http://www.faz.net/-gtm-95tp0

Bundesliga-Kommentar : Stars sagen servus und bye-bye

Bild: dpa

Der Bundesliga laufen die Stars davon. Erst Dortmunds Démbelé, nun wohl sehr bald auch Leipzigs Keita. Nachfolger sind derweil keine in Sicht, weil die Jugendarbeit in Deutschland nicht innovativ genug ist.

          Es mehren sich zum Ende der Winterpause die Anzeichen, dass Naby Keita, die Mittelfeld-Entdeckung der vergangenen Saison, noch in diesem Monat und nicht wie ursprünglich vorgesehen erst im Sommer auf die Insel wechselt. Falls es so kommen sollte, wäre die Bundesliga schon in der Rückrunde um eine Attraktion ärmer, selbst wenn Keita in dieser Saison in Leipzig weniger durch eine schöne sportliche Weiterentwicklung auffiel als durch zahlreiche Gelbe und Rote Karten. Aber wie auch immer sich die Dinge zwischen Liverpool und Leipzig entwickeln: Offensichtlich ist schon jetzt, dass die Bundesliga wieder in den Sog der großen Transfers geraten ist, die sie selbst zwar nicht tätigen kann, aber deren Auswirkungen sie sich wie in einem Dominospiel auch nicht zu entziehen vermag.

          Diesmal war der Auslöser der Kettenreaktion der Transfer von Coutinho vom FC Liverpool zum FC Barcelona für 160 Millionen Euro. Um die Lücke direkt zu schließen, will der Klopp-Klub nun zu den 70 Millionen noch etwas drauflegen, um Keita sofort und damit ein halbes Jahr früher verpflichten zu können. Leipzig ziert sich (noch). Die Bundesliga kennt dieses Spiel mittlerweile.

          Zu Saisonbeginn war der Dortmunder Démbélé zum Transferobjekt geworden, nachdem der FC Barcelona auf die Schnelle nach einem Ersatz für Neymar suchte, den sich Paris St-Germain geleistet hatte. So flossen hier 222 und da 105 Millionen. Das Ergebnis in den Fällen Dembélé und Keita, ob der nun im Winter oder im Sommer geht, ist für die Bundesliga das gleiche: Sie verliert wieder einen Star – und an Attraktivität.

          Am gestrigen Freitag ist mit dem 3:1-Auftaktsieg in Leverkusen womöglich das letzte Jahr von Franck Ribéry und Arjen Robben beim FC Bayern angebrochen. Die Wehmut, die Fußballfans nicht nur in München beim Gedanken an diese beiden möglichen Abschiede beschleicht, liegt vor allem, aber nicht allein an den vielen Jahren, in denen diese Stars dem Spiel und der Bundesliga das gewisse Etwas schenkten. Ribéry war im Jahr 2007 gekommen, Robben 2009. Nun laufen im Alter von 34 und bald 34 Jahren ihre Verträge aus. Aber was vor rund zehn Jahren für den FC Bayern, wenn auch unter großen Anstrengungen, noch möglich war, nämlich internationale Topstars im besten Alter zu verpflichten, ist im entfesselten Transfergeschäft undenkbar für die Bundesliga geworden. Transfersummen im dreistelligen Millionenbereich können und wollen nur englische, die beiden spanischen Topklubs sowie das mit qatarischem Geld gepäppelte Paris bezahlen.

          Wer Stars nicht kaufen kann, muss sie selbst entwickeln. Diese Erkenntnis, die nicht erst zu Beginn des WM-Jahres auf der Hand liegt, müsste in der Liga nun endlich auch zu Innovation und Umdenken in der Nachwuchsarbeit führen. Bisher liegt der Schwerpunkt zu stark darauf, mannschaftsdienliche Spieler hervorzubringen. Was dagegen schon seit Jahren fehlt und die Bundesliga mittlerweile von Jahr zu Jahr ärmer macht: der Mut, Individualisten zu fördern, die aus einem Fußballspiel ein Festspiel machen können.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hinter Söder : Kommt Zeit, kommt Tat

          Trotz der schweren Verluste bleibt Seehofer CSU-Vorsitzender. Früher oder später aber wird Söder nach dem Parteivorsitz greifen. Ein Kommentar.

          Reiches Ölland : Die deutsche Wirtschaft hält den Saudis die Treue

          Droht ein Zerwürfnis zwischen Saudi-Arabien und dem Westen? Amerikanische Manager haben schon reagiert auf das ungeklärte Schicksal des vermissten Journalisten Khashoggi – von deutscher Seite sind die Antworten weniger klar.

          Pflichten einer Herzogin : Und schon ist sie schwanger

          Eine wichtige Aufgabe in Königshäusern: die Erbfolge sichern. Damit haben nun auch Herzogin Meghan und Prinz Harry begonnen. Auch für die späte Bekanntgabe der Schwangerschaft gibt es einen Grund.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.