Home
http://www.faz.net/-gtn-1691w
Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Caio bei Eintracht Frankfurt Die wundersame Entwicklung eines Profis

 ·  Gegen Leverkusen hat der Brasilianer Caio gezeigt, zu welchen Leistungen er fähig ist. Seine Entwicklung ist Sinnbild für den Erfolg der Frankfurter Eintracht, die mit einem Sieg gegen Gladbach einen Schritt Richtung Europapokal machen könnte.

Artikel Bilder (7) Lesermeinungen (0)

Kommt jetzt der nächste „Kracher“? Dieser Schuss ist haften geblieben. Wie ein ballistisches Wunderwerk schlug er am Samstag im Gehäuse von Nationaltorhüter René Adler ein, und alle, die mit der Eintracht, vor allem aber mit dem Brasilianer Caio sympathisieren, waren begeistert. „Einfach phantastisch“, schwärmte der Frankfurter Trainer Michael Skibbe.

Der 44 Jahre alte Coach, der die Hessen in der Fußball-Bundesliga als Tabellenachter bis auf einen Zähler an die Europapokalränge herangeführt hat und im Vierkampf mit dem Hamburger SV, dem VfB Stuttgart und dem VfL Wolfsburg an diesem Freitag beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach an dem Trio vorbeiziehen kann, hat großen Anteil an der wundersamen Entwicklung des Fußballprofis Caio César Alves dos Santos, genannt Caio.

Caio - das war lange einer der Pflegefälle der Eintracht. Für die Vereinsrekordsumme von knapp vier Millionen Euro aus Sao Paulo nach Frankfurt gekommen, wurden sofort große Hoffnungen mit dem Brasilianer verknüpft. „Viele verbinden mit ihm den Wunsch nach internationalem Fußball“, sagt Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Jetzt endlich, nach mehr als zwei Jahren Anlaufzeit, bietet sich tatsächlich die Chance, wieder einmal über die Landesgrenzen hinaus für den Fußball der Marke Eintracht zu werben. Oder ist es der Fußball der Marke Caio?

„Da kann nur der liebe Gott helfen“

Richtig ist: Auch Skibbe hat wie Trainer-Routinier Friedhelm Funkel schnell erkannt, dass dieser zum Phlegma neigende Fußballprofi besondere Ansprache braucht. Doch anders als sein Vorgänger hat Skibbe vom ersten Tag an versucht, den Brasilianer wirklich stark zu reden und seine (Schuss-)Fähigkeiten hervorzuheben. „Für unsere Mannschaft kann er noch ganz wertvoll werden.“ Eine Einschätzung, die Spielerversteher Skibbe schon vor längerer Zeit getroffen hatte, als Caio noch nicht das Siegtor in Bochum und das „Tor des Jahres“ beim 3:2 gegen Leverkusen gelungen war, das selbst Bayer-Trainer Jupp Heynckes in großes Staunen versetzte. „Da kann nur der liebe Gott helfen.“

Es war aus gut 35 Metern ein Schuss wie ein Strich, der nach halber Strecke plötzlich die Flugbahn änderte und an der Lattenunterkante einschlug. „Wir wissen, dass bei Caio die Bälle flattern“, sagt Skibbe. „Man kann sie eigentlich nur zufällig halten.“ Wird aus Caio, dem vermeintlichen Millionen-Missverständis, also doch noch ein vielbeachteter Fußballprofi?

Die zwei Aufgaben bei Fitnesstests - vergessen

Für den Brasilianer war dieser Geniestreich gegen Leverkusen das vierte Saisontor. Wenn man berücksichtigt, dass der 23 Jahre alte Südamerikaner unter Skibbes Führung überhaupt nur fünf volle Partien über die gesamten neunzig Minuten absolvierte (bei 19 weiteren Ein- oder Auswechslungen), ist das eine erstaunlich gute Quote. Zumal Caio die Gabe besitzt, die Bälle kunstvoll und mit Raffinesse zu veredeln. Dass Caio einst in der Funkel-Ära zweimal bei Fitnesstests an körperliche Grenzen stieß und aufgeben musste - vergessen. „Was Caio leisten kann, haben wir ja immer geahnt“, sagt Vorstandschef und Manager Bruchhagen. „Jetzt sehen wir es auch auf dem Platz.“

Bei aller Freude über Caios Leistungsentwicklung: Trainer Skibbe weiß auch, „dass er immer noch in der Umschaltaktion von Offensive auf Defensive Defizite hat. Aber er ist ein guter Junge.“ Unbestritten ist, dass mit der plöztlich (wieder-)gefundenen Lust am Fußball ein „Tempodribbling verbunden ist, in das er sehr schnell kommt“, wie der Eintracht-Coach findet. „Trotzdem ist mir das noch zu wenig. Ballverlust, Draufgehen - wenn Caio ein richtig guter Spieler werden will, muss er das lernen. Ich bin aber sicher, Caio wird ganz sicher noch besser.“ Nach zweijähriger Anlaufzeit des nach wie vor nur rudimentär deutsch sprechenden Brasilianers sind die ersten Schritte endlich gemacht. Weitere sollen und müssen folgen. Der Vertrag des Publikumslieblings läuft noch bis 2012. Man darf auf weitere „Kracher“ hoffen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1961, Sportredakteur.

Jüngste Beiträge

Umfrage

Wie halten Sie es mit dem Confed-Cup?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.

Umfrage

Wer war der beste Torwart der Rückrunde?

2338 Stimmen wurden abgegeben.

26%
Manuel Neuer (München)
12%
René Adler (Hamburg)
49%
Roman Weidenfeller (Dortmund)
10%
Kevin Trapp (Frankfurt)
3%
Marc-André ter Stegen (M’gladbach)
Die Umfrage ist geschlossen. Alle Umfragen
Umfrage

Wer war Ihr Spieler der Rückrunde?

3171 Stimmen wurden abgegeben.

45%
Franck Ribéry
25%
Robert Lewandowski
25%
Bastian Schweinsteiger
5%
Mario Götze
Die Umfrage ist geschlossen. Alle Umfragen