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Bundesliga-Kommentar : Der Bessere ist des Guten Feind

Noch ist er am Ball: Bastian Schweinsteiger Bild: dpa

Irgendwann wird auch der alte Platzhirsch Bastian Schweinsteiger abgelöst. Ob er dann 29, 31, 33 oder 35 Jahre alt sein wird, ist die einzige Frage. Aber sie ist keine drängende.

          Wie langweilig diese Bundesligasaison verläuft, ist aus dem großen Diskussionsthema der vergangenen Woche abzuleiten. Die ehemaligen Nationalspieler Günter Netzer und Olaf Thon eröffneten die Frage, ob Bastian Schweinsteiger zu alt und zu langsam geworden sei, um in der Nationalmannschaft noch eine Führungsrolle auszufüllen. Ach, Gottchen, da könnte man auch die Torwartposition für Manuel Neuer gleich von einer neuen Beschäftigungsmaßnahme abhängig machen, weil der Bayern-Keeper sonst bis zur WM 2014 in Brasilien endgültig eingerostet sein dürfte, nachdem er mittlerweile so gut wie keinen Ball mehr auf sein Tor bekommt.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Sache mit Schweinsteiger ist so einfach: Keiner weiß, wie gut der Lenker und Denker im Mittelfeld in knapp eineinhalb Jahren sein wird, wenn die WM-Endrunde ansteht. Kann er seine gewohnte Form konservieren, die derzeitige ein wenig steigern, dann bleibt er ein unentbehrliches Element des deutschen Spiels. Baut er ab, stehen genügend Alternativen bereit, um ihn zu ersetzen.

          Schweinsteigers Kritiker haben insoweit recht, als seine zehnjährige Profikarriere Spuren an seinem Körper hinterlassen hat. Der 28 Jahre alte Bayer hat die Knochen hingehalten und auch auf die Knochen bekommen. Aber er hat bis jetzt die vielen Verletzungen immer wieder überwunden, und er hat immer wieder bewiesen, dass er zu den besten Mittelfeldspielern der Welt zählt.

          Dass er jetzt dazu neige, das Spiel nur noch aus der eigenen Hälfte zu gestalten, dass er es mit den Querpässen übertreibe (Netzer), dass den langsam gewordenen Schweinsteiger spätestens nach der WM 2014 ein Schicksal wie Michael Ballack erwarte und er vom Bundestrainer aussortiert werde, (Thon) sind Äußerungen, die im Fall Netzers einer Überprüfung nicht standhalten und in Fall Thons eine respektlose Unterstellung darstellen. Denn wenn Schweinsteiger in Brasilien so überragend aufspielt wie vor drei Jahren in Südafrika, wieso sollte ihn Joachim Löw oder dessen Nachfolger dann aufs Altenteil befördern - im Alter von knapp 30 Jahren? Und was spricht dagegen, falls der Bayer verletzungsfrei bleibt und eine gute WM-Vorbereitung genießt?

          Ablösung mit 29, 31, 33 oder 35 Jahren?

          Die Leistung wird über die zukünftige Besetzung im defensiven deutschen Mittelfeld entscheiden. Der Bessere ist des Guten Feind. Und mittlerweile tummeln sich sehr viele, sehr gute und zudem junge Spieler im Mittelfeld. Der Dortmunder Gündogan ist dazu gekommen, die Bender-Zwillinge sind schon länger da, Khedira sowieso, Kroos kann ebenfalls auf dieser Position spielen und wer weiß, wer sich im nächsten Jahr noch in den Vordergund drängt. Schweinsteigers Bonus ist die Erfahrung, der Vorteil der Jugend ist der Energieüberschuss, der auch irgendwann einmal zur Ablösung des alten Platzhirschen führen wird.

          Ob er dann 29, 31, 33 oder 35 Jahre alt sein wird, ist die einzige Frage. Aber sie ist keine drängende. Wenn es dann mit dem Generationswechsel so weit ist, wird es ohnehin nicht so ein Getöse geben wie bei Ballack. Denn im Gegensatz zum Sachsen bildete Schweinsteiger nie eine einsame (Welt-)Klasse in der Nationalmannschaft. Und die Neigung zu einer übersteigerten Selbsteinschätzung ist ihm auch nicht eigen. Dass Schweinsteiger dennoch scharf auf die Kritik reagierte, ist nur menschlich. Sie hätte ruhig einen Anlass haben können.

          Quelle: F.A.Z.

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