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Bundesliga-Kommentar System Magath statt Modell Klinsmann

17.05.2009 ·  England? Spanien? Italien? Nein, die Bundesliga bietet den meisten Fußball fürs Geld. Und Spannung bis zum Schluss. Aber es ist keine Liga der Stars - der Star ist die Liga. Und der Star ist der Trainer. Das zeigt Wolfsburg.

Von Christian Eichler
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Gäbe es statt eines European Song Contest einen European Football Contest, einen Fußballwettbewerb, den Volkes Stimme entschiede – Sieger 2009 wäre die Bundesliga. Was haben andere, was der deutsche Klubfußball nicht hätte? Premier League und Serie A boten zuletzt meist zähe Kost, wenig Tore und vernichteten jede Spannung mit der vorzeitigen Fortsetzung der Titel-Abonnements von Manchester United und Inter Mailand (siehe auch: Fußball international: Barcelona und Inter werden auf der Couch Meister).

Auch die Primera División, Spielwiese des offensiven Fußballs, macht der Bundesliga nichts vor – deren Toreschnitt von rund 2,9 pro Spiel schafft sie auch. Und die 51 Tore der unbezahlbaren Weltstars Messi und Eto'o haben die preiswert aus Teplice und Le Mans geholten Dzeko und Grafite ebenfalls hingekriegt, und das in nur 33 statt 36 Spieltagen. Im spielerischen Niveau mögen noch ein paar Meilen zwischen Barcelona und Wolfsburg liegen. Doch gemessen an der Kosten-Nutzen-Relation, entscheidend in Finanzkrisen, gilt: Die Bundesliga bietet den meisten Fußball fürs Geld. Und Spannung bis zum Schluss.

Es ist keine Liga der Stars - der Star ist die Liga

Es ist keine Bühne für Namen, die die ganze Welt kennt. Wenn aus Sternchen Stars werden, sind sie kaum noch zu halten in Deutschland. Diego geht, Dzeko ist schon bei den reichsten Klubs auf dem Zettel, und was wird aus Ribéry, sollten die Bayern auch noch die Champions-League-Teilnahme verspielen? Solche Könner sind in der Bundesliga meist auf der Durchreise. Es ist keine Liga der Stars – der Star ist die Liga.

Und der Star ist der Trainer. Nicht das Modell Klinsmann, das System Magath wurde zum Gewinner der Saison – nicht der große Innovator und Dirigent von Kompetenz-Teams, sondern der Boss alter Prägung, der alle Fäden in der Hand hält und die Kargheit der Kommunikation als Stilmittel ausspielt. Wolfsburg ist ein Vorbild für die Möglichkeiten mächtiger Trainer. Bielefeld ist dagegen das Vorbild für deren Machtlosigkeit – dort, wo der Erfolg fehlt und sich ein Klub den Stimmungen der Fans ergibt. Frontzecks Entlassung vor dem letzten Spiel wirkt wie der verzweifelte Versuch, den Spielern die letzte Ausrede zu nehmen und dem Publikum ein Opfer zu bringen (siehe auch: Arminia Bielefeld: Frontzecks Rauswurf vor der letzten Etappe).

Wer zu den Bayern kommt, hat es schon geschafft

Dass Bayern-Manager Uli Hoeneß, der Trainer stets gern klein hielt, nun von seinem „Traum“ spricht, mit van Gaal einen Trainer zu finden, „der alles selbständig macht“, zeigt den Aufbruch alter Denkmuster – oder ist es nur die Mode der Saison? Mindestens so sehr wie eine starke Trainerhand braucht der Rekordmeister etwas anderes, das den Wolfsburger Erfolg ebenso auszeichnet (und den Aufschwung von Klubs wie Berlin oder auch Hoffenheim): eine Aufsteigermentalität.

Magath beschrieb das, als er davon sprach, dass er auch Spieler verpflichtet habe, „die nur in der zweiten Liga oder auf der Ersatzbank waren“. Solche Spieler haben die Bayern nie verpflichten müssen. Deshalb fehlen ihnen Profis, die sich durchbeißen wollen. Wer zu den Bayern kommt, hat es schon geschafft in Leben und Beruf. „Mir san mir“ taugt nicht mehr als sicheres Erfolgsmodell. Die Liga belohnt die, die noch nichts sind, aber etwas werden wollen. Das macht sie so gut.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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