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Bundesliga-Kommentar Rhythmusstörung und Himmelssturm

07.10.2007 ·  Zu Recht bittet Armin Veh, der auch als Meistertrainer nicht zum Überschwang neigte, in Stuttgart um Ruhe. Seinem Kader geht es schlecht genug. Da tut ein Stück Kontinuität in Person des sportlichen Leiters gut, meint Roland Zorn.

Von Roland Zorn
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Zufallsmeister: Das Wort hören sie gar nicht gern in Stuttgart. Um wieder als Meister ohne Extra-Abwertung in Rang und Würden zu kommen, muss sich der VfB jedoch so langsam aus dem unteren Mittelmaß befreien, mit dem die Schwaben den Start in die neue Saison total verpatzt haben. Derzeit sind sie Tabellenzwölfter mit gerade zehn Punkten; da redet, zumal nach der 0:2-Heimniederlage gegen Hannover 96, kein Mensch mehr von der Titelverteidigung. Dabei wussten die Verantwortlichen in Stuttgart, dass ihr unverhoffter Erfolg der Triumph eines Außenseiters war. Zu Recht bittet Armin Veh, der auch als Meistertrainer nicht zum Überschwang neigte, nun um Ruhe. Seinem Kader, geschwächt durch die Verletzungen zahlreicher Profis, geht es schlecht genug. Da tut ein Stück Kontinuität in Person des sportlichen Leiters gut.

Mag sein, dass die Stuttgarter bei ihren Neuverpflichtungen kein besonders glückliches Händchen hatten; mag sein, dass den Spielern der harte englische Rhythmus zwischen Meisterschaft und Champions League zu schaffen macht; mag sein, dass sich auch Veh hier und da schon mal falsch entschieden hat: Wichtig für die Rückkehr zur alten Qualität wird die Wahrung der schwäbischen Zuverlässigkeit in der alltäglichen Arbeit sein.

Karlsruhe schwebt im siebten Himmel

Wenn hier und da schon an den 1. FC Nürnberg erinnert wird, der 1968 deutscher Meister wurde und 1969 abstieg, muss man sich beim VfB daran nicht stören. Die Stuttgarter sind letztlich aus einem anderen Holz als die Klubs, die am Ende der Saison zweitklassig sein werden. Dass sie nicht noch einmal so weit vorn landen würden wie im Mai, war sowieso absehbar. Bis auf die Bayern, für die das Wort Titelverteidigung selbstverständlicher Auftrag und keine „Mission impossible“ ist, hat es mit der Ausnahme von Borussia Dortmund 1995 und 1996 kein anderer Klub in der jüngeren Vergangenheit geschafft, die Meisterschaft zu wiederholen. Nach gerade neun Spieltagen hat jedoch auch der VfB noch alle Chancen, zumindest in den Kreis der Teams vorzurücken, die für einen Uefa-Pokalplatz in der kommenden Spielzeit in Frage kommen.

Zu denen wird inzwischen, wenn auch noch verhohlen, sogar der Karlsruher SC gezählt. Der freche Aufsteiger ist derzeit, wer hätte das gedacht, Tabellenzweiter und stürmte am Samstag sogar die Schalker Arena. Karlsruhe schwebt im siebten Himmel – und behält die Bodenhaftung. Inzwischen schauen sie schon ganz neidisch von Stuttgart ins Badische. Dort wird eine Erfolgsgeschichte geschrieben, die den VfB von weitem an den eigenen Aufstieg in der vergangenen Saison erinnern wird. Sie mag noch eine Weile anhalten, wird am Ende aber wohl vergänglich sein wie alles im Fußball. Und wenn schon: Der KSC bleibt auf jeden Fall eine Bereicherung für die Bundesliga. Mit dem Abstieg, so viel darf heute schon prophezeit werden, wird er am Ende so wenig zu tun haben wie der vorerst tief gestürzte Meister.

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