Selten hat ein einzelnes Bundesligaspiel in den vergangenen Jahren so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie diese Begegnung am Mittwoch zwischen Borussia Dortmund und Bayern München. Und das mit Recht. Diese Auseinandersetzung ist mehr als das Treffen der beiden besten Fußballmannschaften Deutschlands.
Erstmals seit langer Zeit macht ein Klub den Bayern die Vormachtstellung ernsthaft streitig. Wurde in der vergangenen Dekade ein anderer Verein als die Bayern Meister, dann nur von Münchner Gnaden. Dann hatte der große FCB seine überragenden Fähigkeiten eben nicht umgesetzt, entweder weil die Spieler nicht mehr hungrig genug waren oder weil die Trainer ihre Profis nicht mehr geschlossen hinter sich scharen konnten - wie bei Jürgen Klinsmann oder Louis van Gaal geschehen.
Diesmal aber haben die Bayern keinen substantiellen Vorteil, sie sind nicht besser als die Dortmunder. Man muss sich an den Gedanken gewöhnen, dass die Dortmunder ebenfalls einen Fußball der Extraklasse spielen, auch wenn ihre Namen noch nicht ganz so klangvoll sind wie die der Bayern. Wenn die Dortmunder am Mittwoch gewinnen sollten, dann werden sie zum zweiten Mal in Folge den Titel holen, weil sie die beste Mannschaft waren, und nicht, weil sie das Glück hatten, auf schwächelnde Bayern zu treffen.
Die Statistiken belegen das. Als die Bayern das letzte Mal ein Titelrennen dominierten, 2007/08, wurden sie mit 76 Punkten Meister - zehn Punkte vor Werder Bremen; nach 29 Spieltagen dieser Saison stehen sie bei 63 Zählern. Als die Bayern zum bisher letzten Mal Meister wurden, 2009/2010, beließen sie es bei gerade mal 66 Punkten.
Die Borussen dagegen holten in der Spielzeit darauf mit 75 Punkten den Titel - zehn Punkte vor Leverkusen; sie standen vor genau einem Jahr am 29. Spieltag bei 66 Punkten, genau so vielen wie heute. Mehr Konstanz auf Spitzenniveau geht nicht. Die Frage ist nicht mehr, ob Dortmund zu Recht dort oben steht, sondern eher, ob die Bayern den Überholvorgang noch einmal kontern können. Bei drei Punkten Rückstand müssen sie kräftig aufs Gas drücken.
Nach 23 Spielen ohne Niederlage (18 Siege und fünf Unentschieden) spielen die Borussen zumindest in der Bayern-Liga. Zum Rest der Bundesliga klafft eine Lücke. Verhältnisse wie in der spanischen Primera Division, wo Real Madrid und der FC Barcelona unantastbar sind, zeichnen sich dennoch nicht ab. Der Segen der Zentralvermarktung lässt die Unterschiede nicht so eklatant werden wie in einem Land, in dem für die kleinen Vereine nur die Reste bleiben.
In Spanien liegen zwischen dem Zweiten, Barcelona, und dem Dritten, Valencia, 26 Punkte. Valencia trennen vom Letzten, Gijon, jedoch 24 Zähler. In Deutschland sind es neun Punkte zwischen den Bayern und Schalke beziehungsweise 37 zwischen Schalke und Kaiserslautern. Es wird also auch in Zukunft Meister geben, die nicht Dortmund oder Bayern heißen. Aber sie müssen jetzt schon darauf hoffen, dass gleich zwei Klubs ihre überlegene Qualität nicht nutzen.
Ball flachhalten...
Peter Bond (Froanz)
- 11.04.2012, 16:39 Uhr
Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, ....
Paul Banaschak (paul.banaschak)
- 11.04.2012, 15:48 Uhr
Leider leicht verzählt...
Hans-Werner Martin (Libuda1966)
- 11.04.2012, 15:47 Uhr