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Bundesliga-Kommentar Eine Frage des Hungers

 ·  Der größte Unterschied, der im Titelkampf zwischen Dortmund und den Bayern deutlich wurde, war der Faktor Gier. So ein Kraftakt aber lässt sich nicht beliebig wiederholen. Dafür braucht die Borussia auf Dauer etwas, was die Münchner besitzen.

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© REUTERS Stay hungry: Dortmund entscheidet das direkte Duell und die Meisterschaft für sich

Und plötzlich ging alles viel schneller als gedacht. Vor dem Gigantengipfel am vergangenen Mittwoch schien das Meisterschaftsduell zwischen Borussia Dortmund und Bayern München noch ziemlich offen, am Samstagabend war es entschieden. Nach dem Derbysieg des BVB „auf“ Schalke und dem 0:0 der Bayern zuhause gegen Mainz beträgt der Vorsprung der Schwarzgelben acht Punkte.

Die Dortmunder müssen, drei Münchner Siege bis zum Saisonabschluss vorausgesetzt, nur noch zweimal Unentschieden spielen, um Meister zu werden. Das sollte ihnen bei den Gegnern Gladbach, Kaiserslautern und Freiburg leicht gelingen, falls die Bayern überhaupt noch so viel Mühe erforderlich machen. Im Moment ist den Münchenern die Liga ziemlich wurscht. Sie konzentrieren sich ganz auf Real Madrid, gegen Mainz schonte Trainer Heynckes gleich fünf Stammkräfte.

Was hat den Ausschlag gegeben für die erfolgreiche Dortmunder Titelverteidigung? Es waren Kleinigkeiten, auch wenn die Kluft zwischen Dortmund und München angesichts der acht Punkte Differenz recht deutlich erscheint. Der größte Unterschied, der deutlich wurde, war der Faktor Gier.

Der Dortmunder Trainer Jürgen Klopp hat diesen Begriff nicht in den Fußball eingebracht, aber keiner seiner Kollegen verwendet ihn so häufig wie er. „Gier auf allerhöchstem Niveau“, forderte Klopp vor dem Schalke-Spiel von seinen Profis, und sie schafften es tatsächlich, sich noch einmal „auszupressen“, wie es Hans-Joachim Watzke, der Vorstand der Dortmunder Geschäftsführung, formulierte.

Bayern kann auch ohne Gier Meister werden

Von den Bayern kennt man weder diese Ausdrucks- noch die Spielweise. Auch in ihren engagiertesten Momenten haben die Bayern nichts von dieser wilden Attitüde, die den Dortmundern eigen ist und mit der sie die Gegner beeindrucken, manche sogar verschrecken.

Die Bayern haben schon zu viel gewonnen, als dass sie noch richtig gierig sein könnten - das gilt für fast alle Profis und die sportliche Führung sowieso. Allein den 19 Jahre alten David Alaba und den 32 Jahre alten Ivica Olic könnte man sich im Borussen-Trikot vorstellen. Aber der Rekordmeister hat soviel Geld, mit dem er sich so viel Klasse kaufen kann, dass er auch ohne Gier jederzeit in der Lage ist, Meister zu werden.

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So weit ist Dortmund noch nicht. Wenn den Borussen nach dem zweiten Titel in Folge das Hungergefühl abhanden kommen sollte, dann werden sie sicher wieder von den Bayern verdrängt werden. „Stay hungry“, (Bleibe hungrig) heißt ein Spielfilmtitel aus den siebziger Jahren. In diesem Streifen spielt Arnold Schwarzenegger in seiner ersten Filmrolle einen Bodybuilder, der auf dem Weg, Mister Universum zu werden, so manche Anfechtung zu überstehen hat.

Stay hungry ist das Erfolgsrezept und eine unmenschliche Forderung in einem. Denn durch Erfolge satt zu werden, ist das natürlichste Gefühl der Welt. Dass es Klopp schaffte, diese Reaktion der Spieler nach dem ersten Titel zu verhindern, macht ihn - ganz abgesehen von seiner hervorragenden Entwicklungsarbeit - zu einem der besten Trainer der Bundesligageschichte. So ein Kraftakt aber lässt sich nicht beliebig wiederholen. Dafür braucht man auf Dauer mehr Substanz: das Geld der Bayern.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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