Die Bayern haben es also wieder in der eigenen Hand, Meister zu werden: drei Punkte Rückstand, die bessere Tordifferenz und die Überholmöglichkeit im direkten Titelduell am 11. April in Dortmund. Und natürlich werden die Münchner nicht müde, diesen Umstand schon als Wendepunkt im Meisterschaftskampf 2011/12 zu deklarieren. Aber so weit ist es noch lange nicht. Zwar haben die Dortmunder in den vergangenen Wochen fünf Punkte ihres Vorsprungs eingebüßt - dabei erwecken sie jedoch keineswegs den Eindruck, dass ihnen im Endspurt die Luft ausginge.
Die Borussen spielen und rennen so engagiert wie die ganze Saison über, nur ist der Ertrag nicht mehr optimal. Das kommt einfach vor in einem Spiel mit so vielen Variablen wie Fußball. Wie könnte man das spektakuläre 4:4 gegen den VfB Stuttgart auch als Rückschlag bezeichnen? Eine Stunde lang das Spiel beherrscht, dann einen 2:3-Rückstand dank einer ungeheuren Willensanstrengung binnen weniger Minuten aufgeholt und nur durch einen dummen Fehler um den Sieg gebracht. Dass Hummels und Schmelzer in dieser Szene in der Nachspielzeit sich so ungeschickt anstellten, hat nichts mit dem Druck zu tun, den die Bayern durch ihre letzten Siege oder ihre jüngsten Sprüche heraufbeschwören wollten. Sie hatten - mental und physisch von 90 Minuten Fußballwahnsinn ausgepumpt - kurz den Überblick verloren.
Die Dortmunder zeigen keine grundsätzlichen Schwächen, obwohl die Bayern sie ihnen zuletzt gerne einreden wollten. Wer sich auf Psychospielchen überhaupt einlässt und solche Gedanken dann vielleicht noch als Entschuldigung heranzieht, ist im Profifußball fehl am Platz. Hier zählt nur eines: Die Voraussetzungen für den Erfolg durch eine gute Finanz- und Personalpolitik zu schaffen - und im nächsten Schritt die Ressourcen durch hartes Arbeiten noch aufzuwerten. Dabei gibt es die entscheidende Schnittstelle Trainer. Er muss erreichen, dass die Spieler auch im Ernstfall zeigen, was sie an Talent mitbringen und sich bei ihm antrainiert haben.
An dieser Aufgabe scheiterte Robin Dutt in Leverkusen und musste gehen. Der Meistertrainer in dieser Hinsicht heißt Jürgen Klopp. Der Dortmunder Coach machte aus dem japanischen Zweitligaspieler Kagawa einen Bundesligastar, aus dem Zweitligakämpfer Großkreutz einen Nationalspieler und aus dem Berliner Durchschnittsaußenverteidiger Piszczek den herausragenden Bundesligaprofi auf dieser Position. Klopp hat seine Spieler so von sich überzeugt, dass sie für ihn durchs Feuer gehen.
Aber auch Jupp Heynckes hat im Herbst seiner Trainerkarriere auf diesem Gebiet keine Defizite. Wie er seine Bayern nach der Februar-Krise wieder in die Spur brachte - Respekt. Und so können wir uns auf ein spannendes Bundesligafinale freuen, mit zwei überragenden Mannschaften in Bestform. Das Ende ist offen. Für die Dortmunder sprechen drei Punkte Vorsprung, der Heimvorteil im direkten Duell und die geringere Belastung, weil sie nicht mehr international beschäftigt sind. Die Münchner können auf die individuelle Sonderklasse von Robben und Ribéry setzen sowie auf ihren Mythos. Das scheint im Vergleich noch ein bisschen dünn. Aber warten wir den 11. April ab.
Das BVB- Restprogramm...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 02.04.2012, 13:26 Uhr
na ja, jetzt gewinnen sie eben nicht mehr jedes Spiel, die Dortmunder
Paul Banaschak (paul.banaschak)
- 02.04.2012, 12:31 Uhr