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Bundesliga-Kommentar Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

30.09.2007 ·  Die Frage „Tor oder nicht Tor?“ ist zu wichtig, um sie folkloristisch zu betrachten. Die Fachmänner der Fifa sind gefragt - und sie sollten Entscheidungen nicht auf die lange Bank schieben. Alles spricht für einen schärferen Blick auf die Torlinie, meint Jörg Hahn.

Von Jörg Hahn
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Es gibt Stürmer, denen man einen Torriecher nachsagt. Schiedsrichter aber können es nicht riechen, ob der Ball vollumfänglich hinter der Torlinie war oder nicht, sie müssen es schon sehen. Und wenn sie es nicht können, wenn auch der Linienrichter keine Hilfe darstellt, aus welchen Gründen auch immer? Dann haben wir ein Problem. Oder eine Diskussion. Wie seit zwei Wochen in der Bundesliga, nachdem in mindestens drei Spielen – es gab noch andere, minderschwere Zweifelsfälle – drei, salopp gesagt, astreine Treffer nicht anerkannt worden sind.

In der Regel sind die deutschen Schiedsrichter aufmerksam und zuverlässig, die Zahl der schlimmen Patzer wie am Samstag bei Kloses nicht erkanntem Tor für Bayern München in Leverkusen ist überschaubar klein. Doch Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Nur, wie sollte die Kontrolle der Torlinie am besten aussehen?

Torkamera: unbestechliche, zuverlässige, aber teure Lösung, die nur für Profispiele in Frage kommt.

Torrichter: ohne hundertprozentige Gewähr, weil auch dieser Mensch sich irren oder durch eine schnelle Aktion überfordert sein kann, doch praktikabel nicht bloß in den Hightech-Arenen, sondern unter Umständen auch im kleinen Fußball. Das könnte die zögerlichen Funktionäre des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) dafür erwärmen, weil so das Regelwerk nicht den Profi- weiter von Amateurfußball trennt.

Oberschiedsrichter: Vorteil nicht ersichtlich, denn alle Entscheidungen müssen erkennbar vom Schiedsrichter auf dem Platz vertreten werden.

Die Reaktion aus dem Deutschen Fußball-Bund auf die fordernden Vorschläge der Wortführer des FC Bayern München ist überraschend undogmatisch. Volker Roth als Vorsitzender des Schiedsrichter- Ausschusses lehnt zu Recht nationale Alleingänge ab, ist jedoch aufgeschlossen für weltweit abgestimmte sinnvolle Innovationen. Das muss kein technischer Schnickschnack sein, wie ihn die Fifa hat testen lassen – wahrscheinlich ohnehin nur mit dem Ziel, sich dadurch die Bestätigung dafür zu holen, dass eine Torkamera – im Eishockey längst akzeptiert und bewährt – keine praktikable Lösung ist. Konservatismus ist in dieser Sache allerdings ebenso wenig hilfreich wie Emotionalität.

Schärferer Blick auf die Torlinie

Wer Schiedsrichter nach Torassistenten oder technischen Hilfen fragt, findet oft Zustimmung. Eine Degradierung oder Kompetenzbeschneidung der Schiedsrichter sehen vielleicht Funktionäre, die sich an die sogenannte Tatsachenentscheidung klammern und damit menschliche Schwächen als unüberwindbar hinnehmen. Die Leute der Praxis sind anderer Ansicht. Für sie überwiegen die Vorteile, wenn sie in kniffligen Situationen Rücksprache halten können. Die Entscheidungsgewalt geben sie damit schließlich noch nicht aus der Hand.

Stammtischgespräche über das Wembley-Tor und ähnliche Vorkommnisse mögen ja unterhaltsam sein, doch die Frage „Tor oder nicht Tor?“ ist zu wichtig, um sie folkloristisch zu betrachten. Die Fachmänner der Fifa sind gefragt – und sie sollten Entscheidungen nicht auf die lange Bank schieben. „Die Fifa verfolgt eine klare Mission: Das Spiel entwickeln, die Welt berühren und eine bessere Zukunft gestalten“, heißt es so schön in der Selbstdarstellung des Dachverbandes. Nichts berührt einen Fußballfan so wie ein einwandfreies Tor. Alles spricht deshalb für einen schärferen Blick auf die Torlinie.

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Jahrgang 1961, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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