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Bundesliga-Kommentar Wolfsburger Watschen

06.04.2009 ·  Das 5:1 der Wolfsburger gegen den FC Bayern war eine echte Ohrfeige. Der VfL versprüht den Charme der Retorte. Doch der Mangel an Tradition gibt die Freiheit für Neues. Die schallendste Ohrfeige könnte aber noch folgen.

Von Christian Eichler
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Das war die Woche der Ohrfeigen – für zwei deutsche Fußballautoritäten. Erst für den Kapitän der Nationalelf, dann für den Rekordmeister. Eine mit der Hand, die andere mit der Hacke. Die von Podolski war ein Dummejungenstreich (siehe auch: Podolski zu Ballack: „Lauf doch selber, Du A...“), die von Grafite eine reife Leistung. Jene Fotografen, die kurz nach 17 Uhr am Samstag in der richtigen Sekunde hellwach waren – also anders als die Bayern-Verteidiger –, dürfen auf schöne Langzeiteinnahmen ihres Bildes vom Wolfsburger 5:1 hoffen.

Wann immer in Zukunft ein Artikel über eine der „Krisen“ der Bayern zu illustrieren ist, das Foto des Hackentores wird erste Wahl sein. Wie Grafite, umzingelt von Roten, die in verschiedene Richtungen und doch alle in die falsche torkeln, den Ball mit lässiger Langsamkeit ins Tor legt – das ist, man wusste es schon im Moment, da man es sah, einer der Fußballmomente, die man nicht vergisst (siehe auch: Übersteiger: Der neue Madjer heißt Grafite).

Die Neureichen sind auch reich an neuen Ideen

Wolfsburg, oder: der Charme der Retorte. Fans von Traditionsklubs reagieren oft allergisch auf die Erfolge von Vereinen, die ihr Geld nicht der Popularität beim Volk, sondern der bei Milliardären oder Konzernen verdanken – Leverkusen, Hoffenheim, Wolfsburg. Doch diese „Neureichen“ sind nicht nur reich, sie sind auch reich an neuen Ideen. Der Mangel an Tradition gibt die Freiheit für Neues.

Die drei „Retortenklubs“ sind in ihrem Personal in den zurückliegenden Jahren völlig umgestaltet worden. Für diesen Mut wurden sie belohnt. Sie spielen in dieser Saison den aufregendsten Fußball Deutschlands. In der Hinrunde war es Hoffenheim, dann Leverkusen beim Pokalsieg gegen die Bayern (siehe auch: 4:2 gegen Bayern: Bayer stürzt München ins Dilemma), nun ist es Wolfsburg. Nicht nur das Hacken-Solo von Grafite, auch das Kontertor von Dzeko, drei Stationen nach einem Bayern-Eckball, war das Eintrittsgeld allein wert.

Sollte in Wolfsburg schon ein Meisterteam entstanden sein?

Wie der Lazarus Lucio sich dabei über den Platz schleppte, zu langsam, um hinterherzukommen, nachdem er sich trotz Verletzung nicht auswechseln lassen wollte – das war ein weiteres Bild bayerischer Demütigung. „Fehler in der Rückwärtsbewegung“ beklagte Klinsmann. Das könnte, im Falle eines weiteren Debakels in Barcelona am Mittwoch in der Champions League (20.45 Uhr / Live im FAZ.NET-Champions-League-Liveticker), bei den Bayern bald als Zusammenfassung der gesamten „Ära Klinsmann“ begriffen werden: eine Rückwärtsbewegung, die ein Fehler war. Klinsmann hat keinen der elf Bayern, die er auf dem Platz hatte, selbst zum Klub holen können.

Kollege Magath, der auch Manager ist, holte alle elf Wolfsburger. Das ist ein starkes Argument für den „Manager“ englischer Prägung, der Trainer und Sportdirektor zugleich ist. Gerät diese Macht in die richtigen Hände, entstehen Mannschaften aus einem Guss. Sollte in Wolfsburg schon ein Meisterteam entstanden sein? Es wäre zum Abschied von Uli Hoeneß das erste Mal in seinen dreißig Jahren als Bayern-Manager, dass ein Mann, den er als Meistertrainer entließ, danach Meister mit einem Konkurrenten wird. Magath auf dem Wolfsburger Meisterbalkon, den Hoeneß einst gönnerhaft zu bezahlen anbot: Es wäre die schallendste Ohrfeige von allen.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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