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Bundesliga Wer hat Angst vorm vierten Mann?

Beim 2:1-Sieg von Mainz gegen Nürnberg strebt der „vierte Mann“ allzu sehr in den Mittelpunkt. Thomas Tuchel fühlt sich von Martin Petersen sogar in der Berufsausübung behindert. Der Mainzer Trainer erwägt einen Beschwerdebrief.

© dpa Vergrößern Im Schatten des vierten Manns: Thomas Tuchel ärgerte sich über das Verhalten von Martin Petersen

Der vierte Offizielle im Fußball ist jener Mann, der bei Auswechslungen die digitale Anzeigetafel mit der roten Nummer des ausgewechselten und der grünen des Eingewechselten hochhält und kurz auch noch die Stollen der Spieler überprüft. Er (oder sie) ist derjenige, der nach Ende der regulären Spielzeit die Nachspielzeit anzeigt. Und in seinen Aufgabenbereich fällt es, für die Heißsporne unter den Trainern eine Art Blitzableiter zu sein. Es gibt also deutlich schönere und spektakulärere Jobs rund um ein Fußballspiel.

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Aber manche Leute wollen es ja nicht anders, da beim Aufstieg auf der Karriereleiter nun einmal auch dienende Funktionen jenseits des Spielfelds zu erledigen sind. Der Titel “Vierter Mann“ weist also vollkommen zurecht darauf hin, dass es sich um eine kleine Nebenrolle im großen Spiel handelt.

Hauptrolle im Privatschauspiel

Martin Petersen muss das irgendwie missverstanden haben, als er am Freitagabend beim 2:1-Sieg der Mainzer gegen den 1. FC Nürnberg zum ersten Mal zwischen zwei Coaching-Zonen zum Einsatz kam. Der 27 Jahre alte Nachwuchs-Unparteiische, der gerade vom Zweitliga-Schiedsrichter zum Erstliga-Linienrichter aufgestiegen ist, wollte es vermutlich besonders gut machen.

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Oder er ist bei seiner eher langweiligen Tätigkeit zwischen den Herrschaftsbereichen des Mainzer Trainers Thomas Tuchel und des Nürnberger Fußballlehrers Dieter Hecking schlicht und ergreifend der Versuchung erlegen, seine Nebenrolle zur Hauptrolle im Privatschauspiel „Wer hat Angst vorm vierten Mann?“ umzuinterpretieren.

Petersen trat wie ein Polizist im Dienste der Fußballregeln auf, der sich zur Aufgabe gemacht hat, die Trainer zu maßregeln. Schon nach wenigen Minuten erregte er den Ärger des Mainzer Trainers Thomas Tuchel. Nach einer vergleichbar harmlosen Beschwerde des oft emotional coachenden Tuchels postierte sich der 27 Jahre junge Unparteiische provokativ derart vor der Mainzer Bank, dass dem Trainer die Sicht auf das Geschehen teilweise verwehrt blieb. Tuchel stellte sich konsequenterweise ans andere Ende der Coaching-Zone, um die beratende Betreuungsarbeit seines Teams weiter ausüben zu können. Der vierte Mann näherte sich Tuchel freilich auch dorthin immer wieder einige Meter an und verwickelte den an diesem Abend keineswegs sonderlich verhaltensauffälligen Coach ständig aufs Neue in Gespräche.

Trainer Tuchel erwägt Beschwerdebrief

„Ich bin mit dem vierten Mann überhaupt nicht einverstanden“, sagte Tuchel später. „Es geht dabei vor allem um die Art, wie er mit mir umgegangen ist. Wenn ich mich ihm gegenüber so verhalten hätte wie er sich mir gegenüber, dann hätte ich was im Spielbericht stehen.“

Tatsächlich erwägt Tuchel nun, selbst einmal zur Feder zu greifen und dem DFB-Kontrollausschuss einen Beschwerdebrief zukommen zu lassen. „Ich will schließlich als Coach meiner Mannschaft 90 Minuten helfen“, sagte Tuchel. „So wie er sich aufgeführt hat, war das eine Hinderung an meiner Berufsausübung.“

Schiedsrichter Kinhöfer spricht vielsagend

Manager Christian Heidel bestätigte die Ansicht seines Trainers, indem er dem vierten Offiziellen ein „arrogantes Auftreten“ und ein „Streben nach Aufmerksamkeit“ unterstellte. „Er hat die Hälfte der Zeit in der Coaching Zone verbracht, dabei ist sein Arbeitsplatz woanders“.

Petersen selbst durfte oder wollte sich nach dem Spiel nicht äußern. Sein „Vorgesetzter“, Schiedsrichter Kinhöfer, sprach aber immerhin vielsagend davon, dass „wir darüber reden und alle im Leben dazu lernen“. Das mag man dem am Freitag unsensiblen Herrn Petersen wirklich wünschen.

Aus dem Regelwerk: Vierter Offizieller

Der vierte Offizielle unterstützt den Schiedsrichter nach dessen Anweisung bei allen Verwaltungsaufgaben vor, während und nach dem Spiel.

Er hilft bei den Auswechslungen während des Spiels mit.

Er kontrolliert die Ausrüstung der Auswechselspieler vor deren Einwechslung. Er meldet dem Schiedsrichter, wenn die Ausrüstung nicht den Regeln entspricht.

Bei Bedarf überwacht er den Einsatz der Ersatzbälle. Wenn ein Spielball während des Spiels ersetzt werden muss, stellt er auf Anweisung des Schiedsrichters einen anderen Ball zur Verfügung, damit möglichst wenig Spielzeit verloren geht.

Er unterstützt den Schiedsrichter bei der Spielleitung gemäss den Spielregeln. Die Entscheidungsgewalt bei allen spielrelevanten Situationen liegt jedoch beim Schiedsrichter.

Nach dem Spiel verfasst der vierte Offizielle einen Bericht an die zuständige Instanz, in dem er alle Vergehen und Vorfälle beschreibt, die der Schiedsrichter und die Schiedsrichterassistenten nicht sehen konnten. Der vierte Offizielle unterrichtet das Schiedsrichtertrio über den Inhalt seines Berichts.

Er informiert den Schiedsrichter, wenn sich Personen in der technischen Zone ungebührlich verhalten.

Quelle: FAZ.NET

 
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Veröffentlicht: 10.11.2012, 13:18 Uhr

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