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Bundesliga-Kommentar Konzentration der Kräfte

Der deutsche Fußball hat sich verändert. Aus der bayerischen Monokultur an der Spitze mit wechselnden Partnern hat sich ein dominantes Führungsdoppel etabliert - vor allem durch Reformen der europäischen Wettbewerbe.

© dapd Vergrößern Ganz oben: Die Bayern warten noch auf die Dortmunder

Nach einem packenden Meisterschaftsduell sieht es zwar nicht aus, aber es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, wann die beiden besten deutschen Mannschaften von der Tabellenspitze grüßen. Nach den Leverkusener Punktverlusten in Freiburg ist Dortmund mit dem 3:0 gegen Nürnberg, das auf ein 5:0 zum Rückrundenstart in Bremen folgte, bis auf einen Punkt an den Tabellenzweiten herangerückt. Am Wochenende bietet sich Dortmund beim Duell in Leverkusen die Chance, die Hierarchie im deutschen Fußball mit Bayern München und Borussia Dortmund an der Spitze wieder exakt abzubilden.

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Das Ziel der Borussia für diese Spielzeit, sich als Spitzenklub zu etablieren, ist schon erreicht. Trainer Jürgen Klopp durfte dabei gegen Nürnberg ein Gefühl genießen, das früher nur Bayern-Trainern vergönnt war: den Reichtum der Bank nach Belieben ins Spiel zu bringen. Klopp konnte sich den Luxus leisten, erst in den letzten Minuten den großen Wintertransfer Nuri Sahin und Nationalspieler Lars Bender einzuwechseln, dann kam noch das herausragende Talent Moritz Leitner hinzu - und auf der Bank saß weiterhin Nationalspieler Kevin Großkreutz.

Der Europokal: eine gewaltige Umverteilungsmaschine

Man sollte nicht überrascht sein, wenn irgendwann im Rückblick festgestellt wird, dass sich der deutsche Fußball in der Saison 2012/13 veränderte, als sich aus der bayerischen Monokultur an der Spitze mit wechselnden Partnern ein dominantes Führungsdoppel etablierte. Genährt wird diese Entwicklung - die Fortsetzung des bayerisch-westfälischen Wettrüstens im Winter mit Sahin und Guardiola ist da nur ein weiterer Beleg - vor allem durch die Reformen der europäischen Wettbewerbe.

Sie haben den Europapokal zu einer gewaltigen Umverteilungsmaschine gemacht, die nur eine Richtung kennt: von unten nach oben. Das Geld wird massenhaft und immer konsequenter an die Spitze geschaufelt. Die jüngsten Pläne der Europäischen Fußball-Union, die Europa League abzuschaffen anstatt sie aufzuwerten, förderten diese europäische und damit auch nationale Klassengesellschaft noch weiter.

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Mit ihren Siegen gegen Hoffenheim und Fürth stehen derzeit Frankfurt und Mainz auf einem Europa-League-Platz, aber dass sie ihre besten Spieler langfristig halten können, glauben sie nicht einmal unter den heutigen Bedingungen selbst. Nur wer ganz viel hat, dem wird noch mehr gegeben. In der Bundesliga gibt es zwar noch keine spanischen Verhältnisse mit Barcelona und Madrid als unangreifbare Alleinherrscher. Aber man bekommt eine Ahnung davon, wie auch hier das Fußballgeschäft laufen dürfte.

Trotz allen Aufschwungs, den die Bundesliga insgesamt nimmt, standen in diesem Monat im Weltteam des Jahres nur Spieler von Barcelona und Real Madrid, mit der winzigen Ausnahme Falcao von Atletico Madrid. Wenn man eine Bundesligaauswahl der letzten zwei, drei Jahre erstellte, sähe es in Deutschland kaum anders aus als bei der Weltkonkurrenz. München und Dortmund - und sonst nicht mehr viel. Es zeigt sich, dass die Konzentration der Kräfte den Fußball in Deutschland und Europa in der Spitze immer besser macht. Aber dass der Fußball in den Händen einer immer kleineren und mächtigeren Gruppe liegt, ist ein hoher Preis. Man beginnt erst zu ahnen, was den Fußball seine Monopole noch kosten könnte.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 28.01.2013, 08:56 Uhr

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