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Bundesliga-Kommentar Amerika, du hast es gut

Der Fußball-Bundesliga droht die langweiligste Rückrunde ihrer Geschichte. Die wichtigsten Entscheidungen scheinen schon festzustehen. Das kann in den amerikanischen Ligen nicht passieren.

© dpa Vergrößern Jubel, Trubel, Langeweile - die Bayern dominieren die Bundesliga

Die Bayern sind eine Plage. Das ist keine Klage. Sondern eine Gratulation. Leider sind Gratulationen, die schon drei Monate vor Ende einer Saison erfolgen, kein gutes Zeugnis für den Unterhaltungswert. Der Bundesliga droht die langweiligste Rückrunde ihrer Geschichte. Der Meistertitel ist bei 15 Punkten Vorsprung vor den letzten 13 Spielen praktisch vergeben.

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Dazu kommt ein Abstiegskampf, der sich wohl nur noch um die Frage dreht, wer den Relegationsplatz erreicht - und damit ein Programmangebot, in dem es von Rosenmontag bis Pfingsten wie in einem Film mit Überlänge, dessen Ende man kennt, nur noch um die kleinen Spannungsbögen von Nebenhandlungen geht. Also um Fragen wie die, wer die Plätze in der Champions und Europa League bekommt.

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Eine Plage sind die Bayern, weil sie nichts zulassen. Das ist eine defensive Tugend, nicht nur auf dem Spielfeld. Sie lassen beim Gegner nichts zu, aber auch nichts im eigenen Kader. So viel Harmonie war nie. Spekulative Medien, die davon leben, Disharmonie aufzuspüren oder aufzuschäumen, müssen sehr kreativ beim Interpretieren von Spielerzitaten oder Körpersprache sein.

Denn ebenso kreativ ist Jupp Heynckes darin, seine Leute bei Laune zu halten. So auch am Samstag, als er sechs zuletzt tatenlosen Profis Einsätze beim Schaulaufen gegen Schalke gab. Von schleichender Entmachtung des scheidenden Trainers ist nichts zu sehen. Er strahlt genau die „Autorität“ aus, die er dem Spiel seines Teams beim 4:0 bescheinigte.

Kaum noch Spannung in der Bundesliga

Wer dominante Brillanz sehen will, kommt auf seine Kosten. Wer spannende Konkurrenz mag, nicht. Natürlich musste es irgendwann wieder so kommen. Der Dortmunder Klub-Chef Hans-Joachim Watzke hat selbst in den beiden Meisterjahren der Borussen behauptet, jeder andere kämpfe „nur um Platz zwei, wenn die Bayern eine gute Saison spielen“.

Nun spielen sie eine sehr gute. So kann der neutrale Fan für Spannungsmomente nur noch auf Pokal und Champions League hoffen - und an langweiligen Liga-Tagen grübeln, warum das Fußballsystem eine solche Möglichkeit überhaupt zulässt: dass ein Vierteljahr vor Saisonende kaum noch Spannung bestehen kann.

Krasse Beherrschung der drei größten Ligen

Der Mann, der die Bayern in diese Position gebracht hat, Uli Hoeneß, holte sich seine für die Bundesliga bahnbrechenden Ideen der Vermarktung vor dreißig Jahren in den Vereinigten Staaten. Dort aber gibt es, bei aller kapitalistischen Perfektion, zugleich eine sozialistische Note, die verhindert, dass sich aus wirtschaftlichem Erfolg eine sportliche Vorhersehbarkeit begründen lässt - so, wie das derzeit im europäischen Fußball immer deutlicher wird, mit der aktuell krassen Beherrschung der drei größten Ligen durch Barcelona, Manchester United und Bayern.

Es gibt in den amerikanischen Ligen keine sich selbst erhaltenden, durch den Doppelpass von sportlichem und ökonomischem Erfolg zementierten Dynastien wie die der Bayern. Es wird verhindert durch Konkurrenz und Spannung erhaltende Instrumente wie das Draft-System bei der Verteilung der größten Talente, die Obergrenze für Gehaltsbudgets und den Play-off-Modus. Dort steht der Champion immer erst am letzten Spieltag fest. Auf den deutschen Fußball ist das nicht übertragbar. Doch stehen ihm drei Monate bevor, in denen man die Amerikaner beneiden darf.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 10.02.2013, 18:48 Uhr

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