Der Mensch an sich ist ja unverbesserlich, der Fußballfan aber offenbar besonders. Er fällt schließlich immer wieder auf dieselben Finten rein. In der vergangenen Saison waren es die Frankfurter Fans, die nach einer guten Hinrunde ihres Vereins sogar heimlich von der Europa League träumten und nach einem beispiellosen Absturz in der zweiten Liga wach wurden - nun reiben sich die Kölner die Augen, die sich zu Weihnachten bei nur zwei Punkten Rückstand auf Platz sieben ganz andere Sachen ausgerechnet hatten als den fünften Abstieg der Vereinsgeschichte. Und ausschließlich weil der 1. FC Köln im Jahr 2012 von Erstligafußball meilenweit entfernt war, kann sich nun Hertha BSC nach einer ähnlich kläglichen Rückrunde möglicherweise doch noch retten, was mit nur 31 Punkten aus 34 Spielen ein kleines Kunststück wäre.
Ob dieses Unberechenbare auch den Reiz der Liga ausmacht, deren Übertragungsrechte längst das begehrteste Gut der Fernsehbranche sind? Die Fußball-Bundesliga ist ohne jeden Widerspruch das Premium-Produkt des deutschen Sports. Mögen die Bürger auch das Gefühl haben, bei steigenden Preisen immer weniger in der Tasche zu haben - am Fußball wird nicht gespart. Das mag mit dem hohen Standard in den deutschen Stadien zusammenhängen: Nirgendwo in Europa sind die Arenen flächendeckend so komfortabel wie in der Bundesliga. Mit 13.808.730 Zuschauern wurde nicht nur eine Bestmarke aufgestellt, erstmals gelang es auch einem Klub in der nun schon 49 Jahre andauernden Bundesliga-Geschichte, mehr als 80.000 Karten pro Spiel zu verkaufen. Diese Fußballoper steht natürlich beim Meister in Dortmund, der zumindest in dieser Hinsicht dem FC Barcelona den Rang abgelaufen hat.
Der Zusammenhang zwischen Geld und Leistung im Fußball besteht unbestritten, lässt sich sogar an den Zuschauerzahlen ablesen. Die Bayern und der FC Schalke belegen dort wie in der richtigen Tabelle mit gehörigem Abstand die Plätze zwei und drei. Doch dass immer noch mit wenig Geld ganz viel zu erreichen ist, zeigen die Beispiele Freiburg und Augsburg, die jedem kleinen Verein der zweiten Liga Mut machen müssten. Unter den gegebenen Voraussetzungen ist der Klassenverbleib dieser Klubs eine noch größere Überraschung als der ebenfalls nicht erwartete Aufschwung von Borussia Mönchengladbach. Doch die Renaissance am Niederrhein macht ebenfalls deutlich, dass die Machtverhältnisse in der Bundesliga keineswegs nur über die Finanzkraft geregelt werden.
Dass mit den Bayern der deutsche Vorzeigeklub das Finale der Champions League erreicht hat, wertet den Stellenwert der Bundesliga weiter auf. Und doch ist nicht alles eitel Sonnenschein. Die Ausschreitungen kleiner Gruppen haben nicht abgenommen, und die größten Gewaltexzesse haben sich nur aus den Stadien ins Umfeld verlagert. Sie sind bislang halbwegs glimpflich verlaufen - eine Garantie, dass es dies bleibt, sollte daraus niemand ablesen.