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BVB-Chef Watzke „Wir wollen Bayern nicht angreifen“

Borussia Dortmund begann das Jahr mit dem Transfer von Marco Reus. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke spricht im Interview über die Rückkehr des einst verlorenen Sohnes, das Traumduo mit Götze und die schlechte Laune von Barrios.

© dpa Vergrößern Watzkes Ansichten: „Wir sind kein Bayern-Jäger, sondern Punktejäger“

Borussia Dortmund hat Marco Reus verpflichtet, den begehrtesten Jungprofi der Bundesliga neben BVB-Star Mario Götze. Wie haben Sie Ihren Hauptkonkurrenten Bayern München ausgestochen?

Ich weiß gar nicht, ob Bayern München unser Hauptkonkurrent war, es gab auch noch den einen oder anderen hochkarätigen Klub aus dem Ausland. Aber die Bayern haben sich relativ deutlich positioniert, das stimmt. Insofern freuen wir uns, dass Marco Reus sich für uns entschieden hat. Dabei haben mehrere Faktoren eine Rolle gespielt.

Welche?

Unüblich ist sicher, dass es keine vorrangig finanzielle Entscheidung war. Das zeigt sich schon, wenn man betrachtet, wer ihn sonst noch haben wollte. Es ist ja klar, dass man bei uns nicht das Geld verdienen kann, was solche Klubs zahlen. Aber Marco Reus fühlt sich hier wohl und kommt in eine Mannschaft, die Potential hat. Ich glaube, ein junger Spieler wie er braucht ein sehr intaktes Umfeld. Deshalb hat er wohl auch überlegt, in Gladbach zu bleiben. Aber er hat die richtige Entscheidung getroffen. Man wird uns wohl zugutehalten, dass wir jungen Spielern ein erstklassiges Gesamtpaket inklusive homogener Umgebung bieten.

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Sie bleiben also bei Ihrer Linie, keine Stars zu verpflichten, die zu den Spitzenverdienern der Liga gehören wollen?

Wir möchten eine Gehaltshygiene in der Mannschaft behalten.

Wie haben Sie Reus überzeugt?

Wir hatten sicher den Vorteil des Titelgewinns im vergangenen Jahr. Da hat Marco gesehen, in Dortmund ist auch einiges möglich. Hinzu kommt, dass wir in der Saison nach Meisterschaft als Bundesliga-Zweiter auch wieder in der Spur sind. Begleitend hat auch das Thema Dortmund als Stadt, als Lebensmittelpunkt eine Rolle gespielt. Seine Eltern und seine Freundin wohnen hier. Er ist hier geboren und hat einige Jahre in der Jugend von Borussia Dortmund gespielt, das verbindet.

„Über 2014 oder 2015 mache ich mir noch keine Gedanken“: Hans-Joachim Watzke © dapd Vergrößern „Über 2014 oder 2015 mache ich mir noch keine Gedanken“: Hans-Joachim Watzke

Aber nach der U17 ist Reus nach Ahlen gewechselt. Hat der BVB da ein Talent übersehen?

Die Entwicklung eines Jugendlichen verläuft manchmal sprunghaft. Das kann man nicht immer richtig einschätzen. Ich weiß das, weil ich selbst einen siebzehnjährigen Sohn habe. Aber Borussia Dortmund hat Marco nicht weggeschickt, wie es manchmal rüberkommt, sondern er wollte wechseln, weil er mit dem Trainer nicht so gut klarkam und nicht immer gespielt hat. Der Schritt nach Ahlen war damals wohl richtig. Auch der anschließende Wechsel nach Gladbach war vernünftig.

Jetzt müssen Sie einen Spieler, den der BVB mit ausgebildet hat, für viel Geld zurückkaufen. Haben Sie zu spät gemerkt, wie gut Reus werden kann?

Wir hätten ihn gern schon verpflichtet, bevor er seinen Vertrag mit Gladbach verlängert hat, aber wir konnten die damalige Ablösesumme noch nicht bezahlen.

„Marco Reus fühlt sich hier wohl und kommt in eine Mannschaft, die Potential hat“ © dapd Vergrößern „Marco Reus fühlt sich hier wohl und kommt in eine Mannschaft, die Potential hat“

Ist das Geld für Reus schon verdient, oder finanzieren Sie die 17,5 Millionen Euro Ablöse im Vorgriff auf künftige Einnahmen, wie es etwa Schalke manchmal gemacht hat?

Wir haben im vergangenen Geschäftsjahr 9,5 Millionen Euro Gewinn nach Steuern erzielt, ohne in der Champions Leage zu spielen. In dieser Saison wird es - mit Champions-League-Teilnahme - sicher nicht weniger sein. Das führt dazu, dass wir uns so einen Transfer leisten können.

Ist die Personalie Reus auch ein Signal in Richtung München, das besagt: Seht her, ihr bekommt nicht mehr jeden Spieler, den ihr wollt. Wir Dortmunder sitzen euch nicht nur auf dem Rasen im Nacken?

Nein, überhaupt nicht. Bayern München besitzt wirtschaftlich eine ganz andere Position als wir und als alle anderen in der Bundesliga. Wir sind etwas näher herangerückt, aber der Abstand ist immer noch immens. Vor zwei Jahren trennten uns beim Jahresumsatz noch 230 Millionen Euro, jetzt trennen uns noch ungefähr 115 Millionen. Aber wir sind nicht so blauäugig zu glauben, dass es so weitergeht. Bayern wird in den nächsten zehn, fünfzehn Jahren - länger kann ich das eh nicht überblicken - in Deutschland eine Sonderposition bekleiden, die kein anderer Verein auch nur im Ansatz erreichen kann. Daraus resultiert, dass Bayern München sich auf Dauer mehr wird leisten können als Borussia Dortmund. Wir sind da gar nicht neidisch, sondern akzeptieren das. Wir wollen Bayern München nicht angreifen, sondern den Abstand noch ein wenig verkürzen. Mehr ist für uns nicht drin. Wir freuen uns allerdings, wenn es uns ab und zu gelingt, ein Spiel gegen Bayern zu gewinnen, aber mehr ist da nicht.

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