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Bundesliga-Kommentar Bayerischer Wackelpudding

24.08.2009 ·  Ist die Fußball-Bundesliga so stark, oder sind die Bayern so schwach? Bei der Niederlage in Mainz wurden die Münchner nochmal Opfer des Klinsmann-Stils. Für die meisten Probleme kann der neue Trainer van Gaal nichts. Dennoch: Die Liga ist bunt, nur der FC Bayern in dieser Saison früh ergraut.

Von Christian Eichler
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Ist die Liga so stark, oder sind die Bayern so schwach? Die Konkurrenten Magath und Veh haben die Vormacht des Rekordmeisters angezweifelt. Früher waren solche Wortgefechte und Psychospiele eine Münchner Domäne. Nun funktionieren die Reflexe nicht mehr. Nicht die Profis reagierten giftig, nur der Vorstandsvorsitzende: „Neid ist das Rezept der Mittelmäßigen.“

Zwei Tage später musste er in Mainz die mittelmäßigsten Bayern seit Jahren sehen (siehe auch: 1:2 in Mainz: Bayern München stürzt ab). Das kann sich im Fußball zwar schnell ändern. Die Bayern sind um so vieles reicher, ihre Spieler um so vieles teurer als der Rest der Liga, dass Siege unausweichlich bleiben. Aber die anderen sind besser geworden, das heißt: frecher, mutiger. Und hier ist der Name Klinsmann, zuletzt der Watschenmann für alles, was schieflief bei den Bayern, einmal in anderem Zusammenhang angebracht. Im Nationalteam hat er ja einiges richtig gemacht, vor allem hat er im deutschen Fußball, nur um daran mal zu erinnern, eine neue Bereitschaft zu mutigem, dominantem Spiel erweckt (oder eine alte wiedererweckt).

Diesen Stilwandel setzen junge Trainer in der Liga fort. Das kann danebengehen wie derzeit in Freiburg oder Nürnberg, weil dort nur die Spielanlage erstligatauglich ist, aber nicht der Torabschluss. Es kann aber auch wunderbar gelingen wie am Samstag in Mainz, wo ein frischer Trainer und seine Aufsteigertruppe ein Team vom zehnfachen Marktwert eine Halbzeit lang einfach an die Wand spielten. So wurden die Bayern, obwohl sie den Schuldigen längst entlassen hatten, noch einmal Opfer des Klinsmann-Stils.

„Ich handle nie gegen den Willen eines Spielers“

Nun bekommen sie es um die Ohren: dass sie seit 43 Jahren nicht mehr so schlecht gestartet sind; dass sogar Klinsmann nach drei Spieltagen schon fünf Punkte hatte, nicht zwei (siehe auch: Nach dem 1:2 in Mainz: Bayern bemüht sich um Gelassenheit). Louis van Gaal, der seit seiner Entlassung in Barcelona vor sechseinhalb Jahren den Erfolgsdruck großer Klubs nicht mehr kannte, wirkt irritiert und ohne Linie. Das 4-4-2-System mit Raute, das er für Ribéry einführte, bis der nach nur dreißig Spielminuten seinen Widerwillen erklärte, ließ er, obwohl ohne Ribéry, nun wieder fallen - für ein 4-5-1 mit zwei defensiven Mittelfeldspielern, das die schwächste Bundesliga-Halbzeit der Bayern seit Jahren produzierte. Zur Pause wechselte er zum 4-3-3 seiner Heimat, das mangels Flügelstürmern auch nichts mehr retten konnte.

Für die meisten Probleme kann der Trainer nichts. Für die Verletzungen von Ribéry oder van Bommel. Für Einkäufe, die nicht passen, wie Timoschtschuk. Für Abgänge, die weh tun, wie Zé Roberto. Aber er hat Lucio weggeschickt, Badstuber aus dem B-Team geholt, Rensing ins Tor gestellt - und so die Defensive in einen Wackelpudding verwandelt. Und die beiden, die van Gaal aus der niederländischen Liga holte, Braafheid und Pranjic, haben bisher nicht gezeigt, warum.

Van Gaal vor vier Wochen: „Bei mir tun die Spieler, was ich will.“ Van Gaal vor vier Tagen: „Ich handle nie gegen den Willen eines Spielers.“ Selbst die Kleiderordnung zeigt den Wankelmut. Erst saß er mit Bayern-Trikot auf der Bank, optisch nah bei den Spielern; nun, in Mainz, im grauen Anzug, ein Abbild der Klubbosse. Die Liga ist bunt, nur der FC Bayern in dieser Saison früh ergraut.

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