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Bundesliga-Kommentar Ein Hoch auf die Borussen

28.11.2011 ·  Dortmund und Gladbach sind gerüstet, den Dreikampf mit den Bayern zu bestehen. Die derzeitige Spitzen-Konstellation mutet perfekt an, weil auch noch Fußball gespielt wird, der die Zuschauer bezaubert.

Von Roland Zorn
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© dpa Gladbacher Aufschwung: Nicht nur Uli Hoeneß hat das Gefühl, „dass Borussia Mönchengladbach eine Überraschungsmannschaft werden könnte“

Wenn die einen ihre Paraderolle spielen können und die anderen sich mit dem Part des Statisten bescheiden, kann ein Derby nicht denkwürdig sein. Um im kollektiven Gedächtnis verankert zu werden, fehlte sowohl der westfälischen als auch der rheinischen Begegnung unter rivalisierenden Nachbarn die dramaturgische Balance und damit das spektakuläre Gesamtformat.

Was aber am Freitag in Köln und am Samstag in Dortmund aufgeführt wurde, war die große Borussen-Gala. Einmal in der Mönchengladbacher, einmal in der BVB-Version. Das 3:0 der vom Beinahe-Absteiger zur Spitzenmannschaft mutierten „Fohlen“ beim FC war ebenso eine Vorstellung zum Schwärmen wie das 2:0 des deutschen Meisters über die königsgrauen Schalker. Damit verbunden war eine Botschaft, die über Nordrhein-Westfalen hinausweist: Dortmund und Mönchengladbach sind eine Woche vor ihrem Gipfeltreffen im Borussia-Park gerüstet, den Dreikampf mit dem traditionellen Klassenprimus Bayern München zu bestehen.

Lob aus München für Mönchengladbach

„Borussia Dortmund“, sagte Bayern-Präsident Uli Hoeneß am Samstag im ZDF-“Sportstudio“, „ist der härteste Konkurrent, aber ich habe auch das Gefühl, dass Borussia Mönchengladbach eine Überraschungsmannschaft werden könnte. Trainer Lucien Favre und Sportdirektor Max Eberl machen dort anscheinend einen Superjob.“

Das Lob aus München - die friedliche Adventszeit hat eben begonnen - klang keineswegs vergiftet. Es galt auch der Spitzenqualität in der Bundesliga, der es guttut, nicht allein von den Bayern beherrscht zu werden. Der BVB hat im vergangenen Meisterjahr zumindest national sein eigenes Spiel und seinen eigenen Stil gefunden, dessen genuine Qualität auch unter dem sich abzeichnenden Abschied aus der Champions League nicht nachhaltig gelitten hat. Gelingt es dem Klub und Trainer Klopp auf Dauer, die Dortmunder „Marke“ schwarzgelb leuchten zu lassen, wäre das ein immenser Fortschritt.

Gesucht wird jenseits von München seit langem ein Meister, der nicht unter den Folgen des Titelgewinns zu leiden beginnt. Dortmund überhob sich wirtschaftlich nach den teuer erkauften Triumphen Mitte der neunziger Jahre und 2002, Wolfsburg (2009) und Stuttgart (2007) bekam der wahr gewordene Traum von der Schale schlecht. Allein Werder Bremen zehrte lange von der Meisterschaft 2004, kam den Bayern aber nie mehr nachhaltig in die Quere.

Eine vorweihnachtliche Perspektive

Vielleicht schafft der BVB dieses Kunststück, so dass Deutschland eines Tages nicht nur von einem großen Klub reden müsste. Dann schlösse die Bundesliga zu den anderen großen europäischen Ligen auf mit einem Duopol wie in Spanien (FC Barcelona und Real Madrid) oder mit mehreren großen Vereinen wie in England (Manchester United, Manchester City, FC Arsenal, FC Chelsea, Tottenham Hotspur, FC Liverpool) und Italien (AC Mailand, Inter Mailand, Juventus Turin).

Die derzeitige Konstellation an der Spitze der Bundesliga mutet perfekt an, weil Münchner, Dortmunder und Gladbacher auch noch einen Fußball spielen, der die Zuschauer bezaubert. Nach den vielen unschönen Geschichten der vergangenen Tage eine vorweihnachtliche Perspektive, die nach einer schönen Bescherung im Mai ausschaut.

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