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1. FC Köln in der Krise : „Das ist brutal“

  • Aktualisiert am

Der 1. FC Köln verliert auch beim VfB Stuttgart – Kölns Spieler Lehmann und Klünter können es kaum fassen. Bild: Picture-Alliance

Die sportliche Krise des 1. FC Köln wird immer schlimmer. Beim VfB Stuttgart verliert der Tabellenletzte spät – zudem hat es abermals kuriose Szenen um den Videobeweis gegeben.

          Selbst der Videobeweis brachte dem krisengeplagten 1. FC Köln nichts als falsche Hoffnung. Die ganze Tragik der prekären Lage des FC verdeutlichte diese eine Szene kurz vor Schluss, als Schiedsrichter Benjamin Cortus den Gästen beim Stand von 1:1 in Stuttgart am Freitagabend einen Elfmeter zusprach. „Ich hatte in dem Moment 100 Glücksgefühle in meinem Körper“, sagte Kölns Abwehrspieler Dominique Heintz im Anschluss. Doch wie schon so oft in dieser Spielzeit wurde der Tabellenletzte wenig später brutal aus allen Träumen gerissen. „Das war das schlimmste Gefühl“, sagte Heintz.

          Nach minutenlangem Hin und Her und Headset-Beratungen mit dem Video-Schiedsrichter nahm Cortus seine Entscheidung zurück. Praktisch mit dem Schlusspfiff gelang dem VfB durch Chadrac Akolo dann noch der Siegtreffer zum 2:1. Die Stuttgarter versetzte das in kollektiven Jubel. Den FC brachte der grausame K.o. an den Rand der Verzweiflung. Mit lediglich einem Punkt und einer Tordifferenz von Minus 14 sind die Kölner nun das schlechteste Team in der Geschichte der Fußball-Bundesliga nach acht Spieltagen.

          „Das ist brutal. Die Kölner können einem Leid tun, die erwischt es dieses Jahr bitterböse“, sagte Stuttgarts Holger Badstuber. Die Kölner selbst haderten kaum noch mit ihrem nur schwer greifbaren Unglück. Stattdessen schossen sie sich auf die ebenfalls kaum greifbare Regelauslegung von Schiedsrichter Cortus ein. Diese sei „schon skurril“, sagte Kölns sichtlich angefressener Manager Jörg Schmadtke, der sich in bittere Ironie flüchtete. „Aber wahrscheinlich wird's dafür auch 'ne Erklärung geben. Aber die kenne ich nicht.“

          Kölns Geschäftsführer Jörg Schmadtke im Stuttgarter Stadion. Bilderstrecke
          Kölns Geschäftsführer Jörg Schmadtke im Stuttgarter Stadion. :

          Tatsächlich lassen sich die Gründe, die Cortus zu seiner Entscheidung führten, nur schwerlich vermuten. Ausgangssituation war in der 89. Minute ein Kontakt im Stuttgarter Strafraum zwischen VfB-Verteidiger Dennis Aogo und FC-Stürmer Sehrou Guirassy. Allerdings begeht in dieser Szene wenn überhaupt Guirassy ein Foul an Aogo, Cortus jedoch zeigt sofort auf den Punkt.

          Danach folgen teils wilde Momente. Der Unparteiische wird von empörten Stuttgarter Spielern umzingelt, berät sich darauf mit Video-Referee Harm Osmers in Köln, der aber wohl ebenfalls keine klare Entscheidung treffen mag. Also eilt Cortus selbst zu einem Bildschirm am Spielfeldrand - und nimmt seine Entscheidung anschließend zurück.

          Ob angesichts solcher Bilder der Videobeweis überhaupt Sinn mache, wird Schmadtke später gefragt. „Ich glaube, dafür bin ich im Moment der falsche Ansprechpartner“, antwortet der 53-Jährige verbittert. Und Kölns enttäuschter Trainer Peter Stöger hatte später gar „keine Lust mehr, darüber zu reden“. Trotz des abermaligen Tiefschlags waren beim Österreicher aber auch in der Nacht zu Samstag keine Anzeichen von Resignation zu spüren. „Ich verzweifel net, mir tun die Spieler ganz einfach leid“, sagte Stöger.

          Denn wie schon in vielen vorangegangenen Spielen hatten seine Akteure vor allem im ersten Durchgang zahlreiche Chancen herausgespielt, aber mal wieder nicht verwertet. Die fast schon logische Konsequenz war die Führung des VfB durch den starken Anastasios Donis (38. Minute). Abwehrspieler Heintz gelang mit einem herrlichen Distanzschuss eine Viertelstunde vor Schluss zwar noch der zwischenzeitliche Ausgleich. Doch dann folgte die für den FC bittere Schlussphase, die auch Stöger zu einer nüchternen Analyse verleitet: „Psychologisch ist das natürlich schwierig, weil auch klar ist mittlerweile, dass du über einen längeren Zeitraum unten festsitzen wirst.“

          Quelle: dpa

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