Das liebgewonnene Ritual stand diesmal unter ungewohnten Vorzeichen. Wie jedes Jahr im März präsentierte die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Donnerstag in Frankfurt ihren „Bundesliga Report“, und wie seit Überwindung der Kirch-Krise üblich, bedeutete das eine Demonstration der Stärke und des Wachstums. Die Kurven in den Diagrammen der von der DFL-Führungsriege vorgestellten Kennzahlen kannten nur eine Richtung: nach oben.
Sechster Bundesliga-Zuschauerrekord in Folge (17,43 Millionen, plus 7,7 Prozent), vierter Rekorderlös nacheinander (1,93 Milliarden Euro in der Ersten und Zweiten Bundesliga, plus 10,7 Prozent), dazu hervorragende Imagewerte – keine Frage, die Bilanz des deutschen Lizenzfußballs stimmte auch diesmal. Der Unterschied allerdings zu den vergangenen Jahren lag darin, dass die wunderbare Zahlenwelt aus einer überholten Wirklichkeit stammt.
„Die Krise wird an uns nicht spurlos vorbeigehen“
Schließlich bezieht sich der aktuelle Report auf die Saison 2007/08, also auf die letzte von der Finanz- und Wirtschaftskrise gänzlich unberührte Spielzeit. „Und wenn es eine Weltwirtschaftskrise gibt“, stellte Christian Seifert fest, der Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung, „dann wird sie an uns nicht spurlos vorbeigehen.“
So war es naheliegend, dass die Herren auf dem Podium versuchten, ihr Produkt nicht nur als in der Vergangenheit erfolgreich, sondern vor allem auch als krisenfest und zukunftssicher anzupreisen. „Wir glauben, dass die Bundesliga auch über 2007/08 hinaus sehr gut aufgestellt sein wird und weiterhin einer positiven Zukunft entgegensieht“, sagte Seifert. Er verwies unter anderem darauf, dass die deutsche Eliteliga im Gegensatz zu manchem internationalen Wettbewerber einen „ausgewogenen Einnahmenmix“ aus Werbung, Medienrechten und Spieltagseinnahmen aufweise und somit von Rückgängen in einzelnen Bereichen nicht so stark betroffen sei. Finanzgeschäftsführer Christian Müller nannte einen Anstieg des Eigenkapitals, der „Speckschicht für frostige Zeiten“, sowie Fortschritte beim Schuldenabbau als weitere Zeichen der Stabilität.
„Wir werden die Effekte spüren und Kratzer bekommen“
Nicht ganz ins Bild passte allerdings, dass nur 15 Erst- und 9 Zweitligaklubs die Saison 2007/08 mit einem Gewinn nach Steuern abschlossen. In der Vorsaison waren es noch alle 18 in der Eliteliga und immerhin 12 in der zweiten Liga gewesen. „Die Zahlen sind nicht mehr so gut wie 2006/07, aber immer noch sehr ordentlich“, sagte Müller.
Erste spürbare Auswirkungen der Krise erwartet man bei der DFL dank überwiegend langfristiger Verträge noch nicht für die laufende, sondern erst für die kommende Spielzeit. „Wir werden die Effekte spüren und Kratzer bekommen“, sagte Seifert. Das Geschäftsmodell Bundesliga sei aber nicht in Gefahr. „Dafür ist es zu stabil.“ Auf Sicht, so Seifert, werde die Bundesliga dank ihrer eher konservativen Ausgabenpolitik und des strengen Lizenzierungssystems sogar besser als andere Ligen aus der Krise kommen. „Das wird definitiv so sein.“
Versager!
Josef Bujtor (Mramorak)
- 13.03.2009, 11:24 Uhr
@Josef Bujtor
Colauti Lauti (viktor84)
- 13.03.2009, 15:26 Uhr