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Bundesliga-Relegation Gegen die Schatten der Vergangenheit

 ·  Für Fortuna Düsseldorf geht es gegen Hertha BSC um den Aufstieg in die Bundesliga. Für ihren Trainer Norbert Meier aber auch darum, seinen Ruf aufzupolieren.

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© dpa Glücksfall Fortuna: Norbert Meier hat beharrlich daran gearbeitet, seinen großen Fehler vergessen zu machen

Der Düsseldorfer Fortuna tut sich eine große Chance auf. Für den Trainer des rheinischen Traditionsklubs aber wäre der Aufstieg in die Fußball-Bundesliga mehr als bloß ein sportlicher Erfolg. Norbert Meier hat im Relegationsrückspiel an diesem Dienstagabend (20.30 Uhr/Live im FAZ-Ticker) gegen Hertha BSC Berlin die Chance, den Schatten seiner Vergangenheit zu überwinden. Die Rückkehr in die Beletage wäre für ihn fast so etwas wie der endgültige Abschluss einer lang andauernden Resozialisierung. Die Fortuna nach fünfzehn Jahren Aufenthalt in der zweiten, dritten, zeitweise sogar vierten Liga wieder zu einem Klub erster Klasse zu machen, wäre ein Meisterstück, das den dunklen Punkt in Meiers sportlicher Vita überdecken könnte.

Meier war immer das gewesen, was man sich unter einem korrekten Sportsmann vorstellt, geradlinig, mitunter ein wenig spröde, aber immer auf dem Boden des Fairplay verankert - bis zum Nikolaustag des Jahres 2005. Im Bundesliga-Nachholspiel gegen den 1. FC Köln hatte Meier als Trainer des MSV Duisburg einen Blackout. Er gerierte sich wie ein Knecht Ruprecht der besonders finsteren Sorte.

Das kopflose Vergehen ist „längst abgehakt“

Während der Partie geriet er mit dem gegnerischen Spieler Albert Streit aneinander. Meier verpasste dem damaligen Kölner Mittelfeldspieler einen Kopfstoß und ließ sich dann so theatralisch fallen, dass zunächst der Eindruck entstand, er wäre selbst das Opfer gewesen. Der MSV warf ihn raus, und der Deutsche Fußball-Bund belegte ihn mit einem Berufsverbot von drei Monaten. Seitdem kämpft Meier nicht nur um Punkte, sondern auch darum, seinen Ruf wiederherzustellen. Er selbst habe jenes kopflose Vergehen „längst abgehakt“, sagt er und fügt hinzu, „es wäre schade, ewig nur auf diese eine Geschichte reduziert zu werden“.

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Sein Zweikampf mit Streit hat sich aber in das Bewusstsein der Öffentlichkeit eingebrannt. Meier hat beharrlich daran und dafür gearbeitet, das Brandzeichen nach und nach verblassen und im günstigen Fall sogar verschwinden zu lassen wie ein hässliches Tattoo. Im Gegensatz zu manchem Kritiker habe er immer daran geglaubt, wieder zurückzukommen, sagt er. Als deutscher Meister mit Werder Bremen und als Nationalspieler war Meier erstklassige Perspektiven gewohnt gewesen, später auch kurz als Trainer in Mönchengladbach. Nach dem Zusammenstoß mit Streit schien er zunächst schwer vermittelbar. Doch er war sich nicht zu schade, unten anzufangen, neun Monate nach dem Duisburger Vorfall in Dresden und später in Düsseldorf, bei Klubs aus der dritten Liga.

Meier versichert glaubwürdig, aus seinem Fehler gelernt zu haben, und seine Spieler haben von ihm gelernt. Sie stiegen mit ihm in die zweite Liga auf und haben drei Jahre später mit dem Sieg in Berlin das Tor zu ersten Liga weit aufgestoßen. Auch Rückschläge haben Mannschaft und Trainer gemeinsam bewältigt. Nach einem überraschend guten ersten Jahr begann die zweite Saison nach dem Aufstieg mit einer Serie von sechs Niederlagen, aber die meisten Profis sind froh, dass der Trainer gegen den Trend nicht gewechselt wurde. Meier sei sich in fünf Jahren Düsseldorf treu geblieben und nicht von seiner Linie abgewichen, sagt Mannschaftskapitän Andreas Lambertz. „Das zahlt sich jetzt aus.“

Auch als Zweifel aufkamen, hielten die Verantwortlichen der Fortuna an Meier fest. Trotz seiner „Vorstrafe“ im Sündenregister des DFB besitzt er wieder eine Vertrauensstellung. Das könnte sich jetzt lohnen, nicht nur bei der Wahl der richtigen Taktik wie beim 2:1 in Berlin. Meier nähert sich dem Ziel nicht, indem er Genugtuung vor sich herträgt, sondern mit Demut. Die Spannung zu erhalten sei im Hinspiel gegen Hertha „das erste und einzige Etappenziel“ gewesen, das die Mannschaft habe erreichen können. „Ich freue mich, dass die Fans in Düsseldorf eine Partie zu sehen bekommen, in der es noch um alles geht.“

Rehagel degradierte ihn früher zum „Heimspiel-Meier“

Die alte Geschichte ist verjährt. Und der Verjährung folgte die Versöhnung - im Februar auf einem Autobahnparkplatz zwischen Aachen und Düsseldorf. Vor dem Spiel gegen Aachen, wo Streit nach seinem eigenen Abstieg untergekommen war, trafen sich die beiden Männer, und Meier erwähnte, wohl nicht nur aus Höflichkeit, dass er Streit gerne nach Düsseldorf geholt hätte, aber die damals noch auf Schalker Niveau angesiedelten Gehaltskosten hätten den Verein abgeschreckt. Auch ohne Streit ist Meier fast am Ziel. Und die Ironie des Schicksals will es so, dass sein früherer Vorgesetzter der Trainer des Gegners ist. Otto Rehhagel hat ihn als Spieler zeitweise zum „Heimspiel-Meier“ degradiert, weil er auswärts wirkungslos blieb. Mehr als zwei Jahrzehnte später arbeitet Meier am Gegenbeweis. Den Grundstein dafür hat Düsseldorf in Berlin gelegt. Daheim genügt nun ein Unentschieden, um den Lehrmeister von einst als Absteiger in den Ruhestand zu schicken.

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