Nur keine Panik! Die Bundesliga hat sich durch die Vorrunde wirklich nicht verrückt machen lassen. Nicht mal ganz 45 Millionen Euro an Ablösesumme gaben die 18 Klubs in der Winterpause für 39 neue Spieler aus; davon mehr als die Hälfte der VfL Wolfsburg, bei dem keiner zweifelt, dass er es sich angesichts der Werksunterstützung auch leisten kann.
Wirtschaftliche Vernunft regiert in der deutschen Premiumliga, anders als andernorts in Europa, wo versucht wird, durch waghalsige Transfers sportlichen Misserfolg auf die Schnelle zu korrigieren. Der Generalsekretär der Europäischen Fußball Union (Uefa), Gianni Infantino, warnte unlängst die Klubs vor einem Kollaps.
Nach Auswertung der Bilanzen von 665 europäischen Vereinen stand ein Rekorddefizit von 1,6 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2009/10 zu Buche, und das, obwohl die Erlöse um 6,6 Milliarden Euro auf 12,8 Milliarden Euro angewachsen waren.
Der Beitrag der Bundesliga an der Verlustrechnung bestand in dieser Spielzeit aus einem Minus von knapp 78 Millionen Euro, ein verschwindend geringer Anteil. In der Saison 2010/11 machten die 18 Bundesligaklubs sogar einen Gewinn von 52,5 Millionen Euro.
Auf schnellen Erfolg durch das Leeren der Brieftasche zu hoffen ist ein windiges Geschäftsmodell. Natürlich liest sich die Geschichte von Mohamed Zidan sehr schön. Dem Rückkehrer gelang für Mainz auf Anhieb gegen Schalke das Tor zur 1:0-Führung, und auch der Ausgleichstreffer zum 1:1-Endstand wurde durch einen Neuzugang, Chinedu Obasi, erzielt.
Aber von den Einkäufen im Winterschlussverkauf traf ansonsten am 20. Spieltag niemand mehr. Das soll nicht heißen, dass personelle Korrekturen nicht sinnvoll sein könnten, zumal weder Zidan noch Obasi unvernünftig teuer erstanden worden sind. Aber die Hoffnung, eine Saison mit Blitzverpflichtungen zu retten, hat sich in der Vergangenheit nur ganz selten erfüllt.
Wahrscheinlicher wird Erfolg durch ein schlüssiges Konzept und das geduldige Verfolgen desselben. Dortmund, Mönchengladbach, Schalke und Hannover spielen seit einem Jahr in fast unveränderter Grundformation, für die Bayern gilt das zumindest für die Offensivabteilung.
Für Wolfsburg, Stuttgart und Hamburg haben sich die vielen Wechsel - die meisten davon gewollt, manche ungewollt - nicht ausgezahlt. Man muss den Spielern Zeit geben. So wie dem Hamburger Jacopo Sala. Das ist kein Profi aus dem Winterschlussverkauf, sondern von der Chelsea-Resterampe, von der sich der HSV im letzten Sommer bediente.
Wie die drei Kollegen Mancienne, Bruma und Töre war der Italiener schon als Fehleinkauf tituliert worden. Mittlerweile gilt Töre als große Hoffnung, und am Samstag traf Sala gegen die Bayern, nachdem er erstmals nach langer Verletzungspause in der Anfangsformation gestanden hatte.
Also, haben wir Geduld mit den millionenschweren, prominenten Wintertransfers Lakic, Ibisevic, Jiracek, Vierinha, Corluka und Diouf. Ihr wahrer Wert wird sich nicht in den nächsten Wochen ermessen lassen, sondern vielleicht erst in der nächsten Saison.
Richtig, Herr Heß, und schöner wird's obendrein!
Rolf Huchthausen (huchthausen)
- 06.02.2012, 17:00 Uhr
Taktik statt Individualakteure
Christoph Rohde (prediger1)
- 06.02.2012, 15:10 Uhr