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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Bundesliga-Kommentar Hauptdarsteller „König Otto“

Alle, die ihn kennen, wissen, wie die Fußball-Leidenschaft noch immer in Otto Rehhagel brennt. Deshalb sind Skeptiker gut beraten, nicht sogleich mit ihren Vorurteilen gegenüber dem gelernten Anstreicher hausieren zu gehen.

© dapd Vergrößern Noch einmal in der großen Rolle: Otto Rehhagel

Er war schon immer unberechenbar und anders als viele Kollegen. Überraschungen, ja Sensationen mit seinen Underdog-Ensembles bewerkstelligen zu können, ist sein Markenzeichen. Otto Rehhagel stand in all den Jahren seiner erstaunlichen Trainerkarriere stets dafür, das Unmögliche möglich machen zu können.

Dabei galt er, der Werder Bremen, den 1. FC Kaiserslautern und die griechische Nationalmannschaften zu Titeln und Triumphen führte, nie als ein Mann, der sich den neuesten Erkenntnissen der Trainingswissenschaft verpflichtet fühlte. Rehhagel machte sein eigenes Ding und überzeugte seine Spieler dabei auch über lange Zeiträume mit einer Aura und Persönlichkeit, die ihm unverrückbar zu eigen sind.

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„Jeder kann sagen, was ich will“, hat er nun zu Beginn seines nicht einmal dreimonatigen Engagements bei der Hertha in Berlin gesagt. „König Otto“, der selbsternannte Regent einer „demokratischen Fußball-Diktatur“, ist am Ende seiner schillernden Laufbahn noch einmal in der Rolle gefordert wie zu deren Beginn: als Helfer, Retter oder „Feuerwehrmann“. Da alle, die ihn kennen, wissen, wie die Fußball-Leidenschaft noch immer in ihm brennt, sind Skeptiker gut beraten, nicht sogleich mit ihrem Vorurteil gegenüber Rehhagel hausieren zu gehen.

Keinesfalls zu unterschätzen

Dass er 73 und damit viel zu alt für den Beruf des Bundesliga-Trainers sei, ist ein untaugliches Argument, blickt man auf den 70 Jahre alten Kollegen Alex Ferguson, der noch immer der unbeirrbar große Steuermann bei Manchester United ist, oder auf den inbrünstigen Calcio-Liebhaber Giovanni Trapattoni, der die Iren mit 72 zur Europameisterschaftsendrunde 2012 geführt hat.

„König“ Otto Otto ... find’ ich gut: Das sagen sie sich derzeit in Berlin - und holen Rehhagel © picture-alliance / dpa Bilderstrecke 

Rehhagel gehört ebenfalls zu den seltenen Exemplaren einer Berufssparte, deren beste Vertreter sich auf völlig unterschiedliche Weise im Umgang mit ihren Spielern und ihrer Materie definieren. Mag auch der Fußball, den Rehhagels Griechen zuletzt spielten, dem Reich der Antike entlehnt so kommt mit dem gelernten Anstreicher womöglich doch viel frische Farbe ins Spiel der in der Liga zuletzt arg verblassten Hertha. Auch was seine Lernfähigkeit im Umgang mit dem Fußball von heute angeht, ist Rehhagel keinesfalls zu unterschätzen.

Noch einmal die große Chance

Garantiert ist aber nichts - auch nicht bei einem ausgewiesenen Meistermacher wie ihm, der ein notorischer Freund der Spieler und ein ebenso beharrlicher Gegenspieler der ihn begleitenden Journalisten ist. Ob Rehhagel, der seit 2010 nicht etwa im Ruhestand, sondern auf der Suche nach einer neuen Mission war, noch einmal ganz der Alte ist, gehört zu den spannendsten Fragen der noch bevorstehenden zwölf Spieltage.

Mit seinem kernigen Ruhrpottcharme besetzt Rehhagel fürs erste ganz allein den Part des Regisseurs und Hauptdarstellers bei der Hertha. Wird seine Inszenierung am Ende gefeiert, haben alle mitgewonnen; geht sie schief, zahlt der Hauptstadtklub einen hohen Preis für eine Illusion.

„König Otto“ bietet sich noch einmal die große Chance, seine Magie zu entfalten; für den bisher in seiner Rolle nicht eben überzeugenden Manager Michael Preetz und dessen Mitstreiter ist es die letzte Chance, noch einmal schadlos bei der Hertha davonzukommen. Das macht den ganz besonderen Reiz dieses Rettungsmanövers aus. Nach der Berlinale wartet auf Berlin das große Fußball-Kino.

Quelle: F.A.Z.

 
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