Home
http://www.faz.net/-gtn-tow5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Bundesliga-Kommentar Abrechnung vor Weihnachten

17.12.2006 ·  In der Liga ist kurz vor dem Jahreswechsel die Zeit der Bilanzen gekommen. Es gehört dabei zur Ironie des WM-Jahres, daß mit Doll und Klopp zwei Trainer, die im Sommer als große Hoffnung galten, mit ihren Teams erhebliche Probleme haben. Von Michael Horeni.

Von Michael Horeni
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Was hat das letzte Fußball-Wochenende des Jahres gebracht? Am Samstag zunächst einmal eine Million Euro für einen guten Zweck - soviel ist jedenfalls einem Energiekonzern der Zettel wert, den Torwarttrainer Andreas Köpke vor dem Elfmeterschießen gegen Argentinien Jens Lehmann zugesteckt hat. Das gute, wenngleich ziemlich zerknitterte Stück mit den Namen der argentinischen Schützen und ihren Zielen ("oben rechts", "unten links") kommt nun im Haus der Geschichte in Bonn zu musealen Ehren.

An diesem Spendenvorgang mit vielen Kindern als Gewinnern zeigt sich zum einen, daß die gewaltigen Einnahmen der deutschen Energiemonopolisten ziemlich eigenartige Folgen zeitigen können und daß sich andererseits auch die Nebenkostenabrechnung der Fußball-Weltmeisterschaft in irrationalen Höhen bewegt.

Es wäre ein Wunder

In der Liga ist kurz vor Weihnachten - und selbst wenn vor dem Fest noch eine Pokalrunde auf dem Programm steht - dagegen die Zeit der ganz rationalen Abrechnungen und kühlen Halbjahresbilanzen mit dem Schlußpfiff der Vorrunde gekommen. Es gehört dabei zur Ironie des WM-Jahres, daß ausgerechnet mit Thomas Doll und Jürgen Klopp zwei Trainer, die als besonders große Hoffnung auf dem ausgedünnten deutschen Trainermarkt gelten, den Anschluß an die erste Klasse mit ihren Mannschaften schon fast verloren haben.

Es wäre ein Fußball-Wunder, wenn der unglaubliche Absturz des Hamburger SV aus der Champions League an den Rand der Zweitklassigkeit in den kommenden Tagen die Verantwortung des Trainers in dieser existentiellen Frage ausklammerte. Nach den langen Wochen und Monaten des geschenkten und immer wieder erneuerten Vertrauens für Doll wäre das auch für Anhänger kontinuierlicher Arbeit nicht unbedingt ein wünschenswertes Wunder.

Frage der Verantwortung

"Mit nur 13 Punkten steht man als Trainer an der Spitze der Misere", sagte Doll ganz realistisch zu einem in den vergangenen Jahren in der Bundesliga beispiellosen Niedergang, der in Aachen mit einem Hamburger Eigentor zum 3:3 in der Schlußminute seinen letzten dramatischen Höhepunkt erlebte. Wie die Frage der Verantwortung zu beantworten ist, hat die Bundesliga zwar schon über hundertmal vorgemacht, aber selten ist sie selbst in so trostloser Lage noch immer mit so viel Wehmut bei Fans und Vorstand verbunden wie im Fall von Doll. Der Abschied eines fachlich geschätzten Lieblings steht wohl bevor, und erste Namen für seine Nachfolge kursieren schon. Nur ein einziger Sieg in der Vorrunde und der große Name als einziges noch niemals abgestiegenes Bundesliga-Gründungsmitglied fordern die Anerkennung der Wirklichkeit und damit ihren Tribut.

Die Lage in Mainz ist sportlich zwar noch aussichtsloser, aber wer mit weniger Tradition und einem weit bescheideneren Etat leben muß, kann sich noch unzeitgemäße Unternehmensentscheidungen erlauben. Aber auch diese Freiheit hat, wie sich beim Freiburger Modell des Volker Finke in diesen Tagen zeigte, ihre eigenen Grenzen. Klopp gilt in Mainz noch immer als unersetzlich, und das ist nach seinen Erfolgen der vergangenen Jahre ein redlich verdienter Kredit.

Es ist in beiden Fällen ein nicht geringer Fortschritt, daß Klopps und Dolls Qualitäten innerhalb der Liga und in den Medien auch nach düsteren Bilanzen nicht grundsätzlich in Zweifel gezogen werden, so wie das vor einigen Jahren noch "Fußball-Professor" Rangnick widerfuhr. Mit Doll und Klopp sind in der Vorrunde ganz einfach zwei Trainer mit ihren Teams gescheitert - aber nicht mehr Trainer mit neuen Systemen. Das ist ein Zeichen von Normalität, das der Bundesliga nur guttun kann.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

Jüngste Beiträge

Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   34  55   81 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   34  55   73 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   34  30   64 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   34  25   60 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   34  8   54 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   34  17   53 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   34  -4   48 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   34  -13   44 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   34  -9   42 Gleichheit zur Vorwoche
10.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   34  -11   42 Gleichheit zur Vorwoche
11.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   34  -6   41 Gleichheit zur Vorwoche
12.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   34  -16   40 Gleichheit zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   34  -4   39 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   34  -13   38 Verbesserung zur Vorwoche
15.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   34  -22   36 Verschlechterung zur Vorwoche
16.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   34  -26   31 Verbesserung zur Vorwoche
17.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   34  -36   30 Verschlechterung zur Vorwoche
18.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   34  -30   23 Gleichheit zur Vorwoche
Ergebnisse, Tabellen und Statistik