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Bundesliga-Kommentar Richtige und falsche Signale

24.09.2007 ·  Sechs Spiele, kein einziger Sieg, Tabellenletzter: Petrik Sanders Entlassung als Trainer in Cottbus war vorhersehbar. Doch die Frage bleibt: Hinkt Energie tatsächlich den Erwartungen hinterher? Wohl nur bedingt, meint Rainer Seele.

Von Rainer Seele
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Ja, das Leben kann sehr angenehm sein für Fußballtrainer – oder für Fußball-Lehrerinnen. Armin Veh oder Silvia Neid sind in diesen Tagen sehr gute Beispiele dafür, beide haben gerade eine Wertschätzung ihrer Arbeit erfahren: Sie dürfen, der eine beim VfB Stuttgart, die andere beim Deutschen Fußball-Bund, längerfristig im Amt bleiben. Frau hat schließlich aktuelle Erfolge vorzuweisen, Mann immerhin einen Meister-Bonus.

Zwar stockt das Stuttgarter Spiel derzeit ein bisschen – allerdings wäre es nicht nachzuvollziehen, würde Veh jetzt wegen des bislang unbefriedigenden Saisonverlaufs Widerstand zu spüren bekommen. Die VfB-Führung tut gut daran, auf Konstanz und Ruhe zu setzen; sie will ihre Entscheidung, bis 2009 an Veh festzuhalten, auch als ein Signal verstanden wissen.

Sechs Spiele, kein einziger Sieg, Tabellenletzter

Anderswo haben Fußball-Funktionäre offensichtlich weniger Geduld. In Cottbus ist das beispielsweise so, wo am Sonntagvormittag endgültig vollzogen wurde, was seit einiger Zeit schon zu erwarten war: Trennung von Petrik Sander, einer Symbolfigur des Cottbuser Fußballs. Immerhin hatte er Energie vor dem Absturz in die Drittklassigkeit bewahrt, er führte die Mannschaft zurück in die Bundesliga, und er sorgte mit ihr in der vergangenen Saison für Aufsehen: sichere Punktlandung in der Liga, Klassenverbleib problemlos geschafft.

Sander hat also Qualitäten, das steht außer Frage. Aber für den Cottbuser Präsidenten, der Sander bereits seit längerem nicht mehr sehr nahe zu stehen scheint, gelten offenbar nur Zahlen. Für ihn sprachen sie eindeutig gegen Sander: sechs Spiele, kein einziger Sieg, Tabellenletzter – direkt hinter dem zweiten Ostklub in der Bundesliga, Hansa Rostock, wo Sanders Kollege Frank Pagelsdorf aber noch über genügend Machtfülle verfügt, um sich seines Postens sicher sein zu können.

Hinkt Energie wirklich den Erwartungen hinterher?

In Cottbus jedoch griff am Sonntag, just zu Beginn des Herbstes, in dem die Tage für gewöhnlich ohnehin heißer werden für professionelle Übungsleiter, ein üblicher Mechanismus im Fußball: Energie versucht, durch eine Umbesetzung an verantwortlicher Stelle möglichst schnell eine Kurskorrektur zu erreichen.

Der Ost-Fußball ist ins Trudeln geraten – die Cottbuser Entscheidung, Sander zu entlassen, ist gleichwohl diskussionswürdig. Was ist ihm – noch dazu in einer frühen Phase der Saison – als Fachkraft vorzuwerfen? Hinkt Energie tatsächlich hinter den Erwartungen her? Wohl nur bedingt. Energie hatte schließlich einen beträchtlichen Aderlass hinnehmen müssen – und die Lücke, die zwei exzellente rumänische Stürmer hinterließen, bisher nicht schließen können.

Petrik Sander steht nun doch wie ein Gewinner da

So musste, da an diesem Standort der Liga nicht das große Geld fließt und auch russische Investoren nicht in Sicht zu sein scheinen, mit sportlichen Rückschlägen gerechnet werden. Energie war, realistisch betrachtet, zwangsläufig zu den Hinterbänklern der Liga zu zählen. Mancher in Cottbus, offenbar geblendet durch das kleine Hoch in der vergangenen Saison, hatte dies aber wohl nicht wahrhaben wollen. So können Begehrlichkeiten entstanden sein, für die es jedoch keine Grundlage gab.

Mag sein, dass auch Sander, dessen Renommee wuchs, gegenüber der Vereinsspitze ein wenig zu forsch aufgetreten ist. Dennoch steht er nun – trotz seines unfreiwilligen Abschieds – auch wie ein Gewinner da. Unterstützt von einem Berufsgenossen wie Felix Magath, immer noch hoch geschätzt vom Cottbuser Publikum. Das Volk, das offensichtlich ein gutes Gespür für die Situation des Cottbuser Fußballs hat, sprach sich auch am Samstag, nach der vierten Niederlage, eindeutig für Sander aus – und gegen den Vorstand. Bis ein solches Gremium sich aber in einer heiklen Lage zurückzieht, dürften noch sehr viele Herbste ins Land ziehen.

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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