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Bundesliga-Kommentar Meister des Möglichen

15.04.2007 ·  Petrik Sander in Cottbus und Hans Meyer in Nürnberg sind die erfolgreichsten Trainer der Bundesliga. Beide vereint eine funkelnde Schläue, eine giftige Gemütlichkeit, die aus Herbergers Zeiten nur im Osten überlebt zu haben scheint. Von Christian Eichler.

Von Christian Eichler
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Die Chance der Kleinen - nicht nur im Boxring das Thema des Wochenendes. Tschagajew schlägt den Riesen Walujew, Cottbus rückt bis auf drei Plätze an den FC Bayern heran. Wie am östlichen Ende der Liga das kleine Fußballglück geschmiedet wird, das ist eine schöne Geschichte, die an ein legendäres Vorbild erinnert.

Es stammt aus dem Mutterland des Fußballs, wo man vor dessen Erfindung noch viel Zeit hatte und deshalb einst im Nottingham Forest (wie heute im Spreewald) reiche Reisende ihrer Habe beraubte - zum Wohle der darbenden Mitmenschen der Region. Wenn Petrik Sander, ganz kulleräugiges Schlitzohr, die Beutezüge seiner bunten Truppe erläutert, dann braucht man nur etwas Phantasie, um ihn sich in grünen Strumpfhosen als Robin Hood des Fußballs vorzustellen.

Kampflustige Truppe aus einem Dutzend Ländern

Wie das Original hat er einen Clown in seiner Bande, den Torwart Piplica, dessen lustige Einlagen gern belacht werden, wobei sie doch nur von seiner Stärke ablenken und von der des ganzen Haufens. Es ist eine kampflustige Truppe aus einem Dutzend Ländern, vor allem vom Balkan, mit einem Kapitän aus Kanada. Sie sind keine Millionäre und waren es auch woanders nicht, Cottbus ist meist ihre erste Bundesliga-Station und oft auch die letzte. Sie kommen aus kleinen Ländern, kleinen Ligen - wer wenig Geld hat, muss wie Sander dort seine Spieler suchen. Das kann ein Glück sein.

Cottbus ist ein schönes Beispiel dafür, wie der wenn schon nicht totgesagte, dann doch immer wieder krankgeschriebene Osten wunderbar zurechtkommen kann. Natürlich ist es kein repräsentatives Beispiel, es geht ja nur um Fußball. Und doch wird hier gezeigt, wie man auch ohne Westniveau bei Gehältern und ohne ewige Alimente konkurrenzfähig sein kann - die einzige Transferleistung aus dem Westen sind die Punkte, die der Rest der Liga dalässt.

Als in England kürzlich die Frage nach dem "relativen" Erfolg aufkam, danach, wer der Erfolgreichste wäre, wenn alle mit demselben Budget arbeiten müssten, da meldete sich keiner der Trainer zu Wort, deren Teams Europa dominieren, sondern Sam Allardyce: "Ich wäre es." Sein Team, Bolton, ist Fünfter, mit einem Bruchteil des Etats der vier Top-Klubs. Stellt man dieselbe Frage für die Bundesliga, so lautet die Antwort, dass die beiden erfolgreichsten Trainer Ostdeutsche sind: Petrik Sander in Cottbus und Hans Meyer in Nürnberg.

Es ist die Kunst, die Grenzen auszuloten

Der eine übernahm Cottbus auf Platz 15 der zweiten Liga, heute steht er mit dem kleinsten Budget der Bundesliga (10 Millionen Euro) auf Platz sieben. Der andere kam, als Nürnberg Letzter war, und steht nun mit dem fünftkleinsten Budget (14 Millionen) auf Platz fünf und im Pokalhalbfinale. Beide vereint eine funkelnde Schläue, eine giftige Gemütlichkeit, die aus Herbergers Zeiten nur im Osten überlebt zu haben scheint.

Es ist die Kunst, die Grenzen auszuloten. Und dabei nicht limitiert zu spielen: klein, aber nicht Kleinklein. Wie die Rumänen Radu und Munteanu, gemeinsam 23 Saisontreffer, die Tore gegen Wolfsburg herausspielten, das war das Beste, was die Liga an diesem Samstag zu bieten hatte - neben Schalke in Mainz. Meisterlich, so hieß es schon in manchem Kommentar über den Tabellenführer. Doch auf dem Weg vom Meister der Herzen zum Meister wartet am Samstag auf die Schalker die vielleicht schwerste Hürde: Cottbus, der Meister der Möglichkeiten.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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