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Bundesliga-Kommentar Gärtner gesucht

07.12.2008 ·  Das Beispiel Hoffenheim sollte animierend auf alle Trainergärtner der Bundesliga wirken: Hier sind nicht Stars geholt worden, sondern Talente entdeckt, gehegt, gepflegt und gefördert worden, die erst an diesem Standort zu Klassespielern aufblühten.

Von Roland Zorn
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Am Freitag hat die Bundesliga ihr Schaufenster zur Welt geöffnet, und Zuschauer aus 168 Ländern haben hingeguckt. So faszinierend, so rasant, so temporeich, so hochklassig kann es auch im deutschen Spitzenfußball hin- und hergehen, wenn die von Trainer Jürgen Klinsmann zu neuem Spitzenformat geführten Bayern und ihre jugendbewegten Herausforderer aus Hoffenheim mit im Spiel sind. Es war eine Show der Superlative, die in München geboten wurde – und dazu eine originäre Veranstaltung, die für sich stand und deshalb keiner vergleichenden Werbung mit der Premier League und dem dann immer wieder gern zitierten One-Touch-Fußball des FC Arsenal bedurfte.

Um Trugschlüssen vorzubeugen: In Deutschland gibt es außer den Bayern und diesem wunderbaren Spitzenreiter-Aufsteiger aus der badischen Provinz noch andere gute Mannschaften und dazu auch Trainer, die sich mit den derzeitigen Anführern Ralf Rangnick und Jürgen Klinsmann messen können. Dabei spielen richtungweisende Etiketten à la „Reformer“ oder „Traditionalist“ schon länger keine Rolle mehr. Wer was wie programmatisch ankündigt, ist vergleichsweise unerheblich. Für den Erfolg entscheidend sind allein die sichtbaren Ergebnisse intensiver Arbeit wie in München oder Hoffenheim, manchmal aber auch in Wolfsburg oder Leverkusen. In dieser Hinsicht haben die Hoffenheimer Beispielhaftes geleistet und die Münchner wie so oft Maßstäbe gesetzt.

Hier sind Talente entdeckt, gehegt, gepflegt und gefördert worden

Das Beispiel Hoffenheim, unterfüttert von den Millionen des Klubmäzens Dietmar Hopp, sollte animierend auf alle Trainergärtner der Bundesliga wirken: Hier sind nicht Stars geholt worden, sondern Talente entdeckt, gehegt, gepflegt und gefördert worden, die erst an diesem Standort im Grünen zu (sehr gut bezahlten) Klassespielern aufblühten. Ralf Rangnick hat mit Hilfe seines Stabs und seiner Scouts ein modellhaftes Biotop angelegt. Auch in weniger betuchten Klubs sollte das Muster Hoffenheim die Sinne und Blicke dafür schärfen, genauer hinzusehen.

Dass diese TSG aus dem Kraichgau zur Nummer eins in der Bundesliga aufsteigen konnte, hat dazu mit einer Grundvoraussetzung zu tun, die auch Jürgen Klinsmann bei den Bayern zu einer Maxime seines Handelns erhob: Fitness. Diese beiden Mannschaften elektrisierten am Freitag die Massen, weil die Hauptdarsteller bis zum Ende nicht nur spektakulär Fußball spielten, sondern auch rennen und kämpfen konnten.

Keine Verwalter, sondern Umwandler sind am Werk

Aus der Gewissheit, ein hohes Tempo vorgeben und einhalten zu können, erwachsen wie bei den Bayern die Kraft und das Selbstbewusstsein, Rückstände wie gegen Wolfsburg und Hoffenheim in Siege umwandeln zu können.

Auch das dient der Liga als lehrreiches Beispiel. Ergebnisverwalter, wie es die Schalker in besseren Zeiten waren, muten inzwischen altmodisch an. Hoffenheim und die Bayern, aber auch Leverkusen und Wolfsburg gehören zu den Teams, die die Drehzahl der Bundesliga erhöht haben. Schließlich wäre es ja schade, wenn die beiden derzeitigen Spitzenklubs allein auf weiter Flur zu ihren Überholmanövern ansetzten. Die Liga hat noch mehr zu bieten, wenn alle bereit sind, dazuzulernen. Einen besseren Anschauungsunterricht als den vom Freitag könnte es für diesen guten Vorsatz an der Schwelle zum neuen Jahr nicht geben.

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