurs - aufgrund der Europacup-Arithmetik mit der Höherbewertung auswärts geschossener Treffer bei Torgleichheit. „Wir werden unsere Chancen bekommen und die Partie drehen“, prophezeite der Münchner Sportdirektor Nerlinger zur Pause. Eine mutige Prognose, die mit dem, was danach kam, zunächst nichts zu tun hatte.
Jovetic veralbert van Buyten ein weiteres Mal
Konnte Butt mit einer sehenswerten Fußabwehr den Schuss von Gilardino noch abwehren (50.), war er danach chancenlos, als Gilardino per Hacke den quirligen Montenegriner Jovetic freispielte. Der schob den Ball, unbedrängt von Münchner Gegenwehr, locker zum 2:0 ins Tor der Bayern (54.). Nun war das erhoffte Wendemanöver für den deutschen Rekordmeister schon eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Doch ohne weiteres geschlagen wollten sich die Münchner nun auch nicht geben. Und so ging der Kapitän nach einer Stunde beispielhaft voran. Mark van Bommel, schon bis dahin bester Bayern-Spieler, hämmerte den Ball nach Ribérys erster guter Aktion, einem Rückpass aus 23 Metern, flach ins linke Eck.
1:2, das bedeutete den vorläufigen Gleichstand und verhieß eine eventuelle Verlängerung. Aber nicht lange. Dann war klar, dass diese Partie nach neunzig Minuten entschieden sein würde. Jovetic veralberte van Buyten ein weiteres Mal und nutzte danach seine freie Schussbahn zum 3:1 (64.). Doch die Freude der Italiener währte nur ganz kurz, dann folgte Robens Geschoss aus 20 Metern ins linke Dreieck zum 2:3 (65.). Bei diesem Zwischenstand in diesem aufregenden Duell war erstmals der FC Bayern auf dem Weg in die Runde der letzten Acht, und dabei blieb es denn auch bis zum Abpfiff.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 21 | 32 | 46 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 21 | 35 | 44 | ![]() |
| 3. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 21 | 22 | 43 | ![]() |
| 4. | ![]() |
FC Schalke 04 | 21 | 18 | 41 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 21 | -1 | 33 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 21 | 0 | 31 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 21 | -2 | 31 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 21 | -11 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
VfB Stuttgart | 21 | 3 | 26 | ![]() |
| 10. | ![]() |
Hamburger SV | 21 | -8 | 26 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 21 | -2 | 25 | ![]() |
| 12. | ![]() |
1. FC Köln | 21 | -12 | 24 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 21 | -6 | 23 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 21 | -12 | 22 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 21 | -11 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 21 | -11 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 21 | -14 | 18 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 21 | -20 | 17 | ![]() |