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Bundesliga-Kommentar : Für immer jung

Jugendlicher Anblick: Jubilar Jupp Heynckes Bild: dpa

Jupp Heynckes hat einen Jungbrunnen gefunden. Es ist der Fußball. Der Trainer des FC Bayern ist nach seinem 1000. Bundesligaspiel noch nicht am Ende angelangt.

          Die Augen, die Stimme, die Körpersprache zeigen es. Jupp Heynckes war vor sechs Jahren ein alter Mann. Heute ist er ein junger Kerl. Wer das gemacht hat? Der Fußball. Die Bundesliga. Sie ist Jupps Jungbrunnen. Anfang 2007, als er nicht mal bei seinem Heimatklub Borussia Mönchengladbach noch gefragt war und sich müde aufs Altenteil zurückzog, war er einer von gestern.

          Heute ist er seiner Zeit voraus. Der Rückruf aus dem Ruhestand im April 2009, als er für den alten Freund Uli Hoeneß bei den Bayern die Scherben der kurzen Ära Klinsmann wegräumte, wurde zum Beginn der erstaunlichsten Spätkarriere in der Geschichte der Bundesliga.

          130 Spiele hat Heynckes seitdem als Trainer in München und Leverkusen erlebt. Er kommt dabei auf eine meisterliche Ausbeute von 275 Punkten. Nur die Meisterschale fehlt ihm noch. Er wird sie gewiss im Mai, 23 Jahre nach seinem letzten Auftritt auf dem Münchner Rathausbalkon, hochheben. Und damit einen Rekord aus den Kindertagen der Liga brechen, deutlich sogar: als der mit 68 Jahren älteste Meistertrainer.

          Seit 1965, als „Fischken“ Multhaup mit 61 Meister mit Bremen wurde, hat keiner über 60 mehr den Titel geholt. Die prägenden Trainer der Bundesliga waren noch nicht so alt, als sie ihre letzte Meisterschaft gewannen: Lattek war 52, Happel 57, Weisweiler 58, Hitzfeld 59, Rehhagel 59. Nach dem Sechzigsten, so die Regel, kommt nicht mehr viel. Bestenfalls eine Ehrenrunde.

          2006 sah Heynckes bei seiner Trennung von der Borussia schlechter aus als heute
          2006 sah Heynckes bei seiner Trennung von der Borussia schlechter aus als heute : Bild: REUTERS

          Bei Heynckes ist es weit mehr als das. Er verbindet eine gereifte Gelassenheit in der Menschenführung, die ihm früher beim Krisenmanagement manchmal abging, mit der jugendlichen „Leidenschaft und Freude am Beruf“, die er vor dem 6:1 gegen Bremen, dem tausendsten Einsatz in der Bundesliga, als Basis seiner Langlebigkeit nannte. Stolz ist Heynckes auf den „revolutionären Fußball“ der Gladbacher, zu dem er Anfang der siebziger Jahre als listiger Torjäger beitrug.

          Als Trainer war er dagegen nie ein Revolutionär, eher ein Evolutionär. Er führte nie die Moderne des Spiels an und wurde dennoch nie so unmodern, wie ihn Rudi Assauer machen wollte, als er Heynckes 2004 vor der Entlassung in Schalke als „Fußballer der alten Schule“ schmähte. Sachlich und souverän hat er auf taktische Entwicklungen reagiert, auf die Dortmunder Dynamik von Jürgen Klopp und auf die eigene Wachablösung durch die Nachfolgeregelung mit Pep Guardiola.

          Nur guter Fußball hält jung

          So ist er der Gegenbeweis für die These, dass man jenseits der 60 nur mit einem Nationalteam Erfolg haben kann - wo man nicht dem hektischen Tagesgeschäft mit fast fünfzig Partien pro Saison unterliegt, sondern nur alle zwei Jahre, bei Welt- und Europameisterschaften, unter Erfolgsdruck steht. Bedeutende Ü-60-Kollegen wie Capello, Trapattoni, del Bosque, van Gaal, Hitzfeld, Scolari, Hodgson bestreiten die Schlussphase ihrer Karrieren als Nationaltrainer.

          Manche wurden rückfällig, wie Otto Rehhagel, der bei der alten Liebe Hertha aber an die Grenzen dessen stieß, was ein 73-Jähriger im Abstiegskampf noch bewegen kann. Heynckes wird klüger sein, er ist in einem Alter, in dem man schlechten Fußball nicht mehr aushält. Nur guter Fußball hält jung.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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          Quelle: F.A.Z.

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