13.02.2012 · So ein Zufall: Fast zeitgleich zum Berliner Niedergang glänzt der ehemalige Hertha-Trainer mit der „Borussia Barcelona“. Die Berliner Krise ist hausgemacht.
Von Michael HoreniMan darf vermuten, dass Hertha-Manager Michael Preetz am Samstagabend nicht der Sinn danach stand, sich das Topspiel des Tages anzuschauen, den grandiosen Auftritt von Borussia Mönchengladbach beim 3:0 gegen Schalke.
Der ehemalige Torjäger dürfte vollauf damit beschäftigt gewesen sein, seine jüngste Fehlentscheidung in der Berliner Trainerfrage zu korrigieren, die dann auch in aller Frühe am Sonntag verkündet wurde: Michael Skibbe muss nach vier verlorenen Bundesligapartien und einem Pokalspiel die Berliner Bank wieder räumen - gewonnen hat die Hertha damit aber natürlich noch nichts.
Die „schlechteste Halbzeit" seiner gesamten Karriere, mit der sich Rudi Völlers früherer Nationalmannschaftsassistent beim 0:5 in Stuttgart selbst am meisten bestrafte, fiel zusammen mit der vielleicht besten Halbzeit der Mönchengladbacher seit Jahrzehnten - und die Ironie der Fußballgeschichte wollte es, dass der Borussia diese Sternstunde unter Lucien Favre glückte, jenem klugen und detailverliebten Trainer, den Preetz vor gut zwei Jahren in Berlin vor die Tür gesetzt hat. Favre war damals nach einer spektakulären Saison auf den letzten Tabellenplatz abgestürzt.
In Mönchengladbach hat er in einem Jahr aus einem Abstiegskandidaten ein Team geformt, das mit seinem Kombinationsfußball bei Fußball-Schwärmern mittlerweile als "Borussia Barcelona" durchgeht.
Es kommt nicht oft vor, dass ein einziger Spieltag die Frage nach Gestaltungsmacht und Grenzen von Fußballlehrern so eindrucksvoll und ernüchternd aufzeigt wie bei Borussen und Berlinern. Favres in Rekordzeit gewachsene Kleinkunst, die bei diesem 3:0 einen herrlichen Treffer nach dem anderen fast schon wie nach katalanischem Reißbrettvorbild produzierte, war der bisherige Höhepunkt einer spielerischen Entwicklung, die sich neben dem Erfolg auch zum schönen Ziel gesetzt hat, die Zuschauer zu bezaubern.
Favre verdient sich gerade den Innovationspreis des deutschen Fußballs, und es gibt wohl niemanden, der diesen Erfolg allein mit den Qualitäten der leichtfüßig harmonierenden Profis erklären würde. Die Gladbacher Galavorstellungen in stetig optimierter Ausführung dieser Spielzeit sind vor allem Trainertriumphe, das Resultat von hochklassiger Arbeit auf dem Trainingsplatz.
Skibbe mag in Berlin Fehler gemacht haben, und womöglich war er auch die falsche Wahl. Aber als gerade verpflichteter Trainer in Rekordzeit wieder ausgewechselt zu werden, ist das, was man auf dem Fußballplatz die "Höchststrafe" nennt - sich aber als sinnvolle Personalpolitik ausgibt. Ernsthaft kann man jedoch die Leistung des in Berlin Gescheiterten nicht beurteilen, ein paar schlechte Halbzeiten reichen da nicht aus. Skibbe zahlt vor allem den Preis der Panik.
Nicht nur bei der Hertha, sondern ganz oft in der deutschen Fußball-Mittelklasse reichen drei, vier Niederlagen, um alle guten Vorsätze der Nachhaltigkeit dranzugeben, wenn Abstieg und damit Millionenverluste drohen, die selbst mit einem schnellen Wiederaufstieg kaum mehr gutzumachen sind. Auch Favre kann sich daran noch gut erinnern.
Wer in der Panik so...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 13.02.2012, 12:29 Uhr
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |