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Champions League Die Bayern sind wieder mehr als Ribéry und Robben

09.12.2009 ·  Ein 4:1 bei Juventus bügelt alles aus: Nach der magischen Nacht von Turin träumt der deutsche Rekordmeister von alter Dominanz in der Bundesliga. Und der Triumph in Italien bewies: Es geht auch ohne Franck Ribéry und Arjen Robben.

Von Elisabeth Schlammerl, Turin
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Nur Uli Hoeneß fehlte. Er hatte sich erst noch ein Weißbier geholt an der Bar, ehe er gemütlich mit dem Glas in der Hand durch die Reihen des Bankettsaals im Hotel Principi di Piemonti schlenderte und neben dem Trainer Platz nahm. Früher, als er noch Manager war, wäre das vermutlich nicht vorgekommen. Aber Hoeneß ist seit knapp zwei Wochen Präsident des FC Bayern München, und in dieser Funktion kann er es sich erlauben, der Letzte zu sein.

Karl-Heinz Rummenigge begann seine Ansprache dann auch mit einem kleinen, nicht ernst gemeinten Seitenhieb auf den unpünktlichen Kollegen. Es war ein lockerer Einstieg in eine Rede, die dem rhetorisch manchmal unbeholfen wirkenden Vorstandsvorsitzenden leichtfiel. Das 4:1 des FC Bayern München bei Juventus Turin am Dienstag bedeutete mehr als den Einzug ins Achtelfinale der Champions League. Mit diesem Spiel, diesen unglaublichen 90 Minuten hat die Mannschaft die bisherige Saison gerettet.

Rummenigge sprach von einer „magischen Nacht“, einem „historischen Sieg“ und riet Louis van Gaal dazu, „das eine oder andere Gläschen Rioja zu trinken, damit du zur Ruhe kommst und eine ruhige Nacht verbringst“. Der Trainer hätte in den vergangenen Monaten schon ein paar Mal Grund dazu gehabt, schlaflose Stunden zu verbringen. Am Dienstag aber sicher nicht.

Es war die Willensleistung eines funktionierenden Kollektivs

Van Gaal hat die Skeptiker im Verein, zu denen auch Rummenigge gehört, vielleicht noch nicht restlos überzeugt. Die Partie gegen Juventus, der grandiose Sieg hat ihm allerdings den Arbeitsplatz eine geraume Zeit gesichert. Es ist beinahe egal, was bis zur Weihnachtspause noch passiert, wie die Begegnungen in der Bundesliga am Samstag in Bochum und eine Woche zu später zu Hause gegen Berlin enden. „Es gibt immer Schlüsselspiele in einer Saison“, sagte Sportdirektor Christian Nerlinger. „Ich kann mir vorstellen, dass das eines war.“

Auch im vergangenen Jahr hatten die Bayern beachtliche Champions-League-Abende erlebt. Es hatte zwei Rekordsiege gegen Sporting Lissabon gegeben, ehe die Schmach von Barcelona im Viertelfinale alles zerstörte. Dieses Mal ging es schon im letzten Gruppenspiel um die Existenz im wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb. Vielleicht musste die Mannschaft eine Herausforderung wie die gegen Turin bekommen, um zu alter Stärke zurückzufinden. Die Gewissheit, entscheidende Spiele zu gewinnen, die Fähigkeit, immer dann präsent zu sein, wenn es darauf ankommt, war den Münchnern in den vergangenen Jahren abhandengekommen.

Im Olympiastadion von Turin war diese Mentalität plötzlich wieder da. Die Münchner zeigten all das, was sie in dieser Saison fast immer hatten vermissen lassen. In hohem Tempo ließen sie den Ball laufen, bewegten sich geschwind über den Platz, wechselten schnell die Positionen und kämpften um diesen Sieg, als ob davon nicht nur der Verbleib in der Champions League abhängen würde. Der Abend von Turin war die Willensleistung eines funktionierenden Kollektivs, was vor allem nach dem frühen Rückstand durch Trezeguet sichtbar wurde. „Wir haben gezeigt, dass wir eine richtige Mannschaft sind und zusammen kämpfen können“, sagte Kapitän Mark van Bommel.

Auch ohne Robben und Ribéry kann der FC Bayern glänzen

Gegen Wolfsburg Ende August vielleicht und eine Halbzeit lang im Hinspiel gegen Juventus traten die Bayern ähnlich souverän auf, aber in jenen beiden Partien spielten jeweils Ribéry und Robben eine wichtige Rolle. Am Dienstag war Ribéry gar nicht dabei, Robben kam erst in der 73. Minute ins Spiel, als die Bayern schon 2:1 führten.

Die Mannschaft hat gegen Juventus bewiesen, dass sie auch ohne die beiden Stars in der Lage ist, ansehnlichen und ideenreichen Fußball zu spielen. In die Rolle des Gestalters rückte ausgerechnet einer, der sich in den vergangenen Wochen immer vorwerfen lasse musste, das Spiel zu verschleppen.

„Zehn Minuten vor dem Ende war das Duracellhäschen kaputt“

Bastian Schweinsteiger wirkte im Mittelfeld, als ob er einen Schnellkursus im Tempomachen absolviert hätte. Vorne narrte Ivica Olic die Turiner Abwehr, indem er wie das nimmermüde Häschen einer Batteriewerbung umhersauste. „Aber zehn Minuten vor dem Ende war das Duracellhäschen kaputt“, gab Olic zu, der nicht nur den Elfmeter herausholte, der zum Ausgleich führte, sondern das wichtige 2:1 erzielte.

Mario Gomez und Anatoli Timoschtschuk sorgten in der Schlussphase mit ihren Treffern dafür, dass der Sieg auch in der Höhe der Leistung entsprach. Der vielleicht schwierigste Part fiel Torhüter Hans-Jörg Butt zu, als er beim Stand von 0:1 zum Strafstoß antrat, diesen aber so souverän verwandelte wie zuvor die anderen beiden Elfmeter, die er in seiner Karriere gegen Juventus schon geschossen hatte.

„Der Sieg sorgt für gute Stimmung und Selbstvertrauen“

Spiele wie diese sind natürlich Ausnahmeerscheinungen, sie sind nicht beliebig reproduzierbar. Die Bayern erhoffen sich von diesem Auftritt aber eine Art Signalwirkung für die Bundesliga. „Der Sieg sorgt für gute Stimmung und Selbstvertrauen“, sagt Nerlinger. „Wenn wir die zwei Spiele bis Weihnachten gewinnen, dann haben wir die Voraussetzung geschaffen, in der Rückrunde den einen oder anderen Titel zu holen.“

Manchmal neigen die Bayern nach Sternstunden dazu, ihre Macht auch verbal zu demonstrieren, und versuchen, die Konkurrenz einzuschüchtern. In Turin genossen sie den Moment, erlaubten sich nur einen kleinen Ausblick auf die letzten zwei Spiele in diesem Jahr. „Wir brauchen noch den einen oder anderen Punkt, damit die da oben wissen, dass wir jetzt wirklich mit Volldampf kommen“, sagte Rummenigge. Daran hat seit der Nacht von Turin wohl niemand mehr Zweifel.

Juventus Turin - Bayern München 1:4 (1:1)
Juventus Turin:
Buffon - Martin Cáceres, Cannavaro, Legrottaglie, Grosso - Camoranesi, Felipe Melo (81. Giovinco), Marchisio - Diego (65. Amauri) - Trezeguet, Del Piero (46. Poulsen)
Bayern München: Butt - Lahm, van Buyten, Demichelis, Badstuber -Müller, van Bommel, Schweinsteiger, Pranjic (73. Robben) - Gomez, Olic (79. Timoschtschuk)
Schiedsrichter: Busacca (Schweiz) -
Zuschauer: 27.044 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Trezeguet (19.), 1:1 Butt (30./Foulelfmeter), 1:2 Olic (52.), 1:3 Gomez (83.), 1:4 Timoschtschuk (90.+2)
Gelbe Karten: - / Demichelis (1), Pranjic (2), Schweinsteiger (2)

Quelle: F.A.Z.
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