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Bundesliga-Kommentar Vorsicht, Bayern

29.01.2012 ·  Niemand kann den Bayern die Meinung verübeln, nur sie könnten den Titel verlieren, der größte Gegner wären sie selbst. Mindestens ein weiterer Klub kann durchaus Meister werden.

Von Peter Heß
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Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Hartnäckigkeit manche Fernsehreporter versuchen, Mitgliedern der Bundesliga-Spitzenmannschaften irgendwelche Aussagen über ihre Chancen auf die Meisterschaft zu entlocken. Das Spielchen ist so abgedroschen, dass die Antworten keinerlei Unterhaltungswert mehr bieten. Was sollen sie denn auch sagen? Die Erfahrung lehrt, dass ihnen jedes halbwegs wagemutige Wort bei der nächsten Niederlage um die Ohren geschlagen wird. Und so flüchten sie sich in die Standards: „Wir denken von Spiel zu Spiel“ - und wie sie noch alle heißen.

Am tollsten wird es, wenn der Sportlichen Leitung, an der Spitze den Trainern, dann noch vorgeworfen wird, wegen ihrer vorsichtigen Prognosen wäre die Mannschaft im Titelrennen gescheitert. Nach dem Motto: Wer sich keine hohen Ziele setzt, wird sie nie erreichen.

Alles Unsinn. Noch nie wurde eine Meisterschaft dadurch entschieden, wie optimistisch oder pessimistisch sich die Protagonisten zu ihren Perspektiven geäußert hatten; sondern nur durch die gezeigten Leistungen. Leistung setzt sich aus den Faktoren Potential und Umsetzen des Potentials zusammen. Diese lassen sich ganz gut einschätzen. Deshalb ist Schalke gut beraten, sich sehr zurückhaltend zu den Titelansprüchen zu äußern - und Gladbach, alle Fragesteller auszulachen. Denn die Wahrscheinlichkeit, die eigenen Möglichkeiten noch weitere 15 Spieltage fast optimal auszuschöpfen, ist eine recht geringe.

Genauso kann niemand den Bayern die selbstbewusste Meinung verübeln, nur sie könnten den Titel verlieren, der größte Gegner wären sie selbst. Der Krösus hat sich nun mal an den Gedanken gewöhnt, den besten Kader zu haben. Das war auch so in den vergangenen Jahren. Aber gerade im Fußball bleibt die Zeit nicht stehen. Die Dortmunder Überraschungsmeistermannschaft von 2011 hat sich noch weiterentwickelt. Der Verlust von Sahin wurde durch die Rückkehr des lange verletzten Kagawa ausgeglichen, und die Polen Lewandowski, Blaszczykowski und Piszczek sind zu Bundesligagrößen gereift. Wie gut die Dortmunder auch individuell in der Saison 2011/12 sind, wird vielleicht erst in der Rückschau deutlich. Große Leistungen führen erst mit einer zeitlichen Verzögerung zu großen Namen.

Was noch für Borussia Dortmund im Titelkampf spricht, ist der Weg zum Sieg, den Trainer Jürgen Klopp für seine Mannschaft gefunden hat. Es ist leichter, nach Pressing und schnellem Umschalten gegen einen in Unordnung geratenen Gegner ein Tor zu erzielen als nach Bayern-Art. Langer Ballbesitz und langsames Aufbauspiel geben dem Gegner die Möglichkeit, sich vor dem eigenen Strafraum zu postieren. Da bedarf es schon hoher Fußballkunst, ein solches Bollwerk auseinanderzuspielen. Die Bayern sind durchaus fähig dazu und haben schon oft in dieser Saison begeistert. Aber ihr Spielplan ist nun mal störanfälliger als der der Dortmunder. Also Vorsicht, Bayern, außer euch kann durchaus ein weiterer Klub Meister werden. Die Chancen stehen 50:50.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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