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Bundesliga-Kommentar Nachwuchshandel

13.01.2012 ·  Kindertransfers in der Bundesliga: Auch vor den Kleinsten machen die unregulierten Kräfte des Marktes nicht Halt. Wo soll das noch enden?

Von Michael Horeni
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Der Transfermarkt bewegt in diesen Tagen wieder einmal die Fußball-Republik. Diesmal sind es aber nicht die aberwitzigen Millionen-Ablösesummen und -Gehälter, mit denen die Topklubs in Deutschland und Europa um Stars wie Messi, Ronaldo oder Schweinsteiger buhlen. An diese Absurditäten hat sich das Publikum gewöhnt. Das Thema des Tages sind zwei Kinder an der Schwelle zur Jugendlichkeit, die ihre Berliner und Hamburger Heimat verlassen, um nun in Hoffenheim (Nico Franke) und Wolfsburg (Alexander Laukart) ihrem Traum von der Bundesliga einen Schritt näher zu kommen.

Schon im vergangenen Jahr hatten solche Teenager-Transfers in Deutschland für Unbehagen gesorgt, das hässliche Wort vom Kinderhandel schwingt auch nun wieder mit und damit die Frage: Wo soll das noch enden? Nicht nur besorgte Eltern und Kritiker der vollständigen Fußball-Kommerzialisierung fragen sich, ob dieses Geschäft denn gar keine Grenzen mehr anerkennt. Auch innerhalb der Bundesliga gibt es genügend Manager, die über eine Entwicklung den Kopf schütteln, die 13 Jahre alte Kinder von Familie, Freunden und Schule trennt, für die ganz vage Aussicht, nach fünf, sechs Jahren vielleicht mit einem Profivertrag entschädigt zu werden. Doch wenn die moralischen Worte gesprochen sind, entbrennt hinter den Kulissen sogleich der Wettlauf um die kostbare Ressource Talent.

Klubs mit kleinerem Einzugsgebiet müssen sich anstrengen

Es ist keine Seltenheit, wenn ein halbes Dutzend Klubs an diesen hochbegabten Kindern dranhängt. Ein sogenanntes Gentlemen‘s Agreement, das bis vor wenigen Jahren in der Bundesliga bestand, und Wechsel von Jugendlichen erst im höheren Alter gestattete, haben die Klubs unter dem Konkurrenzdruck längst aufgegeben. Auch bei den Kleinsten machen die unregulierten Kräfte des Marktes nicht Halt.

Der Fußball erlebt eine grundfalsche Entwicklung, die zwar von Uefa-Präsident Platini bis zum ehrenamtlichen Jugendtrainer des letzten Dorfklubs kaum jemand will - aber niemand besitzt im Fußball derzeit die Kraft, sich erfolgreich dagegen zu stemmen. In der Bundesliga sind Transfers in diesem Alter zwar noch nicht alltäglich, aber derzeit spricht nicht viel dafür, dass es dabei bleibt. Verbände und Klubs sehen beim Nachwuchshandel ihre Hände gebunden, aber sie sind es, die mit der Einrichtung der so erfolgreichen Nachwuchszentren vor gut zehn Jahren eine Entwicklung in Gang gesetzt haben, die eine beständige Nachfrage nach Talenten geradezu verlangt.

Die Bundesligaklubs mit kleinerem Einzugsgebiet müssen sich bei der Produktion von künftigen Profis dabei besonders anstrengen, um ihre Kapazitäten auszulasten, da reicht das Heimatreservoir weit weniger als in den Ballungsräumen. Die Tore sind immer offen. Die Kinder-Transfers aber sind die Schattenseiten des herrlichen deutschen Jugendbooms bei Jogi Löw und in der Bundesliga, über den Fußball-Deutschland so gerne jubelt.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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