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Bundesliga-Kommentar Das Fußball-Prekariat kommt aus dem Osten

03.09.2007 ·  Erfolg lässt sich im Fußball kaufen, aber nicht von allen. Cottbus liegt nach vier Spieltagen auf Rang 17, Rostock ist mit null Punkten Letzter. Eine Überraschung ist das nicht, meint Michael Horeni.

Von Michael Horeni
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Dass sich Hans Meyer, der wohl kein Bundesliga-Wochenende mehr ohne wenigstens eine medienwirksame Präsentation seines Humors absolvieren kann, auch ein tiefes Verständnis für die Fußball-Seelen im Osten bewahrt hat, ist in Cottbus auf dessen ganz typische Weise deutlich geworden. Der einzige real existierende Dialektiker des deutschen Profifußballs sprach nach dem Abpfiff über den zu Unrecht aberkannten Treffer für sein Team kurz vor Schluss, der dem 1. FC Nürnberg ansonsten einen 2:1-Sieg in der Lausitz beschert hätte. Meyer klagte nicht.

Er erinnerte stattdessen an das weitverbreitete Gefühl der Fans zwischen Ostsee und Erzgebirge, dass ihren Klubs nach der Wende immer wieder übel mitgespielt worden sei – und dass nun mit dieser Fehlentscheidung auch mal ein kleines Zeichen in die andere Richtung gesetzt worden sei.

Mehr war nicht drin

Aber auch die freundliche Unterstützung des Schiedsrichters in Cottbus hat an der Lage der beiden Klubs aus dem Osten nach vier Spieltagen nichts Entscheidendes ändern können: Energie Cottbus liegt mit zwei Pünktchen auf Rang 17, Aufsteiger Hansa Rostock ist mit vier Niederlagen, null Punkten und 1:7 Toren Letzter – und scheint damit schon nach einem Monat fast wieder auf dem direkten Weg zurück in die zweite Liga.

Eine Überraschung ist das alles nicht. Cottbus hat seine beiden erfolgreichsten Spieler der Vorsaison, das Torjägerduo Radu und Munteanu, für knapp vier Millionen Euro verkaufen müssen. Mit etwas mehr als der Hälfte des Geldes hat der Klub für diese Spielzeit nur namenlos in die Breite investieren können. Mehr war nicht drin. Aufsteiger Rostock klammerte nach drei Niederlagen gegen Dortmund seine größte Hoffnung an die Rückkehr von Victor Agali, der zuletzt in der türkischen Provinz unter Vertrag gestanden hatte. Vergeblich.

Glück lässt sich im Fußball kaufen

Der 28 Jahre alte Stürmer kostete übrigens, so wie fast alle anderen neuen Spieler der Rostocker auch, keinen einzigen Euro an Ablöse. Agali belebte bei seinem Comeback im Norden zwar das Spiel von Hansa, ein Treffer war ihm jedoch nicht vergönnt. Ein Kopfball landete erst am linken und dann am rechten Pfosten – und da ein Schuss von Kern auch noch an die Latte ging, stellte der Rostocker Kapitän Beinlich treffend fest: „Das ist das Glück, das man als Letzter hat.“

Glück lässt sich im Fußball kaufen, aber eben nicht von allen. Und so kommt das Profi-Prekariat des deutschen Fußballs auch nach bald siebzehn Jahren Einheit verlässlich aus dem Osten. Auch in der zweiten Liga gibt es für Erzgebirge Aue und Carl Zeiss Jena gegen eine Übermacht aus dem Westen auf lange Sicht keine ernsthafte Aufstiegsperspektive. Die ganze Kraft geht dafür drauf, wenigstens den zweitklassigen Status zu bewahren.

Wie anregend wäre es da angesichts der zementierten Fußball-Teilung, wenn das ehrgeizigste Projekt im hochbezahlten deutschen Fußball derzeit nicht im Kraichgau auf den Weg gebracht würde, sondern, sagen wir mal, im Erzgebirge. In dieser Woche aber hat der Reißbrett-Zweitligaklub 1899 Hoffenheim des hochambitionierten SAP-Gründers Hopp vier ausländische Jungstars für sagenhafte zwanzig Millionen Euro verpflichtet. Das sind Dimensionen aus dem Silicon Valley des deutschen Fußballs, vor denen auf Dauer nicht nur Klubs aus dem Osten kapitulieren werden – aber diese ausgedünnte Fußballregion wird es härter als alle anderen treffen.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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