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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Bundesliga-Kommentar Herthas schaurige Schlusspointe

 ·  Die „alte Dame“ blickt schon jetzt auf eine Saison zum Vergessen zurück. Doch der Höhepunkt steht noch bevor: Ausgerechnet der, den sie geschasst haben, könnte der Berliner Hertha nun die sportliche Henkersmahlzeit servieren.

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© dpa Machtlos: Otto Rehagel gibt dem Spiel und der Mannschaft von Hertha BSC Berlin keine Impulse

Ob Otto Rehhagel wirklich sicher sein kann, dass der Fußball-Gott auf der Seite seiner Berliner steht? Der Altmeister unter den deutschen Fußballtrainern hat genau diese Vermutung angestellt, nachdem selbst eine desolate Vorstellung bei der 0:4-Niederlage gegen Schalke der Hertha eine Chance auf den Klassenverbleib gelassen hat. Die Kölner verloren nämlich in Freiburg ebenfalls.

Angesichts des Spielplanes könnte man aber auch zu der Meinung gelangen, dass es der Fußball-Gott besonders grausam mit den Berlinern meint. Denn nachdem er sie bis zum letzten Spieltag zappeln lässt, hat er ausgerechnet Markus Babbel das Beil in die Hand gedrückt. Mit Hoffenheim kann der Trainer, der im Winter im Unfrieden von der Hertha schied, seinen alten Klub endgültig in die Zweite Liga befördern.

Eine Saison zum Vergessen

Das wäre dann die schaurige Schlusspointe einer Saison, die für die Berliner furchtbarer nicht hätte laufen können, nachdem Babbel den Verein verließ. Nacheinander demaskierten sich die Führungsfiguren der Hertha. Am nachhaltigsten Sportdirektor Preetz, der eine Fehlentscheidung nach der anderen traf: An der Zusammenstellung des Kaders war er nicht allein beteiligt, aber die Berufung von Trainer Skibbe und dessen Nachfolger Otto Rehhagel muss der ehemalige Torjäger ganz mit sich selbst ausmachen.

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Alleine: Rehagel erreicht mit seiner Fußball-Philosophie die Spieler nicht mehr © REUTERS Alleine: Rehagel erreicht mit seiner Fußball-Philosophie die Spieler nicht mehr

Skibbe verdarb es sich innerhalb weniger Wochen mit der Mannschaft und musste nach fünf Niederlagen gehen. Rehhagel dagegen erreichte die Spieler nie so richtig, ob mit seinen Plattitüden oder seinen Goethe-Zitaten. Konsequent wäre es von Preetz gewesen, auch den 73 Jahre alten Fußball-Lehrer nach fünf Spielen auszutauschen. Aber damit hätte er endgültig seinen Offenbarungseid geleistet. So aber konnte der Sportdirektor mit seinen Rehhagel-Verteidigungsreden wenigstens noch einen im Verein überzeugen und von sich ablenken: Präsident Gegenbauer kündigte schon an, Preetz den Neuaufbau in der Zweiten Liga anzuvertrauen.

Es ist jetzt gut für ihn

Zum Glück der Berliner steht Rehhagel dafür nicht zur Verfügung, somit kommen sie gar nicht erst in die Versuchung, ihn weiterzuverpflichten. Der Altmeistertrainer hat eine beachtliche Lebensleistung vollbracht und verdient jeden Respekt. Aber seine Berliner Wochen haben den Nachweis erbracht, dass es jetzt gut für ihn ist. Bei seiner Anstellung meinte „König Otto“, er habe nichts zu verlieren. Aber so ganz stimmt das nicht. Ein normaler Abstieg mit einer sich wehrenden Mannschaft könnte ihm nichts anhaben. Aber der Trainer-Monarch wirkt auf seinem Thron so machtlos und teilnahmslos wie seine überforderten Spieler.

Kölner Hoffnung ist Berlins Schwäche

Da macht sein Widersacher Frank Schaefer bei den Kölnern einen besseren Eindruck. Aber dass die Kölner ein bisschen weniger tot wirken als die Hertha, nutzt ihnen nichts, wenn die Bayern sie im letzten Spiel ernst nehmen und nicht verlieren und gleichzeitig die Berliner Hoffenheim bezwingen. Aber so etwas ansonsten Selbstverständliches wie ein Heimsieg ist der Hertha in der Rückrunde erst einmal gelungen: Am 3. März gegen Rehhagels alte Liebe Werder Bremen. Die größte Kölner Hoffnung bleibt die Berliner Schwäche.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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