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Bundesliga-Kommentar Entschlossen ins Experiment

 ·  Eine Lösung mit Charme ist das Nürnberger Trainerduo Wiesinger und Reutershahn allemal. Die Doppelspitze nach Leverkusener Art sollte in ihrer fränkischen Variante funktionieren.. Auf die zentrale Frage allerdings gibt es noch keine Antwort.

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© dpa Vergrößern Michael Wiesinger und Armin Reutershahn sollen Dieter Heckings Arbeit fortführen

Die Verantwortlichen des 1. FC Nürnberg hatten es eilig - und das aus gutem Grund. Nicht, weil sie sich die Weihnachtstage frei von Arbeit halten wollten. Sondern, weil die interne Lösung, die sie im Kopf hatten, mit jedem Tag schwächer erschienen wäre.

Es wäre gewesen, wie es immer so ist: Die Namen der üblichen Verdächtigen wären aufgetaucht, von allein oder lanciert, das ohnehin zu Nervosität neigende Nürnberger Umfeld wäre unruhig geworden - und am Ende hätten Michael Wiesinger und Armin Reutershahn womöglich nur noch wie eine Verlegenheitslösung ausgesehen und wären bereits mit angekratzter Autorität zum Trainingsauftakt am 3. Januar erschienen.

Das Kunststück in dieser Situation aber, in der es den abtrünnig gewordenen Dieter Hecking zu ersetzen galt, bestand darin, in einem Moment der Verlegenheit Entschlossenheit zu zeigen. Und das ist dem FCN mit der Bekanntgabe des neuen Trainer-Duos am 24. Dezember, nur zwei Tage nach der Verlustmeldung Heckings, gelungen.

Eine Lösung mit Charme ist es allemal, was besonders an der Personalie Wiesinger liegt. Wer selbst über Jahre das Trikot des „Club“ getragen hat, genießt beim FCN und seinem Anhang besonderen Kredit. Und so könnte es dem mit 40 Jahren noch recht jungen Trainer gelingen, nicht nur der Mannschaft frischen Wind einzuhauchen, sondern obendrein das Publikum wieder mehr mitzunehmen, als das zuletzt unter Hecking der Fall gewesen ist.

Auch die Doppelspitze nach Leverkusener Art sollte in ihrer fränkischen Variante funktionieren: Wiesinger ist nicht der Typ, der zu zwanghafter Profilierung neigt, und auf Reutershahns Loyalität wird er sich verlassen können.

Fußball kompakt: Wiesinger wie Hecking

Auf die zentrale Frage allerdings gibt es noch keine Antwort: Ob Wiesinger, allein oder in Begleitung, das Zeug zur ersten Liga hat, ist die große Unbekannte in der Nürnberger Rechnung. Was auch in der vorläufigen Befristung der Verträge bis zum Ende der Saison seinen Ausdruck findet. Ganz leicht ist die Aufgabe für Wiesinger und Reutershahn nicht.

Der Nürnberger Kader ist in dieser Saison längst nicht mehr so stark wie in vergangenen Jahren, einige der Leitfiguren sind in die Jahre gekommen, und die tabellarische Sicherheit ist auch nur eine relative: weil Fürth und Augsburg am Ende so weit abgeschlagen sind. Was der „Club“ dringend braucht, ist eine verlässliche Perspektive über das Saisonende hinaus. Sein neues Trainergespann aber will er sich erst einmal nur zur Probe leisten.

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27.12.2012, 09:20 Uhr

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