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Bundesliga-Kommentar Wir sind stark, wir sind vorn, wir sind Stuttgart

21.05.2007 ·  Dass sich deutsche Fußballbegeisterung allein auf die zuletzt erfolgsverwöhnten Münchner und die Menschen im Revier beschränkt, wurde mit dem Stuttgarter Titeltriumph eindrucksvoll widerlegt. Roland Zorn kommentiert.

Von Roland Zorn
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Der filmreife Titel „Sommermärchen“ schien auf absehbare Zeit geschützt als Oberbegriff für die Traumreise der deutschen Fußball-Nationalmannschaft durch ihr Heimatland bei der Weltmeisterschaft 2006. In Stuttgart ist der VfB am Samstag nach einer langen, beschwerlichen, auf dem allerletzten Platz gestarteten Deutschland-Tour an einem vorher nicht für möglich gehaltenen Traumziel angekommen.

Der Verein für Bewegungsspiele eroberte vor den eigentlich auserkorenen Favoriten Schalke 04, Werder Bremen und Bayern München die fünfte Meisterschaft im Triumphzug. 250.000 Menschen feierten ihr Glück, ihre Mannschaft, ihren Verein. „Wir sind stark, wir sind vorn, wir sind Stuttgart“, lautete die stolze Losung, und alle, die bei der Party dabei waren, hatten das Gefühl eines neuen, wenn auch nur auf ein paar Stunden begrenzten „Sommermärchens“.

Fußball versteht jeder

Dass sich deutsche Fußballbegeisterung allein auf die zuletzt schon allzu erfolgsverwöhnten Münchner und die als besonders begeisterungsfähig geltenden Menschen im Revier beschränkt, wurde mit dem Titeltriumph des VfB massenhaft und eindrucksvoll widerlegt. Die diesem Spiel innewohnende Kraft ist wohl auch deshalb so faszinierend, weil es schöne Überraschungen, aber auch ärgerliche Ungerechtigkeiten zulässt, dem vermeintlich Kleineren immer wieder eine große Chance gönnt und dazu ein Gemeinschaftsgefühl stiftet wie sonst nichts im öffentlichen Leben.

Kommentar: Wir sind stark, wir sind vorn, wir sind Stuttgart

Den Fußball versteht jeder, den VfB mag fast jeder, so sympathisch kommen die jungen Meister bei den Fans an. Wie auch ohne Stars und ohne Allüren größte Erfolge mit purem Teamgeist und selbstverständlichem Zusammengehörigkeitsgefühl gefeiert werden können, war eine der positiven Botschaften vom Samstag. Der VfB Stuttgart ist der Meister, der von der Basis kommt.

Die Zahl der Kritiker wird steigen

Wird er es auch bleiben? Fußballromantiker mögen daran glauben, doch in der nächsten Saison, dazu gehört nicht viel Phantasie, wird für die Schwaben vieles ganz anders kommen. Die Ansprüche an die auch international in der Champions League geforderten Stuttgarter werden steigen und damit auch die Zahl der Kritiker, falls der VfB dort rasch an Grenzen stößt. Die physische und psychische Belastung für den gejagten und verfolgten Meister wird wachsen, neue Kräfte müssen in das derzeit völlig intakt anmutende Ensemble integriert werden.

Soll der VfB bei der alten Meisterformel bleiben und noch mehr auf die Jugend und ein paar gestandene, aber auch nicht überaus teure Profis setzen, oder ist die Verlockung groß, nun auch Qualität zu höheren Preisen als bisher dazuzukaufen? Die im Augenblick bewundernswert leicht anmutende Balance der Meistermannschaft kann schnell aus ihrer Verankerung kippen, wenn auch in Stuttgart wie anderswo Neid und Missgunst den Alltag eintrübten. Den betörenden Augenblick festzuhalten ist kaum möglich in einem Geschäft, das von gewollter oder unverhoffter Veränderung lebt.

So gesehen, war es eine wunderbare Geste der Stuttgarter Mannschaftsführung unter Kapitän Meira, die Meisterprämie – geschätzte 100.000 Euro – unter allen Spielern gleichmäßig aufzuteilen. Sollte der VfB in der kommenden Spielzeit krisenhafte Zeiten durchmachen müssen, können die Spieler, die dabei waren, zumindest stolz auf ihr eigenes Versprechen zurückblicken: auch in Zukunft gemeinsam stark sein zu wollen.

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