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Aktualisiert: 15.03.2016, 08:25 Uhr

Fußball-Kommentar Eine Gefahr für die Bayern

Recht besehen bestreiten die Bayern in der Bundesliga teils keinen Wettkampf mehr, sondern Training. Allerdings ein ziemlich einseitiges Training. Und genau das könnte ein Problem werden.

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© AFP Ein paar lockere Minuten reichten für das nächste Tor von Robert Lewandowski.

Der letzte Bremer Sieg gegen den FC Bayern liegt über sieben Jahre zurück. Damals, im Herbst 2008, als Claudio Pizarro schon für Werder traf, hieß es nach 67 Minuten sage und schreibe 5:0 für Werder. Ja, so etwas gab es mal im deutschen Fußball. Und daher, aus gegebenem Anlass, noch einmal zum ungläubigen Staunen: 5:0! Für Bremen! In München! Nach 67 Minuten! Ein Ereignis aus einer anderen Welt.

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Ein Ergebnis (am Ende hieß es 5:2), von dem Fußballfans im Jahr 2016 nicht einmal mehr zu träumen wagen. An diesem 26. Spieltag gelang den Bayern gegen Werder der 21. Saisonsieg, der sich den Zahlen nach in einem 5:0 ausdrückte, was ihrer tatsächlichen Überlegenheit aber nicht annähernd entsprach. Fast tausend Pässe spielten sich die Bayern in neunzig Minuten zu, über neunzig Prozent kamen an. Eigentlich gaben sie den Ball gar nicht mehr her. Und recht besehen war das kein Wettkampf mehr, sondern Training.

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Allerdings ein ziemlich einseitiges Training. Und daher nur teilweise genau das Richtige für das Rück- und Heimspiel in der Champions League gegen Juventus Turin an diesem Mittwoch (20.45 Uhr / Live im ZDF, bei Sky und im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET). Die defensive Qualität der Bayern-Abwehr wurde gegen Bremen, wie so oft in der Bundesliga, nicht auf die Probe gestellt. Die meisten Bälle nahmen die Münchner den Bremern schon in deren eigener Hälfte ab.

Und so kam es, dass Joshua Kimmich, das große Talent, bis zu seiner Auswechslung in der 68. Minuten als Innenverteidiger zwar 73 Pässe spielte. Aber nur einen einzigen Zweikampf führen musste. Eine hübsche Vorstellung, wenn man sich Kimmich in der Rolle des Bayern-Innenverteidigers vom Herbst 2008 vorstellt, in dem die Bremer nach 67 Minuten mit fünf Toren vorne lagen.

© AFP, reuters Bayern gegen Juventus 2:2

Die Bayern in ihrer Großartigkeit haben seitdem und vor allem unter Trainer Pep Guardiola nicht nur weitgehend den Wettbewerb in der Bundesliga abgeschafft, sondern auch manch klassisches Rollenverständnis. Wenn es in den vergangenen Wochen um Kimmich ging, wurde häufig gefragt: Ist das ein Mann für den Bundestrainer? Bestimmt, irgendwann.

Die interessantere Frage lautet jedoch: Ist der gelernte Mittelfeldspieler Kimmich ein Innenverteidiger? Oder kann er diese Rolle nur bei den Bayern so spielen, weil er dort ständig als moderner Aufbau-, aber fast nie als klassischer Abwehrspieler gefordert ist? Wenn nun Bayern-Sportdirektor Matthias Sammer angesichts des Hypes um Kimmich in seiner unnachahmlichen Art grantelt, dass „wir natürlich auch Weltmeister im Übertreiben“ sind, dann wird er nicht vergessen haben, dass Kimmich beim 2:2 in Turin an beiden Gegentoren entscheidenden Anteil hatte.

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Beim ersten Tor war ihm ein leichter Fehler unterlaufen, obwohl er kaum in Bedrängnis geraten war, beim zweiten kam er in einer klassischen Verteidigungssituation zu spät. Die Loblieder, die Guardiola immer wieder auf Kimmich anstimmte und damit auch den Medien-Sound vorgab, könnten auch damit zu tun haben, dass der Trainer nur zu genau weiß, wo derzeit die größte Gefahr für den FC Bayern lauert: in der Innenverteidigung.

Und zwar dann, wenn Fußballspiele auch für die Bayern wieder zum Wettkampf werden – und Verteidiger verteidigen müssen. Wenn man also wieder ein Spiel spielen muss, und sei es auch nur für den Moment, den man bei den Bayern eigentlich nur noch von früher zu kennen glaubt.

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