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Champions-League-Kommentar Bayern finden Trüffel im Piemont

09.12.2009 ·  Bayern München zeigte beim 4:1-Sieg in Turin die beste Saisonleistung. Aber: Der deutsche Rekordmeister tat das gegen einen Gegner, der Fußball von vorgestern spielte. Und alle möglichen Gegner im Achtelfinale sind besser als die altersschwache Dame aus Turin. Dann erst zeigt sich, wie gut die Bayern sind.

Von Christian Eichler
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Es ist Trüffelsaison im Piemont. Auch die Bayern sind fündig geworden. Nach Monaten, in denen sie den Fans meist spielerisches Graubrot serviert hatten, tischten sie ein Turiner Menü voller Delikatesse auf, eines, das zugleich schmeckte, sättigte und Appetit auf mehr machte.

Die hauseigenen Gourmetkritiker schwelgten in Begriffen wie „magisch“, „überwältigend“ oder „traumhaft“. Stefan Effenberg, der Kapitän der letzten Sieger-Elf der Bayern in der Champions League 2001, fragte sogar, wer sie denn nun stoppen solle, wenn erst auch noch Franck Ribéry zurückgekehrt sei.

Der Überschwang ist verständlich. Das Glück, sich aus fast hoffnungsloser Lage zu befreien und zu belohnen, verschafft emotionale Momente, in denen der rationale Alltag eine Auszeit bekommt. All die kühlen Zweifel und das ewige „Ja, aber“ sind dann nicht gefragt. Für das Wachstum eines Teams, für dessen Selbstvertrauen sind solche Erfolge wichtig. Ebenso wichtig ist es, die Fakten nicht zu vergessen. In Kürze: Die Bayern haben ihre beste Saisonleistung gezeigt. Aber: Sie taten das gegen einen Gegner, der Fußball von vorgestern spielte.

Als Gruppenzweiter drohen den Bayern starke Gegner

Ehemalige Weltstars wie Buffon, Cannavaro oder Del Piero wirkten wie Freigänger aus dem Fußball-Altenheim. Neben dem Zeitlupenspiel eines Diego sah selbst ein Schweinsteiger wie ein Sprinter aus. Der italienische Fußball hat die Fußball-Moderne verpasst, weil er für seine alten Tugenden, das Verlangsamen des Spiels und Warten auf Fehler, 2006 eher zufällig noch einmal mit einem WM-Titel beschenkt wurde.

Gegen Teams, die Fußball mit Initiative und Dominanz spielen, ist er zunehmend chancenlos. Italienische Teams verloren alle sechs K.-o.-Duelle gegen englische Klubs in den beiden letzten Spielzeiten der Champions League. Nur weil die Uefa-Fünfjahreswertung solche Entwicklungen nur mit großer Verzögerung wiedergibt, dürfen sie sich noch auf ihren vier Startplätzen ausruhen.

Auf Dauer sitzt nur der Rekordmeister am Tisch der Großen

All das schmälert die großartige Leistung der Bayern in keiner Weise. Doch sicher ist: Alle möglichen Gegner im Achtelfinale spielen einen schnelleren Fußball als die „alte“, altersschwache Dame aus Turin. Und mit modern spielenden Teams, wie es sie in der Bundesliga selbst in der unteren Tabellenhälfte längst gibt, mit Gegnern, die bei Ballbesitz des Gegners das Spiel eng machen und bei eigenem schnell, taten sich die Bayern zuletzt schwer.

Als Gruppenzweiter droht ihnen im Achtelfinale eines der großen Teams aus den beiden großen Ligen der Champions League, England und Spanien. Was das bedeutet, hat der VfL Wolfsburg erfahren. Für ihn war selbst die B-Auswahl von Manchester United eine Nummer zu groß. Der deutsche Meister steigt in die Europa League ab. Und es ist wie immer: Auf Dauer sitzt nur der deutsche Rekordmeister am Tisch der Großen.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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