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Bundesliga-Kommentar Weiter im Dialog

Dem Fußball muss klar sein, dass an den Rändern der Fanszene immer Straftäter zu finden sein werden. Die Ultras müssen akzeptieren, dass Fußball-Kultur endet, wo gegen Gesetze verstoßen wird.

© dpa Vergrößern Frankfurter Problemfans: Die Ultras distanzieren sich

Die Liga hat offensichtlich gelernt. Auf dem Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL) in der vergangenen Woche widerstanden Präsident Rauball und der leitende Geschäftsführer Seifert der Versuchung, angesichts bester Geschäfte ein ganz in Rosarot gehaltenes Bild vom deutschen Fußball zu malen. Beide sprachen in Frankfurt das Sicherheitsproblem in den Stadien an - und beide gaben zu, Fehler in der Kommunikation mit den Fans begangen zu haben. Und jetzt, nachdem beim Rückrundenstart Frankfurter Fans in Leverkusen durch ihr Abbrennen von Pyrotechnik eine Spielunterbrechung provozierten, sind nur gemäßigte Töne zu hören. DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig will weiter auf Austausch und Kommunikation setzen, die Erkenntnis hat sich weitgehend durchgesetzt, dass nicht die Allgemeinheit für die Vergehen Einzelner mitbüßen sollte.

Peter Heß Folgen:  

Das Pendel ist zurückgeschlagen. Hatten noch im Frühherbst die Hardliner Konjunktur, die dem Ruf der Politiker, die das Thema für sich entdeckt hatten, nach Härte bereitwillig folgten, so verschaffen sich nun die Verständnisvolleren Gehör. Eine positive Folge der Aufgeregtheiten der vergangenen Monate. So unsachlich die Diskussion vor der Abstimmung der Liga am 12. Dezember über das Sicherheitskonzept teilweise von der Politik, teilweise von Funktionären, teilweise von Fanorganisationen geführt wurde: Immerhin beschäftigten sich die Parteien endlich mal ausführlich und ernsthaft miteinander und lernten so einander besser kennen. Die Aktion „Ohne Stimme keine Stimmung“, als an den letzten Hinrundenspieltagen die organisierten Fans in den Stadien minutenlang stumm blieben, führte auch dazu, dass die Belange der Ultras ernster genommen wurden. Einerseits lief die Unternehmung diszipliniert und friedlich ab, anderseits spürte jeder im Stadion, wie viel die Fanblocks zur Atmosphäre beitragen.

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Es gibt keine Alternative dazu, den jetzt eingeschlagenen Weg der Verständigung weiter zu gehen - trotz aller Rückschläge wie dem in Leverkusen. Dem Fußball und der Politik muss klar sein, dass an den Rändern der Fanszene immer Chaoten und Straftäter zu finden sein werden und die Ultras als Ganzes für deren Treiben weder verantwortlich noch zur Rechenschaft zu ziehen sind. Die Ultras müssen akzeptieren, dass Fußball-Kultur endet, wo gegen Gesetze verstoßen wird und Mitmenschen gefährdet werden.

Auf dieser Basis könnte weiter gegenseitig Vertrauen aufgebaut werden. Vertrauen, das nicht bei einem Vorschlag wächst, wie ihn der Leverkusener Geschäftsführer Holzhäuser am Sonntag machte: Er will die zu erwartende Geldstrafe für die Vorkommnisse in seinem Stadion an den Deutschen Fußball-Bund zahlen, aber im nächsten Heimspiel gegen die Eintracht wieder eintreiben. Die Eintrittspreise für den Gästeblock sollen dann entsprechend erhöht werden. Einerseits wird von der Fanszene erwartet, sich von Straftätern zu distanzieren, sie am besten von ihren Vergehen abzuhalten oder anzuzeigen. Andererseits werden die Fans in Sippenhaft genommen. Die Ordnungsmacht kann nur für sich einfordern, respektiert zu werden, wenn Strafen gerecht sind - auch beim Thema Stadionverbot.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 21.01.2013, 13:29 Uhr

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