Home
http://www.faz.net/-gtn-6kaaw
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Montag, 13. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Bundesliga-Kommentar Gefährliches Spaltpotential

30.08.2010 ·  Null Punkte nach 180 Minuten Bundesliga-Fußball sind nicht mehr als ein klassischer Fehlstart. Es kann schnell nach oben gehen. Doch die Stimmung ist „auf“Schalke überhaupt nicht danach. Das „System Magath“ steht auf dem Prüfstand.

Von Michael Horeni
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Natürlich kann man nach zwei Spieltagen noch nicht vorhersehen, wie die Saison für Schalke 04 und den VfL Wolfsburg enden wird. Null Punkte nach 180 Minuten Bundesliga-Fußball für den Vorjahreszweiten sowie den Meister von 2009 sind zunächst nicht mehr als klassische Fehlstarts zweier Klubs, die von höchsten Ambitionen getrieben werden und sich auf dem Transfermarkt mit einem Einsatz tummeln, dass einem schwindelig werden kann.

Der Blick der Verlierer des Tages nach einem kläglichen 1:2 gegen Hannover und einem spektakulären 3:4 gegen Mainz kann so früh im Fußballjahr also ganz schnell auch wieder nach oben gehen. Aber die Stimmung an den beiden mentalen Gegenpolen der Liga, dem Schalker Gefühls- und dem VfL-VW-Geschäftsbetrieb ist derzeit überhaupt nicht danach.

Denn dass da vielleicht etwas ganz grundsätzlich schief laufen könnte, diese Sorge treibt vor allem die Anhänger von Schalke 04. Das „System Magath“ steht nach den beiden herausragenden Erfolgserlebnissen erst beim Wolfsburger Werksklub und dann beim westfälischen Herzensklub auf dem Prüfstand. Das ist ein ebenso erstaunlich frühes wie eindeutiges Misstrauensvotum – und gar kein gutes Zeichen für eine langfristig angelegte Beziehung.

Dem Baumeister fehlt sportlich das defensive Fundament

Magath antwortet auf die Schaffens- und Vertrauenskrise wie ein unbeirrter Manager. Seine Botschaft lautet: Ich kaufe Erfolg. Im Original klingt der Schalker Allmachts-Chef mit Blick auf die an diesem Dienstag um Mitternacht endende Wechselfrist tatsächlich so egozentrisch, wie ihm das gerne nachgesagt wird: „Bis dahin wird es für uns auf dem Transfermarkt noch einiges zu tun geben – damit ich dieses Spiel möglichst schnell hinter mir lassen kann.“

Nun sollen der holländische Stürmer Huntelaar vom AC Mailand für angeblich 13 Millionen Euro und der in ähnlichen Dimensionen gehandelte spanische Spielmacher Jurando von Atletico Madrid ganz schnell die Dinge richten, die nach dem Umbau im ganz großen Stil mit 13 Ab- und elf Zugängen in Unordnung geraten sind.

Dem Baumeister der zuletzt so erstaunlichen Erfolgsgeschichten fehlt aber derzeit sportlich das defensive Fundament – aus der in der Vorsaison vielleicht verlässlichsten Bundesliga-Viererkette mit Rafinha (Genua), Bordon (Qatar), Höwedes (gesperrt) und Westermann (HSV) ist ein gegen Hannover lächerlich löchriges Abwehrkettchen mit Uchida, Matip, Metzelder sowie Sarpei geworden, das selbst gegen einen Abstiegskandidaten in größte Not geriet. Aus dem Bayern-Jäger Magath ist erst einmal selbst ein Gejagter geworden.

Erste Niederlage nach 3:0 seit mehr als zwanzig Jahren

Die Zuversicht von Magaths Wolfsburger Nach-Nachfolger McClaren, eine Erfolgsmannschaft tatsächlich bauen oder beieinander halten zu können, muss dagegen ohne jeden empirischen Bundesliga-Beleg auskommen. Nach einem unglücklichen 1:2 bei den Bayern folgte nun ein historisches 3:4 gegen Mainz, die erste Niederlage seit rund zwanzig Jahren, die ein Team nach 3:0-Führung hinnehmen musste. Der zweite Rückschlag für den englischen Neuling führte zu einer Reaktion, der man ein gewisses Spaltpotential nicht absprechen möchte.

McClaren sprach zunächst von Dr. Jekyll und Mr. Hyde, die als unsichtbare Neuzugänge neben Diego Regie führten sowie von einem nie erlebten Qualitätseinbruch. Dass McClaren seinen Spielern dann aber noch charakterliche Schwäche als Erklärung für die Niederlage vorwarf, dürfte den Profis vor allem eins für die Zukunft klarmachen: Niederlagen – das sind ihre Sache. Mal sehen, wen McClaren demnächst für Siege verantwortlich macht.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   21  32   46 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   21  35   44 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   21  22   43 Verbesserung zur Vorwoche
4.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   21  18   41 Verschlechterung zur Vorwoche
5.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   21  -1   33 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   21  0   31 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   21  -2   31 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   21  -11   27 Verbesserung zur Vorwoche
9.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   21  3   26 Verbesserung zur Vorwoche
10.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   21  -8   26 Verbesserung zur Vorwoche
11.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   21  -2   25 Verschlechterung zur Vorwoche
12.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   21  -12   24 Verschlechterung zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   21  -6   23 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   21  -12   22 Gleichheit zur Vorwoche
15.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   21  -11   20 Gleichheit zur Vorwoche
16.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   21  -11   18 Gleichheit zur Vorwoche
17.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   21  -14   18 Gleichheit zur Vorwoche
18.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   21  -20   17 Gleichheit zur Vorwoche
Ergebnisse, Tabellen und Statistik