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Bundesliga-Kommentar Abgang durch die Hintertür

21.08.2006 ·  Klose und Hargreaves haben eines gemeinsam: sie reden offen über ihre Wechselpläne. Anders bei Bouhlarouz: der Holländer verabschiedete sich still und leise und läßt den HSV im Regen stehen. Ein Kommentar von Roland Zorn.

Von Roland Zorn
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Auf ein Wort aus München ist immer noch Verlaß. Zumal, wenn es aus dem Mund von Uli Hoeneß, dem Manager des FC Bayern, kommt. Hoeneß hat jetzt schon angekündigt, daß sich der deutsche Rekordmeister um den besten deutschen Angreifer bemühen wolle, „wenn Miro nächstes Jahr auf dem Markt ist“. Das scheint möglich, obwohl der auch in dieser jungen Bundesliga-Saison schon wieder überragende Klose noch bis 2008 an Werder Bremen gebunden ist.

Wechselgeld gäbe es für die Norddeutschen nur noch im kommenden Sommer, und so plaudert der beste Torschütze der vergangenen Weltmeisterschaft ein offenes Geheimnis aus, wenn er dieser Tage feststellt: „Ich gehe davon aus, daß mir Werder bei einem Topangebot 2007 keine Steine in den Weg legen würde.“ Klose fühlt sich in Bremen vollkommen wohl, und die Beziehung zu seinem Klub und den Werder-Hauptpersonen Thomas Schaaf und Klaus Allofs gilt als völlig intakt. Da Miroslav Klose dazu eine ehrliche Haut ist, gelten seine Zukunftspläne heute schon als transparent: Am liebsten ginge er nach einem weiteren großen Jahr in Bremen ins Ausland - die Bayern könnten eine Zusatzoption sein.

Mehr Offenheit

Es wäre, der eigenen Glaubwürdigkeit gegenüber dem Fan zuliebe, wünschenswert, wenn auch anderswo grundsätzlich mehr Offenheit in Personalfragen herrschte. So wie bei den Bayern, die den englischen Nationalspieler Owen Hargreaves trotz aller lukrativen Werbeangebote von Manchester United selbst behalten wollen. Die Münchner haben Hargreaves bis 2010 unter Vertrag genommen, sehen ihn als zentralen Mittelfeldspieler beim Aufbau einer neuen, europaweit hochgeschätzten Mannschaft und lassen sich auch durch Offerten von angeblich 25 Millionen Euro Ablöse nicht beirren. Das nennt man eine stolze Haltung, die allerdings auch gefestigt wird durch eine überaus positive Kassenlage.

Daß der Hamburger SV wirtschaftlich ähnlich gut dastünde wie die Bayern, hat noch niemand allen Ernstes behauptet. Und deshalb ist es auch verständlich, daß die Saisonaufsteiger der vorigen Spielzeit ihr Preis-Leistungs-Verhältnis nach anderen Vorgaben als in München zu finden haben. Der hastige und auf den ersten Blick lohnend anmutende Verkauf des Abwehrspielers Khalid Bouhlarouz an den englischen Meister FC Chelsea bestätigt aber die in letzter Zeit aufgekommenen Zweifel an der Stringenz der Hamburger Personalpolitik.

Ausverkauf in Hamburg

Fast alle Führungsspieler des letzten Jahrgangs sind nun weg: Barbarez überzeugt inzwischen in Leverkusen, Beinlich soll Rostock zurück in die Erstklassigkeit führen, van Buyten war dem FC Bayern eine Ablösesumme von zehn Millionen Euro wert - und nun ist auch Bouhlarouz für vermutlich noch mehr Geld gegangen. Zurück bleibt ein Klub, der fieberhaft nach Ersatz fahndet und mit menschlichen Spekulationsobjekten kurz entschlossen wie an der Börse zu handeln scheint. So aber wird die Bindung an den Fan und Konsumenten nicht gerade gestärkt.

Eben erst hatte derselbe Boulahrouz, der sich nun quasi durch den Hinterausgang der AOL Arena verabschiedet hat, seinen Kontrakt mit dem HSV bis zum 30. Juni 2010 verlängert. Der niederländische Nationalspieler schien eine Säule der Hamburger auf dem Weg zurück in die Champions League, der nun ohne ihn und einen adäquaten Ersatz am morgigen Dienstag in Pamplona jäh enden könnte. Ginge es danach in den Uefa-Pokalwettbewerb, hätte der HSV viel von dem Geld wieder eingebüßt, das Bouhlarouz' Transfer eben eingespielt hat.

Wer immer in Hamburg nach der vergangenen Saison an den kontinuierlichen Aufbau eines neuen, international starken Teams geglaubt hat, sieht sich fürs erste getäuscht. Vorausgesetzt, es spielten nicht auch andere Gründe für den Weiterverkauf des Holländers eine gewichtige Rolle, wird es dem HSV nicht leichtfallen, Kredit beim Publikum zurückzuerobern. Die Fans nämlich begreifen ihren Hamburger SV immer noch zuerst als Herzenssache - und nicht vor allem als reinen Wirtschaftsbetrieb.

Quelle: F.A.Z., 21.08.2006, Nr. 193 / Seite 23
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