Mit Nervosität hat Laura Wontorra nicht zu kämpfen, schon eher mit ihren Schuhen. „Ich komme da nicht rein“, schnauft sie und entschließt sich dann doch, eines ihrer vier Paar Socken auszuziehen - trotz der Kälte da draußen. Es bleibt das einzige Problem der jungen Reporterin an diesem Abend. Laura Wontorra ist mit dem Team des Pay-TV-Senders Sky unterwegs. Es ist Montag, Topspiel in der zweiten Fußball-Bundesliga, Köln gegen Braunschweig.
Seit dieser Saison setzt Sky montags ganz auf weiblichen Charme: Laura, die Tochter des Sportjournalisten Jörg Wontorra, und Ruth Hofmann führen am Spielfeldrand Interviews, Esther Sedlaczek moderiert. Eine Neuheit im deutschen Fernsehen, an die sich die Protagonistinnen längst gewöhnt haben. „Am Anfang war ich natürlich ein bisschen nervös“, sagt Ruth Hofmann, die wie Laura Wontorra beim Münchner Sender volontiert. „Aber mittlerweile geht es. Und eine gewisse Anspannung muss ja auch da sein.“
Während der Übertragung ist davon jedoch nichts zu spüren, das Trio hat alles im Griff - und in der Regie ist man zufrieden. Als Laura Wontorra das Kölner Vorstandsmitglied Toni Schumacher interviewt und der ehemalige Nationaltorhüter - sichtlich angetan vom Selbstbewusstsein und der Schlagfertigkeit der erst 23-Jährigen - über die wechselhaften Leistungen des FC in der Hinrunde spricht, ist man sich im Übertragungswagen einig: „Laura, das war super!“
Nicht nur der Abend in Köln zeigt: Die Strategie des Senders, einen anderen Weg zu gehen als Konkurrent Sport1, der ebenfalls das Zweitliga-Spitzenspiel überträgt, scheint bislang aufzugehen. „Die Reaktionen unserer Zuschauer sind sehr positiv“, sagt Ralph Fürther, Chef der Produkt- und Programmkommunikation bei Sky. Statistiken belegen das: Beim Topspiel am Montag schalten doppelt so viele Zuschauer ein wie noch in der vergangenen Saison.
Frauen-Power als Quotenbringer? „Es ist unsicher, ob das gesteigerte Interesse nur darauf zurückzuführen ist oder ob das Gesamtprodukt zweite Liga an Attraktivität gewonnen hat“, gibt der Medienwissenschaftler Thorsten Schauerte zu bedenken. Um das herauszufinden, müsse man Zuschauerbefragungen machen, so der Experte. Generell habe jedoch ein Wandel eingesetzt. „Die Zeiten sind vorbei, in denen Frauen, die über Fußball berichteten, belächelt wurden.“
Das bestätigt auch Esther Sedlaczek. „Die Toleranz uns gegenüber ist definitiv da“, sagt die 27 Jahre alte Berlinerin, die seit 2010 über die erste und zweite Fußball-Bundesliga berichtet, nachdem sie sich in einem Casting gegen mehr als 2000 Konkurrenten durchgesetzt hatte. „Es ist mir noch nie passiert, dass ich von einem Gesprächspartner nicht ernst genommen wurde.“ In der Vergangenheit, so Sedlaczek, hätten einige Kolleginnen bereits „gute Vorarbeit“ geleistet und gezeigt, dass Frauen in der einstigen Männerdomäne bestehen können. „Ich denke da an Monica Lierhaus und Jessica Kastrop.“
„Er hat einfach diese spezielle, sehr offene Art“
Wie Wontorra und Hofmann interessiert sich auch Sedlaczek seit ihrer Kindheit für Fußball, schon damals ging sie ins Olympiastadion, um die Spiele von Hertha BSC zu schauen. Sie sagt: „Es gab nicht irgendwann die Idee, Fußball-Moderatorin zu werden, es gab einfach schon immer diese Leidenschaft.“ Genau die schätzt sie auch an Jürgen Klopp, den sie besonders gern interviewt: „Er hat einfach diese spezielle, sehr offene Art. Bei ihm willst du hören, wenn er sauer ist.“
Die Fußball-Begeisterung der „Montags-Mädels“ kommt offenbar gut an. Oberflächliche Kommentare, wie vom ehemaligen Nationalspieler Michael Schulz geäußert, der in einer Talk-Sendung behauptete, dass Frauen grundsätzlich „die Affinität zum Fußball“ fehle, hört man immer seltener. „Weil ganz einfach die Qualität stimmt und sich Moderatorinnen wie Esther Sedlaczek etabliert haben“, sagt Fürther, der Auskunft darüber gibt, was eine Reporterin bei Sky können muss: „Natürlich spielt die Optik eine Rolle, aber in erster Linie kommt es auf die Kompetenz an.“
Es sei das Ziel des Senders, in Zukunft vermehrt auf Reporterinnen zu setzen, „weil sich immer mehr Frauen für die Sportart interessieren“. Zwei, die in den Planungen von Sky eine wichtige Rolle spielen, sind Laura Wontorra und Ruth Hofmann. „Während ihres Volontariats sind die beiden positiv aufgefallen, sie haben gezeigt, dass sie vor die Kamera wollen. Und deshalb haben sie trotz ihres jungen Alters auch die Chance als Field-Reporterin bekommen“, erklärt Fürther.
Nun erhält die Damenriege weiteren Zuwachs. Erst kürzlich wurde die erste Frau gecastet, die ein Bundesligaspiel live im Fernsehen kommentiert. Christina Graf, eine 26 Jahre alte Studentin aus Siegen, behauptete sich gegen 1200 Mitbewerberinnen. „Ich habe sehr viel Respekt vor der Aufgabe“, sagt sie, wohl wissend, dass es - gerade am Anfang - die eine oder andere kritische Stimme geben könnte. „Das ist Gewohnheitssache. Für die Zuschauer ist es eine Umstellung, wenn jetzt eine Frau kommentiert.“ Doch letztlich sei das Fachwissen entscheidend, „und da denke ich, dass mir meine eigene Fußball-Karriere hilft, um Situationen richtig einschätzen zu können“.
„Sie bringt alles mit, was man in diesem Job braucht“
Christina Graf spielte für Bad Neuenahr und Heike Rheine in der Bundesliga, ehe sie eine Verletzung zum Karriereende zwang. Als Radio-Kommentatorin sammelte sie erste Erfahrungen in der Live-Berichterstattung, doch „der Unterschied zum Fernsehen ist schon krass. Hier kommentiere ich nicht jede Szene, hier muss ich dem Zuschauer nicht erklären, wie ein Spieler den Ball angenommen hat oder wo er sich auf dem Feld befindet.“ Dass Christina Graf die Umstellung gelingt, davon ist man bei Sky überzeugt. „Sie bringt alles mit, was man in diesem Job braucht“, glaubt Chefkommentator Marcel Reif: „Großes Fachwissen, sprachliche Fertigkeit, eine markante Stimme und echte Begeisterung für den Fußball.“
Für Fürther ist der Versuch mit Graf ein „hochspannendes Projekt. Wir wollen, dass es zur Normalität wird, dass auch eine Frau ein Fußballspiel kommentiert.“ An diesem Sonntag debütiert Christina Graf bei der Partie zwischen Regensburg und Hertha BSC am Sky-Mikrofon (13.30 Uhr / Live im 2. Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET), am 9. Februar sitzt sie bei der Partie zwischen dem MSV Duisburg und 1860 München am Mikrofon. Weitere Einsätze sollen folgen. Vielleicht ja auch beim Topspiel am Montag, dann wäre die Damenrunde perfekt. „Es gibt hier auf jeden Fall keinen Zickenkrieg“, verspricht Laura Wontorra. Höchstens kleinere modische Schwierigkeiten. Aber auch die lassen sich ja bekanntlich lösen.
Quote ? Eher nicht anzunehmen.
Wilhelm G. Hupers (Ueberblicker)
- 02.02.2013, 11:21 Uhr
Ich finde es klasse, denn
Andreas Rühl (raruehl)
- 01.02.2013, 23:42 Uhr
Haben die drei denn eine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. Studium?
Martin Enzinger (FlorianGeyer)
- 01.02.2013, 23:07 Uhr
Stellen nu für Frauen!?
Andreas Rheinhardt (AndreasRheinhardt)
- 01.02.2013, 23:05 Uhr
Wontorra
Closed via SSO (klauswasinhollywood)
- 01.02.2013, 16:35 Uhr