Der BVB hat die schwerste Gruppe erwischt mit Real Madrid und Manchester City. Am Dienstag geht es mit Ajax Amsterdam los. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagt, in dieser Gruppe würden Helden geboren. Werden auch Dortmunder Helden darunter sein?
Die anderen Klubs in unserer Gruppe sind auch nicht froh darüber, gegen Borussia Dortmund spielen zu müssen. Sie hätten sich bestimmt erhofft, aus Topf vier eine andere Mannschaft zu bekommen. Bei Spielen gegen Real Madrid oder Manchester City ist die individuelle Qualität des Gegners extrem hoch, das heißt, Fehler werden vielleicht schneller bestraft, aber die Fehler, die wir vor einem Jahr in der Champions League gemacht haben, wären auch in der Bundesliga bestraft worden.
Und was ist mit den Helden? Könnte Mario Götze einer werden?
Es ist nicht unser Ansatz, jetzt auf einzelne Spieler abzuheben. Da könnten wir genauso Marco Reus nennen, Robert Lewandowski, Mats Hummels oder andere. Die Champions League ist nicht dafür da, dass sich Einzelne dort darstellen dürfen. Für Mario Götze ging es zuletzt darum, in die Verfassung zu kommen, um wieder neunzig Minuten lang unseren Fußball mit seiner individuellen Klasse zu verbinden.
Dortmund ist den Beweis schuldig geblieben, mehr als ein halbes Jahr lang den Parallelschwung Bundesliga und Champions League zu beherrschen. Stößt der Vollgas-Fußball à la Jürgen Klopp nach zwei Jahren voller Tempo, Biss und Hunger an Grenzen?
Wir waren national in den vergangenen zwei Jahren klar die beste Mannschaft. Das war aber eine Herkulesarbeit, die unsere Spieler erbracht haben. Wir müssen uns immer wieder vergegenwärtigen, mit welcher Art Fußball wir so erfolgreich geworden sind. In der vergangenen Saison haben wir ja gerade in jener Phase gegenüber den Bayern aufgeholt, in der beide Mannschaften exakt die gleiche Belastung hatten. Aber der Erfolg kann einiges verändern, gerade bei einer so jungen Mannschaft wie unserer. Dann muss man darauf hinweisen, dass wir einen ganz besonderen Stil haben, Fußball zu spielen - und nur diesen. Hauptaufgabe ist es, unseren Fußball durchzusetzen. Das ist uns in der vergangenen Saison international nicht gelungen. Da war von allem etwas dabei: Mal waren wir vom Gegner beeindruckt, mal wollten wir zu sehr zeigen, wie Fußball gespielt wird, und haben dabei mehr Fehler gemacht als in der Bundesliga.
Braucht man in der Champions League taktisch nicht auch einen Plan B und die Fähigkeit, ökonomischer zu spielen?
Die Frage ist in der Tat, ob du einen starken Gegner mit einem guten Pressing genauso unter Druck setzen kannst wie in der nationalen Liga. Barca schafft es jedenfalls wettbewerbsübergreifend. Ob uns das auch gelingt gegen Madrid oder Manchester, werden wir sehen. Je länger die Saison dauert, desto schwerer kann es werden, aber das ist eben unser Auftrag, mit dem wir umgehen müssen. Wenn ich in der Nationalmannschaft und in der Champions League spielen will, muss ich mental bereit sein, alle drei Tage meine Höchstleistung abzurufen. Wir haben den Kader so breit aufgestellt, dass man auch mal rotieren lassen kann. In Ausnahmefällen kann es nötig sein, ein 1:0 schmucklos über die Zeit zu bringen wie in der vergangenen Saison zu Hause gegen Piräus. Das müssen wir lernen. Solche Spiele gehören auch einmal dazu, aber sie sind nicht unser Stil.
An Substanz hat die Dortmunder Mannschaft aber nur dank Marco Reus gewonnen.
Das mag Ihre Einschätzung sein.
Wie lautet Ihre?
Mario Götze hat ein halbes Jahr nicht gespielt, er greift jetzt wieder voll an. Vor einem Jahr haben wir in Sebastian Kehl auch einen wichtigen Mann dazubekommen, der in der Saison davor so gut wie gar nicht hatte spielen können. Darüber hinaus entwickeln wir uns als Mannschaft weiter. Insgesamt sind wir reifer als im letzten Jahr.
Jürgen Klopp gilt als der Star unter den deutschen Trainern. Irgendwann wird er vielleicht auch über Wasser laufen, aber viel internationale Erfahrung besitzt er nicht. Wie schwer wiegt dieses Manko?
Jeder weiß, dass Jürgen Klopp bereit und imstande ist, sich schnell auf neue Situationen einzustellen. Das Spiel bleibt in der Champions League ja letztlich das gleiche, und die Regeln ändern sich auch nicht.
Wenn Klopp so weitermacht, dürfte irgendwann ein Scheich kommen und die Portokasse öffnen, um ihn abzuwerben. Was machen Sie dann?
Es ist nichts Neues, dass Jürgen für andere Vereine sehr interessant ist, auch im Ausland. Dort wird nicht nur die Tabelle wahrgenommen, sondern auch die Art und Weise, wie wir Fußball spielen. Sie hat Eindruck hinterlassen. Diesen Eindruck wollen wir in der Champions League bestätigen. Wir haben mit Jürgen eine Vereinbarung, dass wir unseren Weg mindestens bis 2016 gemeinsam fortsetzen. Die Betonung liegt auf mindestens.
Was empfinden Sie, wenn Vereine wie Chelsea, Paris oder St. Petersburg für Spielertransfers Hunderte Millionen Euro ausgeben, die sie nicht erwirtschaftet haben?
Das geht ja seit mehr als einem Jahrzehnt so. Die Uefa hat Financial Fairplay angeregt und wird es hoffentlich auch strikt anwenden. Es ist leicht, kleinere Sanktionen gegen Malaga und andere zu verhängen, wie jüngst geschehen. Bisher wurden nur Klubs bestraft, die ein paar offene Rechnungen nicht bezahlt haben.
Wird die Uefa den Mut aufbringen, auch bedeutenden Klubs auf die Finger zu klopfen?
Wenn man den Worten des Uefa-Präsidenten Michel Platini glauben darf, wird der Verband das tun.
Und wie steht es grundsätzlich um die Bundesliga im internationalen Wettbewerb?
Die Bundesliga hat in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen, sie kann Spieler von Rang aus anderen Ländern verpflichten, die vor zehn Jahren noch nicht nach Deutschland gewechselt wären. Das ist ein Trend, der sich eher noch verstärken wird. Insgesamt betrachtet ist die Bundesliga schon jetzt attraktiver denn je - wegen ihrer Ausgeglichenheit. Bei uns kann der Erste gegen den Letzten verlieren. Das ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal.
Warum halten dann meist nur die Bayern auf höchstem Niveau mit?
Bayern München ist der einzige Bundesligaklub, der wirtschaftlich mit den ganz Großen in Europa mithalten und sich ähnliche Gehälter wie der AC Mailand und einige andere leisten kann. In anderen Ländern gibt es zudem Sonderkonditionen, die es den absoluten Topklubs immer wieder ermöglichen, ganz vorn zu landen.
Was meinen Sie damit?
Manche Vereine haben in ihren Ländern eine Vormachtstellung. So stark die spanische Liga sein mag - Real Madrid oder der FC Barcelona können es sich leisten, in der Liga mal mit ihrer B-Truppe aufzulaufen, und gewinnen dann trotzdem. Und selbst wenn sie ab und zu verlieren, kann es ihnen letztlich egal sein, ob sie mit 100 Punkten Meister werden oder mit 97. Bei allem Respekt, die Ausgeglichenheit wie in Deutschland ist dort nicht gegeben.
BVB-Geschäftsführer Watzke sagt, Dortmund könnte sich unter den ersten zehn Klubs in Europa etablieren, sobald der Umsatz es ermögliche, hundert Millionen Euro Gehälter oder mehr zu zahlen. Wann ist es so weit?
Das ist schwer zu sagen. Viele wirtschaftliche Faktoren sind auf Jahre hinaus festgelegt. Am Ende geht es darum: Wie weit komme ich in der Champions League? Da liegt ein großer Hebel. Wir sind wirtschaftlich gut aufgestellt, aber wir können auf Dauer nur mithalten, wenn das Financial Fairplay konsequent durchgesetzt wird.
Nicht so schwer
Michael Rembrink (mr1960)
- 18.09.2012, 21:08 Uhr
Spielt man international vielleicht doch anders?
Rolf Huchthausen (huchthausen)
- 18.09.2012, 12:04 Uhr