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Bundesliga-Übersteiger Verspätete Probe, neue Chance

21.02.2009 ·  Die Verspätung von zwei Hoffenheimer Spielern bei einer Dopinkontrolle sorgt für Diskussionen. Der Fußball täte gut daran, aus diesem Anlass seine Einstellung im Kampf gegen Doping zu überprüfen.

Von Daniel Meuren
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Nein, die TSG Hoffenheim steht höchstwahrscheinlich nicht an der Spitze der Bundesliga, weil sie im Kraichgau mit System dopen, statt nur eifrig am System zu feilen. Und die Sünder Christoph Janker und Andraes Ibertsberger haben mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht ein Dopingvergehen durch eine kurzzeitige Flucht in die Kabine vertuscht. (siehe auch: Hoffenheimer Dopingtest: Gladbach legt Protest gegen Spielwertung ein) Aber dennoch wirft die Geschichte um die verspäteten Dopingproben ein schlechtes Licht auf den Fußball, der sich so gerne als eine von den dunklen Abgründen des Sports freies Spiel darstellt.

Als einer der letzten der großen Sportverbände hat sich die Fifa erst vor etwas mehr als einem Jahr dem Code der Welt-Antidopingagentur (Wada) unterworfen, der den Kampf gegen Doping regelt. Die Fußballspieler müssen sich seither strenger als zuvor an die weltweit - zumindest außerhalb der amerikanischen Profisportarten - üblichen Standards halten. Zuvor war es beispielsweise völlig unüblich, dass die Fifa ihre Stars einmal in fürs Doping prädestinierten Zeiträumen wie einer Saisonvorbereitung zur Urinprobe bat.

Bemerkenswerte Solidarität in der Fußballbranche

Nun hat sich die Fifa aber dem Wada-Code unterworfen: Zu den Forderungen dieses Codes gehört es eben auch, dass die Spieler nach dem Spiel umgehend zur Dopingprobe erscheinen müssen. Sie dürfen im Sinne der Vorschriften nicht einmal zu Interviews mit den Fernsehsendern gehen und erst recht nicht kurzzeitig in der Umkleidekabine verschwinden. Das sollten die Profis wissen, vor allem aber die Verantwortlichen im Mannschaftsumfeld wie Trainer Ralf Rangnick, der seine Profis nach dem Spiel in Mönchengladbach zu einer Ansprache in der Kabine versammelte. Die Hoffenheimer hätten sicherstellen müssen, dass die zur Dopingprobe ausgelosten Spieler Ibertsberger und Janker im Dopingkontrollraum und nicht in der Kabine erscheinen.

Bemerkenswert ist die Solidarität der Fußballbranche mit den Hoffenheimern. Selbst der für Rechtsfragen zuständige DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch, der auch Vorsitzender der DFB-Anti-Doping-Kommission ist, relativierte das Vergehen der Hoffenheimer, indem er eine mögliche einjährige Sperre, wie sie zwei Spieler in Italien in einem vergleichbaren Fall erhielten, umgehend „als eine viel zu harte und unverhältnismäßige Sanktion“ bezeichnete.

Befremdlich für Athleten anderer Sportarten

Man stelle sich vor, dass ein Teammanager im verruchten Radsport eine ähnliche Stellungnahme abgeben würde, nachdem einer seiner Sportler nach einer Tour-de-France-Etappe vor der Dopingprobe noch einen zehnminütigen Abstecher in den Teamwagen gemacht hatte. Dort, so ist dank einiger Aussagen aus dem Profiradsport belegt, wurde schon auf ekelerregende Weise Fremdurin in die Blase eines Sportlers eingeführt, damit dieser anschließend bei der Dopingkontrolle einen negativen Befund erreichen konnte.

Für Athleten aus anderen Sportarten, die mittlerweile den Dopingjägern minutiös ihre Aufenthaltsorte auf Wochen im voraus mitteilen müssen, dürfte die Fahrlässigkeit der Fußballspieler befremdlich wirken wie im vergangenen Frühjahr der Fall Busch im Eishockey (siehe: Eishockey: Nationalspieler Busch verweigerte Dopingprobe und Eishockey-WM: Weltverband entscheidet vor dem nächsten Spiel über Busch). Für Leichtathleten wäre eine Sperre fast zwangsläufig die Folge, während sich Mannschaftssportler derzeit noch Hoffnungen auf Freisprüche machen dürfen.

„Doping bringt im Fußball nichts“ ist Unsinn

Der Fußball täte gut daran, wenn er den vorliegenden Fall nutzen würde, um einmal mehr seinen Umgang mit dem Thema Doping zu überprüfen. Sicherlich ist der Fußball aufgrund seiner spielerischen und psychologischen Elemente von der Geißel der Manipulation nicht annähernd so gefährdet wie die Ausdauer- und Kraftsportarten vom Radsport über die Leichtathletik bis hin zu Biathlon, Skilanglauf oder Gewichtheben.

Aber die immer wieder vorgebrachte Äußerung „Doping bringt im Fußball nichts“ ist natürlich absoluter Unsinn. In Italien brachte 2004 der große Prozess gegen die Vereinsarzt Riccardo Agricola und Geschäftsführer Antonio Giraudo wegen mutmaßlichem systematischen Dopings bei Juventus Turin erstaunliche Erkenntnisse zutage. Schon in den 60er und 70er Jahren soll beim italienischen Rekordmeister zudem systematisch mit unerlaubten Mitteln manipuliert worden sein, einige Spieler erlitten später als Folge der eigenwilligen medizinischen Betreuung des Klubs schwere gesundheitliche Schäden.

Fluchtweg ins Krankenhaus nach Minute 75

Auch in Deutschland äußern Mannschaftsärzte hinter vorgehaltener Hand, dass es immer wieder zu Ungereimtheiten im Anschluss an Spiele gekommen sei. Bis vor geraumer Zeit gab es nämlich eine Lücke im Kontrollsystem. Spieler, die beispielsweise aufgrund einer Verletzung oder für vorsorgliche Röntgenaufnahmen noch vor Spielende ins Krankenhaus eingeliefert wurden, wurden der Einfachheit halber durch einen vorsorglich ausgelosten „Ersatzmann“ bei der Dopingkontrolle vertreten. Da die Ergebnisse der Auslosung nach 75 Spielminuten den beiden Mannschaften mitgeteilt wurden, bestand deshalb theoretisch für einen gedopten Spieler die Möglichkeit, in der Schlussviertelstunde eine schwere Verletzung vorzutäuschen und den schnellen Fluchtweg ins Krankenhaus anzutreten.

Vor diesem Hintergrund sollte der Fußball die Gelegenheit nutzen, die Glaubwürdigkeit des beliebtesten Spiels in Deutschland zu erhalten, auch durch eine sorgfältige Aufklärung des Falls Ibertsberger/Janker. Das haben auch die beiden Sportler verdient, die wohl nur aufgrund der Schlampigkeit ihrer Mannschaftsführung zu Verdächtigen geworden sind.

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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