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Bundesliga-Kommentar Objekt der Begierde

22.11.2009 ·  Es sind keine leichten Zeiten, die der deutsche Fußball erlebt. Manipulation könnte wie Doping zu einem hässlichen Dauerbegleiter werden. Der Ball rollt dennoch weiter und bleibt ein Objekt der Begierde: für ein fasziniertes Massenpublikum und für ein paar böse Buben, die diesem Sport im Schatten der Öffentlichkeit ans Leder wollen.

Von Roland Zorn
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Es sind keine leichten Zeiten, die der deutsche Fußball derzeit erlebt. Den Tagen der Trauer nach dem Freitod von Robert Enke sind die Tage des Erschreckens über den jüngsten, vielleicht schwersten Wettskandal im europäischen und deutschen Fußball gefolgt. Und wieder sind die Protagonisten dieses Sports der ganzjährigen Schlagzeilen gefordert, passende Worte und richtige Relationen zu finden. Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, oder Ligapräsident Reinhard Rauball sind im Augenblick dauernd gefragt, sich so durch ihre Gefühle und Gedanken zu navigieren, dass ihre Sätze von Glaubwürdigkeit und Handlungsfähigkeit zeugen.

Eine schwere Prüfung angesichts eines unverhofften Todesfalls, eine harte Aufgabe unter den Umständen eines international weitverzweigten Kriminalfalls mit Dutzenden von möglichen Tätern. Der Wettskandal knapp fünf Jahre nach dem Sündenfall Hoyzer mit einem bestechlichen Schiedsrichter in der Hauptrolle hat etwas immanent Untröstliches. Er weist auf die Verführbarkeit nicht weniger Menschen für Korruption und Manipulation und deutet mit dem Blick auf das asiatisch gesteuerte, längst global ausgeuferte Glücksspielgeschäft auch noch in die Anonymität.

Wer will da noch versprechen, diesem wildwüchsigen Übel nachhaltig beikommen zu können? Das deutsche Publikum wie das in anderen europäischen Ländern wird sich darauf gefasst machen müssen, immer wieder neue Sünder vorgeführt zu bekommen, ohne damit die Hoffnung auf vollständige Heilung eines schweren Schadensfalls verknüpfen zu können. Spielmanipulation könnte wie Doping zu einem hässlichen Dauerbegleiter des Sports werden.

Der Ball rollt weiter und bleibt ein Objekt der Begierde

Dass die von der neuesten Wettspielaffäre bisher nicht betroffene erste Liga dennoch für mehr Gesprächsstoff sorgte als ein Skandal, der hier und da allzu früh mit Namen befrachtet wurde, ist nicht nur dem Ablenkungsbedürfnis der Abermillionen Fußballfans geschuldet. Der Mensch will am Wochenende unterhalten werden – und dieses Bedürfnis befriedigt Woche für Woche vor allem der FC Bayern München mit seinem auch durch die nationale Realität nicht mehr wie von selbst gedeckten Führungsanspruch.

Das Duell der Bayern mit den seit zwanzig Jahren in München sieglosen Leverkusenern elektrisierte die Massen, weil hier nicht nur der an den ersten zwölf Spieltagen unbesiegte Tabellenführer Bayer den Meister von gestern prüfte, sondern weil dieses Spiel auch so etwas wie ein Examen für den Münchner Trainer Louis van Gaal war. Nur ein Sieg, so viel schien klar, würde dem strengen Holländer eine einigermaßen gesicherte Perspektive über den Tag hinaus eröffnen.

Das Spiel aber ging unentschieden aus, und so bleiben vorerst wohl alle Fragen nach der Zukunft des Münchner Trainers offen. Diese und andere Fragen, die wöchentlich im Fußball-Volkstheater Bundesliga gestellt werden, beflügeln die Phantasie der riesigen Fußballgemeinde; die Fragen, die der Wettskandal an den Fußball und dessen Wächter über das Reinheitsgebot richtet, müssen die Spezialisten – falls überhaupt möglich – lösen. Der Ball rollt unterdessen weiter und bleibt ein Objekt der Begierde: für ein fasziniertes Massenpublikum und für ein paar böse Buben, die diesem Sport im Schatten der Öffentlichkeit ans Leder wollen.

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