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Bundesliga-Kommentar Tag der Tüftler

19.09.2011 ·  Hagel, Niederlagen, Platzverweise: Der sechste Spieltag war eine Runde der kleineren und größeren Pannen.Er gab aber auch unbeirrten Tüftlern auf der Trainerbank recht.

Von Roland Zorn
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© dapd Lucien Favre hat in Gladbach ein eigenes Produkt in der Eliteklasse Bundesliga entwickelt

Eingerahmt war dieser sechste Bundesliga-Spieltag von der Modefarbe Rot: Viermal zückten die Unparteiischen allein am Samstag die ultimative Karte – ein Rekordwert in der noch jungen Saison. Nicht nur den vier Sündern war damit ihr Arbeitstag verhagelt. In Nürnberg schüttete sich auch noch die Natur über dem Stadion derart heftig aus, dass die Halbzeitpause mehr als verdoppelt wurde, ehe nach den himmlischen Wassermassen wieder die Sonne lieblich auf die Begegnung zwischen dem „Club“ und Werder Bremen lugte. Es war eine Runde der kleineren und größeren Pannen – auf dem Platz und drumherum.

Es war aber auch ein Tag, der den unbeirrten Tüftlern auf der Trainerbank recht gab. Nach einer Serie, in der der aggressive Balleroberungsfußball, verkörpert durch Meister Borussia Dortmund und seinen Trainer-Zampano Jürgen Klopp, gefeiert wurde, machen nun die leisen Strategen der Liga von sich reden.

Lucien Favre, der schweizerische Taktikfuchs, wird schon seit längerem dafür bewundert, aus dem Beinahe-Absteiger Borussia Mönchengladbach Schritt für Schritt eine stabile, in sich ruhende Mannschaft gemacht zu haben, die entscheidende Fehler vermeidet und sich Punkt für Punkt Respekt verschafft. Vorläufig ist der Traditionsklub vom Niederrhein in der Spitzengruppe der Bundesliga angekommen.

Davon ist der 1. FC Köln mit seinem neuen Trainer Stale Solbakken noch weit entfernt. Immerhin gehörten dem FC und seinem norwegischen Fußballlotsen am Samstag die Schlagzeilen – mehr noch als den Gladbachern, die der Reihe ihrer unspektakulären Erfolge ein 1:0 beim sieglosen Tabellenletzten Hamburger SV hinzufügten. Köln aber überrannte im rheinischen Derby Bayer Leverkusen in dessen Stadion 4:1 und zeigte sich dabei erstmals vollkommen vertraut mit Solbakkens Konzept des Zonenfußballs in zwei Viererreihen.

So, wie die furchtlose Borussia ihre Gegner zu zermürben pflegt, so sehr kamen sich auch die Leverkusener am Samstag wie in einem Irrgarten vor. Mit taktischer Disziplin und offensiver Phantasie, superb verkörpert durch Nationalspieler Lukas Podolski, raubten die Kölner der noch vom Champions-League-Trip nach London müden Werkself den Nerv.

Der Triumph beim großen Nachbarn wird dem ähnlich wie Favre in aller Ruhe an der Umsetzung seines Plans werkelnden Solbakken die Zeit geben, die er braucht, um sein Konzept fest zu verankern. Während der Dortmunder Meistertrainer Jürgen Klopp und sein derzeit nach vier sieglosen Spielen etwas ratlos anmutender Mainzer Kollege Thomas Tuchel mit ihrem auf Pressing, Gegenpressing und hohem Tempo beruhendem „Vollgasfußball“ in der vergangenen Saison setzten, haben Favre und Solbakken einen defensiv grundierten Stil entwickelt, der Rendite verheißt. Beide Trainer haben damit ein eigenes Produkt in der Eliteklasse Bundesliga entwickelt.

Der HSV hat gegen Köln und Mönchengladbach schon verloren. So mancher dürfte dort neidisch auf Favres und Solbakkens Projekt schauen – zumal der notorisch erfolglose Trainer Michael Oenning in Hamburg den Lernprozess seiner Schulungsbemühungen bisher nur beschwor. Zu sehen war davon bisher so gut wie nichts.

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