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Trainer in der Bundesliga : Auf der Flucht

Freiwilliger Abschied: Lucien Favre hat sich selbst entlassen Bild: AP

Favre in Gladbach, Klopp in Dortmund oder Guardiola in Barcelona: Immer öfter wechseln sich Trainer bei ihren Vereinen selbst aus. Bessere Lösungen verhindert die Phantasielosigkeit des Profifußballs.

          Was mag Lucien Favre durch den Kopf gegangen sein, als er erfuhr, was für außergewöhnliche Momente sein Rücktritt ausgelöst hat? Ob er sich das Spiel angeschaut hat, weiß man ja nicht einmal. Seit er am Sonntag abtauchte, gibt es kein Lebenszeichen von Favre. Jedenfalls gelang den Gladbachern am Mittwoch im ersten Spiel nach mehr als vier Jahren ohne ihn, den Erschaffer der neuen Borussia, schon nach fünf Minuten die erste Führung in dieser Saison. Und eine Viertelstunde später lagen sie gegen Augsburg 4:0 vorne. Es war eine Explosion, die auf die Trennung folgte.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die Fans rieben sich ungläubig die Augen. Und nach den ersten Punkten und dem ersten Sieg im sechsten Spiel hat Mönchengladbach nun auch die Abstiegsränge hinter sich gelassen. Und jetzt? „Keine Ahnung“, müsste Sportdirektor Max Eberl auf die Frage antworten, wie es weitergeht mit dem Klub. Denn so ist es.

          Borussia hat keinen Plan

          Die Borussia hat keinen Plan. Außer der vagen Idee, dass der bisherige U23-Trainer Andre Schubert erst einmal weiter macht. Wie sollte aber auch selbst einer der cleversten Sportdirektoren aus dem Stegreif einen perfekten Nachfolger für Lucien Favre zur Hand haben? In Mönchengladbach ist schließlich über Nacht einer der besten Trainer der Liga verschwunden. Und selbst nach einer länger geplanten Trennung wäre die Nachfolgeregelung schwierig, denn das ist sie immer, wenn ein Schwergewicht seinen Posten räumt.

          Aber freiwillige, noch dazu plötzliche Abschiede sind – auch wenn sie sich mittlerweile häufen – nicht vorgesehen im Fußballgeschäft. Und die Klubs, denen es ansonsten beim Trainer-Rausschmeißen und Spieler-Einkaufen oft nicht fix genug gehen kann, stehen in diesem Moment vollkommen hilflos da.

          Der Prototyp des Flüchtenden: Pep Guardiola nahm sich seine Auszeit beim FC Barcelona

          Der Trend jedoch, dass die Besten der Besten nicht nur die Profis im Training und im Spiel nach ihren Vorstellungen laufen lassen, sondern auch die Marktmechanismen in eigener Sache auf den Kopf stellen, ist nicht zu übersehen. Kein Geringerer als Pep Guardiola machte 2012 den Anfang. Mit seinem Rückzug in Barcelona nach drei Jahren und vierzehn Titeln machte er das Trainer-Sabbatical salonfähig.

          Im Sommer 2014 folgte sein deutscher Nachmacher Thomas Tuchel, der sich dann schon weigerte, seinen Vertrag nach fünf erfolgreichen Jahren in Mainz zu erfüllen. Und zuvor hatte auch schon Ralf Rangnick zweimal vorzeitig hingeschmissen. Zunächst in Hoffenheim, weil er mit Dietmar Hopp aneinander geraten war, und später bei Schalke 04, weil er sich zu viel zugemutet hatte und seine Gesundheit nicht mehr mitspielte.

          Es fällt auf, dass gerade die Trainer, die grübeln und grübeln und grübeln, sich irgendwann am Ende ihrer Kräfte und ihres Einflusses fühlen – und dann konsequent handeln. Offenbar verstehen sie sich auch selbst am besten in ihrer Not. „Lucien ist der beste Trainer, den ich getroffen habe. Sein 4-4-2 und sein Defensivverhalten sind Wahnsinn“, schwärmt Guardiola nach dem Abschied seines Mönchengladbacher Kollegen durch die Hintertür. Aber am Fall Favre sehe man eben auch, wie „speziell und kompliziert“ der Fußball sei. „Gestern bist du top – und morgen kannst mit den gleichen Ideen und fast den gleichen Spielern nicht mehr gewinnen. Es gibt viele Dinge, die nur die Trainer sehen können. Ich hoffe, dass er so schnell wie möglich eine neue Mannschaft findet, damit man sieht, wie gut der Trainer ist.“

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