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Bundesliga-Kommentar Privileg der Provinz

Markus Weinzierl genießt Vertrauen beim FC Augsburg. Ludwig Preis ist mit Greuther Fürth ungeschlagen. Zwei Trainer jenseits des Medienrummels, exemplarisch für gute Arbeit an kleinen Bundesliga-Standorten.

© dpa Vergrößern Bundesliga-Trainer ohne Lizenz: Ludwig Preis kam vom SC Eltersdorf aus der vierten Liga

Seit zwei Spielen unbesiegt mit dem Aufsteiger und Tabellenletzten Greuther Fürth! Das ist eine Bilanz, die jedem Trainerstar zur Ehre gereichen würde. Ludwig Preis ist nicht nur kein Star, er ist strenggenommen noch nicht mal Bundesligatrainer, denn für dieses Adelsprädikat fehlt ihm die Lizenz. Der gesammelte Erfahrungsschatz des 41 Jahre alten Bayern resultiert aus der vierten Klasse, aus der Regionalliga. Dort machte er sich beim SC Eltersdorf einen so guten Namen, dass ihn der Nachbarklub Fürth (die nächste Ausfahrt auf dem Frankenschnellweg) erst für die zweite Mannschaft holte und dann als Übergangslösung bei der ersten einsetzte.

Da stellt sich die Frage, ob der Trainerjob in der höchsten Klasse nun entmystifiziert ist. Ja, kann denn nun schon jeder Bundesliga? Sicher nicht, aber jeder gute Fußball-Lehrer kann dort reüssieren, wenn er vom richtigen Verein geholt wird. Ein Verein, bei dem Arbeit zählt und nicht der große Name. Markus Weinzierl ist das noch leuchtendere Beispiel. Wie Preis in Niederbayern geboren, wurde er in der Dritten Liga bei Jahn Regensburg als Trainer sozialisiert, ehe er mit der Empfehlung des Zweitligaaufstiegs zum FC Augsburg geholt wurde.

Nach schwierigem Start hat Weinzierl den FCA zur Überraschungsmannschaft 2013 geformt. Mit zwölf Punkten aus sieben Spielen sind die Donauschwaben das viertstärkste Rückrundenteam. Die tollkühn anmutende Ankündigung Weinzierls: „Wir geben uns mit dem Relegationsplatz nicht zufrieden“ wirkt angesichts eines Rückstandes von nur noch sechs Punkten auf Rang 15 gar nicht mehr so unrealistisch.

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Die Fähigkeiten, die ein Trainer haben muss, sind überall gleich, ob in der vierten oder ersten Klasse. Sie lassen sich, aufs gröbste reduziert, in die beiden Positionen Fachwissen und Personalführung zusammenfassen. Aber es gibt viele Vereine, bei denen diese Tugenden bei weitem nicht ausreichen, weil der sportliche Aspekt der Trainerarbeit nicht der entscheidende ist.

- © AFP Vergrößern Hat gut lachen in Augsburg: Markus Weinzierl etabliert sich im Oberhaus

Gerade an Medienstandorten wie Hamburg, Köln und Berlin, wo die vielen Fans der Traditionsklubs mit heißen Geschichten versorgt werden, müssen Trainer nicht nur gut sein, sondern sich auch gut verkaufen können. Sonst werden sie im Schlagzeilengewitter zerzaust. Vor allem, wenn sich ihr Präsidium und ihr Management nicht vom öffentlichen Druck frei machen.

Seriöse Arbeit mit ruhiger Hand

Ist es ein Zufall, dass Hertha BSC und der 1. FC Köln in der zweiten Liga spielen, wo auch Frankfurt und Düsseldorf vor ihrem Aufstieg im vergangenen Frühjahr dümpelten? Ist es ein Zufall, dass der HSV in den vergangenen Jahren im Schnitt schlechter abschnitt als die kleineren Klubs Hannover, Gladbach, Mainz und Freiburg?

Provinziell zu sein ist in einer Hinsicht ein Privileg: Es erleichtert die seriöse Arbeit mit ruhiger Hand, ganz nach den eigenen Überzeugungen, ohne Beeinflussung von außen. Aber es entbindet die Klubs nicht von der Aufgabe, mit viel Gefühl und Fachkenntnis die richtigen Trainer zu verpflichten. Was Preis derzeit in Fürth, Weinzierl in Augsburg, Streich in Freiburg und Tuchel in Mainz leisten, das ist Ausdruck von großem Talent. Bundesliga kann eben nicht jeder. Ob sie es aber auch schaffen würden, bei Bayern München und Borussia Dortmund ihre Fähigkeiten abzurufen, das ist noch mal eine ganz andere Frage. Deshalb gehören Jupp Heynckes und Jürgen Klopp noch einmal einer anderen Trainerklasse an.

Quelle: F.A.Z.

 
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